Filipp Fritz, der Leiter der Malteser-Rettungswache Plochingen (links), mit einigen der Notfall- und Rettungssanitäter, die an Weihnachten im Einsatz sind. Foto: Elke Hauptmann
Die Rettungskräfte des Malteser Hilftsdienstes in Plochingen (Kreis Esslingen) haben an den Weihnachtsfeiertagen viel zu tun. Warum sie dennoch gern arbeiten, wenn andere feiern.
Elke Hauptmann
25.12.2025 - 08:00 Uhr
Raclette an den Weihnachtsfeiertagen hat bei ihnen Tradition. Jeder bringt etwas mit. Doch dass alle gemeinsam zum Essen an einem Tisch sitzen, „das kommt sehr selten vor“, sagt Filipp Fitz, der Leiter der Malteser Rettungswache Plochingen. Denn immer wieder piept ein Funkmelder – und wenn über die Integrierte Leitstelle Esslingen ein Alarm bei ihnen eingeht, rückt eines der aus Notfall- und Rettungssanitätern bestehenden Teams umgehnd aus. Bei Bedarf auch einer der anwesenden Ärzte.
Am Standort in der Eisenbahnstraße sind insgesamt rund 50 Mitarbeitende der Malteser in mehreren Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Ein Notarzteinsatzfahrzeug, zwei Rettungswagen, ein Krankenwagen und der ärztliche Bereitschaftsdienst mit zwei Fahrzeugen sind hier stationiert. Weil die Wache verkehrsgünstig liegt, können die Lebensretter Einsatzorte in Plochingen sowie in den umliegenden Gemeinden innerhalb weniger Minuten erreichen.
Rinesa Ahmeti (links) in einem der Rettungwagen der Malteser Foto: Elke Hauptmann
Ob Platzwunde, Knochenbruch oder Schlaganfall: „Man muss sich auf alles Mögliche gefasst machen“, weiß Notfallsanitäterin Rinesa Ahmeti, die seit fünf Jahren bei den Plochinger Maltesern arbeitet. Auch dieses Weihnachten ist sie wieder mit Moritz Karg in Einsatzbereitschaft. Für den Azubi ist das Arbeiten zum Fest eine Selbstverständlichkeit. „Meine Motivation ist die gleiche, wie an jedem anderen Tag auch: Ich möchte Menschen helfen.“
„Die Stimmung an Weihnachten ist besonders. Wir erfahren viel mehr Dankbarkeit als sonst.“
Rinesa Ahmeti, Notfallsanitäterin
Weihnachten gehört bei den Maltesern zum Dienstplan. Alle im Team wissen: Jeder muss mal ran. Und es finden sich oft auch genug Freiwillige. In der Regel sei der Dienst an den Feiertagen etwas ruhiger als sonst, stellen Ahmeti und Karg fest. Nicht nur, weil weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind und dadurch die Unfallgefahr sinkt. Es gibt auch weniger Einsätze wegen eher harmloser Fälle. Die Hemmschwelle, an Weihnachten Hilfe zu holen, ist offenbar höher. Denn: „Niemand möchte gern in dieser Zeit im Krankenhaus liegen“, sagt Karg.
Einsätze wegen Bagatellen demotivieren Rettungsdienste
An anderen Tagen im Jahr kommt es durchaus vor, dass jemand den Notruf etwa wegen Erkältungsbeschwerden wählt. Für Rettungskräfte sind solche Bagatelleinsätze demotivierend. Weil die Teams und die Fahrzeuge dann nicht mehr für klassische Notfalleinsätze zur Verfügung stehen, sagt Fritz. Er betont aber zugleich: „Wir sind jederzeit und für jedes Hilfegesuch der Bevölkerung da.“ Denn sie seien sich der besonderen Umstände bewusst, weshalb die Menschen den Rettungsdienst verständigen. Hilfreich wäre es aus ihrer Sicht aber, sie würden vor dem Anruf hinterfragen: Befindet sich die Person gerade in einem möglicherweise lebensbedrohlichen Zustand oder wäre eine Vorstellung bei Hausarzt oder beim ärztlichen Bereitschaftsdienst auch möglich?
Das tägliche Einsatzaufkommen lässt sich laut Fritz nie vorhersagen. Auch nicht, was die Retter bei einem Alarm tatsächlich erwartet. „Das ist das Spannende an diesem Beruf“, sagt Ahmeti. „Ich könnte nicht im Büro arbeiten.“ Typische Einsätze an Weihnachten sind den Erfahrungen der Malteser zufolge Blessuren und Frakturen durch Stürze – verursacht durch übermäßigen Alkoholgenuss, Schnee oder Eisglätte. „Aber auch Bauchschmerzen vom vielen Essen kommen vor“, berichtet Ahmeti.
Einsätze an den Feiertagen sind eine Herausforderung für die Retter
Eine Herausforderung bei den Einsätzen an den Feiertagen ist: Wenn die Familien zusammenkommen, sind meistens viele Personen vor Ort – und das kann nicht nur Stress für den Patienten selbst bedeuten, sondern auch für die Rettungskräfte mittendrin im Trubel. Da ist Feingefühl gefordert. Die Stimmung an Weihnachten sei dennoch besonders, findet Ahmeti. „Wir erfahren viel mehr Dankbarkeit als sonst.“
Und dann gibt es noch ganz anders gelagerte Fälle: Die Rettungskräfte werden hin und wieder zu Menschen gerufen, die über Atemnot, Schwindel und Brustschmerzen klagen – und vor Ort stellt sich dann heraus, dass die medizinischen Beschwerden nicht das eigentliche Problem sind. Es ist die Einsamkeit, die ihnen aufs Herz schlägt. „Das sind Alleinstehende, die niemanden zum Reden haben“, sagt Ahmeti. Gerade zu Weihnachten verstärkt sich dieses Gefühl.
Nach Angaben der Malteser werden von der Wache in Plochingen aus jährlich rund 3000 Notarzteinsätze, 4800 Rettungswageneinsätze und 1500 Krankentransporte durchgeführt.
Rufnummern für den Notfall
Polizei Den Polizeinotruf 110 sollte man nur in akuten Ausnahmesituationen wählen. In allen anderen Fällen kann man die örtliche Polizei verständigen, deren Telefonnummer findet man zum Beispiel über das Internet.
Feuerwehr und Rettungsdienst Bei Bränden, Unfällen und anderen lebensbedrohlichen Situationen sowie medizinischen Notfällen stehen die Feuerwehr und der Rettungsdienst unter der Nummer 112 zur Verfügung.
Ärztlicher Bereitschaftsdienst Handelt es sich um eine Erkrankung, mit der man normalerweise einen Arzt in der Praxis aufsuchen würde, aber die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 erreichbar.
Krankentransport Für einen Krankentransport, bei dem ein Patient unter medizinisch-fachlicher Betreuung lediglich befördert werden muss, lautet die Rufnummer im Kreis Esslingen 07153/19222.