Malteserschloss in Heitersheim Corona stoppt chinesische Internatspläne

Nonnen raus, Schüler rein – daraus wird nichts. Foto: dpa/Patrick Seeger
Nonnen raus, Schüler rein – daraus wird nichts. Foto: dpa/Patrick Seeger

Noch wohnen Nonnen im Malteserschloss zu Heitersheim. Eigentlich sollte es nun in eine internationale Privatschule umgewandelt werden. Doch daraus wird nun nichts.

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
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Heitersheim - Die Pläne für eine internationale Privatschule im ehemaligen Malteserschloss im südbadischen Heitersheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) sind vom Tisch. Nach 15-monatiger Planungszeit erklärte die deutsch-chinesische Investorengesellschaft überraschend das Aus für das Millionen-Projekt. Damit ist die Zukunft des berühmten Renaissance-Baus, der einst Hauptsitz des Malteserordens war, wieder offen. Die Stadt nehme die Entscheidung mit großem Bedauern entgegen, sagte der Bürgermeister Christoph Zachow (parteilos). Allerdings seien die Gründe für den Rückzug „in der Summe nachvollziehbar“.

Vor allem die Coronakrise habe das Projekt in Probleme gebracht, sagte Christoph Hodeige. Der 62-jährige ehemalige Herausgeber der „Badischen Zeitung“ in Freiburg hatte die Idee einer internationalen Privatschule zusammen mit chinesischen Unternehmern aus dem dortigen Bildungsbereich realisieren wollen. Doch zum einen erlitten offenbar auch sie durch Schulschließungen im Heimatland Verluste, die ihre finanziellen Spielräume beschnitten. Zum anderen hätten sich die Rahmenbedingungen für solch ein Projekt verschlechtert, sagte Hodeige.

Geschlossene Grenzen verhindern das Projekt

300 Oberstufenschüler aus allen Erdteilen hätten in Heitersheim auf Englisch unterrichtet werden sollen. Doch viele kämen in ihren Ländern momentan „nicht raus und nicht rein“. Man müsse damit rechnen, dass die gegenwärtigen Reisebeschränkungen noch lange in Kraft blieben, sagte Hodeige unserer Zeitung. Zudem hätte man wohl Quarantänebereiche im Internat einrichten müssen. Dies mache zusätzliche Anbauten erforderlich. Jedoch hätten sich die Verhandlungen mit dem Denkmalamt ohnehin schwierig gestaltet.

Auch die politische Großwetterlage habe den Investoren nicht in die Karten gespielt. „Das Verhältnis zu China ist abgekühlt.“ Und auch in Heitersheim habe es ein „kontinuierliches Trommelfeuer“ gegeben. „Da wurde so getan, als würde das hier eine chinesische Kaderschmiede“, klagte Hodeige.

Die Bürger wollen das Internat

Tatsächlich war das Projekt von Anfang an umstritten gewesen. Der Gemeinderat hatte es knapp abgelehnt. In einem Bürgerentscheid im Februar 2020 sprachen sich dann aber bei einer hohen Wahlbeteiligung 55 Prozent der Wähler für das Projekt aus. Doch die unterlegene Bürgerinitiative gab nicht auf und stellte immer wieder kritische Fragen, so auch die nach der Herkunft der rund 25 Millionen Euro, die in Kauf und Umbau fließen sollten. „Ob das nicht chinesisches Staatsgeld ist, wurde uns nie beantwortet“, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative Malteserschloss, Zsolt Pekker.

Er freue sich, dass die Stadt nun eine neue Chance erhalte, nach der besten Lösung für die Menschen im Ort zu suchen. Er favorisiere die Nutzung für soziale Einrichtungen. Eine Tagespflege und ein Kinderhospiz würden dringend benötigt, die dortige Flüchtlingsunterkunft könne erhalten bleiben.

Die Nonnen ziehen aus

Der katholische Orden der heiligen Schwestern vom Vinzenz von Paul, dem bisher das Maltesterschloss gehört, bedauerte die Absage. Man sei voll hinter dem Schulprojekt gestanden. Allerdings seien auch dem Orden wegen der unablässigen Störfeuer aus der Bürgerinitiative zuletzt Zweifel gekommen. Es wäre schwer zu ertragen gewesen, wenn den Schülern aus Asien und anderen Ländern offene Fremdenfeindlichkeit entgegengebracht worden wäre, erklärte der Ordenssprecher Peter Schmieg.

Das Ensemble mit 9000 Quadratmetern Nutzfläche werde nun auf dem freien Immobilienmarkt wieder angeboten. Auch mit der Stadt wolle man wieder ins Gespräch kommen. Doch eine Übernahme durch die Kommune sei im Anbetracht der Kosten wohl illusorisch, sagte Bürgermeister Zachow. Die Zeit drängt. Die rund 40 Ordensschwestern, die gegenwärtig noch hochbetagt im Schloss wohnen, sollen bis zum Jahresende 2022 komplett ins Freiburger Mutterhaus umziehen.

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