InterviewMalte Moos von den Stuttgarter Kickers „Ich bin froh, dass wir gleich wieder spielen“

Von Jürgen Frey 

Er trug schon den DFB-Adler auf der Brust, in Mainz war Sandro Schwarz sein Ziehvater – nun versucht Malte Moos bei den Stuttgarter Kickers durchzustarten. Im Interview spricht der 23-Jährige über die sportlichen Ziele und einen internen Wettstreit mit seinem WG-Kollegen David Kammerbauer.

Mit viel Offensiv-Power auf der rechten Außenbahn unterwegs: Der technisch versierte Malte Moos. Foto: Baumann
Mit viel Offensiv-Power auf der rechten Außenbahn unterwegs: Der technisch versierte Malte Moos. Foto: Baumann

Stuttgart - Die 1:3-Heimniederlage gegen den FC Nöttingen ist für den Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers abgehakt. Der Blick richtet sich auf das WFV-Pokal-Achtelfinal-Heimspiel an diesem Mittwoch (19 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den Regionalligisten TSG Balingen. Am Sonntag (15 Uhr) geht es dann um Punkte beim SV Oberachern weiter.

Herr Moos, wie lang brauchen Sie, um eine Niederlage wie die gegen den FC Nöttingen aus den Kleidern zu schütteln?

Es kam ja bislang noch nicht oft vor. Ich denke den Samstagabend über hat man daran schon zu knabbern, am Sonntag folgt die Videoanalyse mit einzelnen prägnanten Szenen, die bei nicht gewonnenen Spielen etwas länger ausfallen kann. Am Montag ist frei, da versucht man abzuschalten und das Spiel dann auch endgültig abzuhaken.

Woran lag es, dass es gegen den FC Nöttingen nach vier Pflichtspielsiegen hintereinander nicht wie gewohnt lief?

Wir waren nicht so im Spiel wie sonst. Insgesamt waren wir zu ungeduldig, haben zu viele lange Bälle gespielt. Es fehlte an Präzision.

Irgendwie ärgerlich, da die Konkurrenten 1. Göppinger Sportverein und VfB Stuttgart II ebenfalls gepatzt haben.

Klar, mit einem Sieg wären wir sogar Tabellenführer gewesen. Aber in Anbetracht des Spielverlaufs und eben auch der anderen Ergebnisse hätten wir auch einmal mit einem Punkt leben können. Doch wir wollten zu viel.

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Wie gelegen kommt Ihnen das WFV-Pokal-Achtelfinalspiel bereits an diesem Mittwoch (19 Uhr) im Gazi-Stadion gegen den Regionalligisten TSG Balingen?

Ich bin froh, dass wir dieses Spiel jetzt gleich vor der Brust haben. Niederlagen sind ekelhaft, deshalb ist es gut, dass wir am Mittwoch schon wieder ran dürfen. Ein gutes Spiel – und die Welt schaut schon wieder ein wenig anders aus. Das würde uns mit Blick auf das Oberliga-Auswärtsspiel am darauf folgenden Sonntag beim SV Oberachern gut tun.

Der Trainer dürfte im WFV-Pokal wieder rotieren. Glauben Sie Ramon Gehrmann testet die Dreierkette mit Daniel Niedermann, der im Cup-Wettbewerb bisher immer zum Einsatz kam?

Zumindest haben Daniel Niedermann genauso wie Torwart Thomas Bromma in den Pokalspielen bisher immer gespielt. Aber das muss der Coach entscheiden. Alles ist möglich. Zumal in Marvin Weiss ein Mittelfeldspieler ausfallen wird (Anm. d. Red.: Verletzung im Adduktorenbereich, genaue Diagnose steht noch aus).

Kommen wir zu Ihrer Laufbahn. Sie sind echter Mainzer Junge?

Das kann man so sagen. Ich bin in Mainz geboren und aufgewachsen, habe beim FSV Mainz 05 alle Jugendmannschaften durchlaufen, habe dann bei den Aktiven zwei Jahre in der dritten Liga und ein Jahr in der Regionalliga jeweils in der zweiten Mannschaft gespielt.

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Dann ging es für eine Saison zu Regionalligist Wormatia Worms. Warum?

Ich wollte mal einen Tapetenwechsel vornehmen, aber noch nicht komplett von zu Hause weg. So bin ich zur Wormatia gewechselt und bin die 35 bis 40 Autominuten von Mainz nach Worms gependelt.

Sie haben drei Spiele in der deutschen U-18-Nationalmannschaft absolviert. Warum hat es bei Mainz 05 nicht zum Durchbruch nach ganz oben gereicht?

Es stimmt, ich habe drei Spiele für die U18 des DFB gemacht und war auch ein paar weitere Mal unter den Trainern Christian Ziege und Horst Hrubesch im Kader. Solche Höhepunkte mit dem Adler auf der Brust vergisst man nicht. Was den Durchbruch bei Mainz betrifft: Man muss auch immer auf einen Trainer treffen, der auf die Qualitäten von einem steht. Bei mir war es so, dass ich in den Kader der ersten Mannschaft reingeschnuppert habe, aber der dänische Coach Kasper Hjulmand dann entlassen wurde. Sein Nachfolger Martin Schmidt stand dann eben eher auf andere Spieler.

Wer hat Sie im Nachwuchsleistungszentrum in Mainz am meisten geprägt?

Ganz klar Sandro Schwarz. Er hat mich zwei Jahre in der U19 und zwei Jahre in der zweiten Mannschaft des FSV 05 trainiert und gefördert.

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Warum ging es dann von Worms vor dieser Saison eine Etage tiefer zu den Stuttgarter Kickers?

Ich war für die Wormatia bis auf drei Spiele, in denen ich verletzt fehlte, immer im Einsatz. Ich fand es aber einmal an der Zeit, mit 23 Jahren, von zu Hause wegzugehen und mich woanders weiterzuentwickeln. Und die Stuttgarter Kickers sind nun mal ein Traditionsverein. Ich habe viele Spiele gegen die Blauen ausgetragen. Ich fand das Stadion und die Fans damals schon immer etwas ganz Besonderes.

Wo spielen Sie lieber: Hinten rechts in der Viererkette oder davor auf der rechten Außenbahn?

Ich spiele auf beiden Positionen gerne.

Sie leben in Plieningen in einer Wohngemeinschaft mit Ihrem Mannschaftskameraden David Kammerbauer. Wie funktioniert die Aufgabenverteilung?

Ich bin der Chef, er arbeitet um mich herum. Schließlich bin ich ein Jahr älter (lacht).

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Wer kocht welche Leibspeise?

Da läuft ein interner Wettbewerb, wer sich am Herd besser anstellt. Ich bin für die Pasta zuständig. David steht eher auf Salat mit Kichererbsen.