Mammutprozess gegen Black Jackets Lange Haftstrafen für Schläger der Black Jackets

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Der Mammutprozess gegen 21 Mitglieder der Rockerbande endet mit mehrjährigen Freiheits- und Jugendstrafen. Die Täter sind im Sommer 2009 in einem Schulhof in Esslingen mit Schlagstöcken über eine Gruppe junger Leute hergefallen.

Lokales: Oliver im Masche (che)
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Stuttgart - In kleinen Gruppen oder auch allein stehen die 21 Verurteilten – allesamt Mitglieder und Sympathisanten der rockerähnlichen Blak Jackets – nach dem Urteil noch vor dem Gerichtsgebäude. Manche der Männer im Alter von 20 bis 27 Jahren fallen sich trotz der Haft- und Jugendstrafen, zu denen sie kurz zuvor verurteilt worden sind, in die Arme. Andere tauschen feindselige Blicke aus.

Denn die zweieinhalbjährige Gerichtsverhandlung hat zu Rissen in der Gruppe geführt. Beim Prozessbeginn im März 2010 waren die 21 Männer noch als eingeschworene Gemeinschaft aufgetreten. Gegenseitige Beschuldigungen und Geständnisse haben indes ihre Spuren hinterlassen. Denn bei den Black Jackets gilt der eherne Grundsatz, dass niemand den anderen verrät. Doch diese Maxime gilt anscheinend inzwischen nicht mehr uneingeschränkt.

196 Verhandlungstage

Der Mammutprozess am Landgericht in Stuttgart ist nach 196 Verhandlungstagen zu Ende. 70 Zeugen wurden gehört. Nach zweieinhalbjähriger Prozessdauer haben die Richter der Zweiten Jugendkammer alle 21 Männer am Montag wegen eines brutalen Überfalls auf eine Gruppe junger Leute in einem Schulhof in Esslingen zu Freiheits- und Jugendstrafen verurteilt.

Bei elf von ihnen werden wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung in drei Fällen Strafen von vier Jahren bis sieben Jahren und neun Monaten ausgesprochen. Die zehn weiteren Verurteilten erhalten wegen schwerer Körperverletzung Freiheits- und Jugendstrafen von bis zu vier Jahren und neun Monaten. Den Opfern wird ein Schmerzensgeld von insgesamt 108 500 Euro zugesprochen.

Das Gericht geht von einer geplanten Racheaktion aus

Die Jugendkammer kam zum Schluss, dass der Angriff der Black Jackets in der Nacht zum 27. Juni 2009 auf 20 junge Leute im Hof der Waisenhofschule in Esslingen eine geplante Racheaktion war gegen die rivalisierende Jugendgruppe „La Fraternidad“, was auf Deutsch „Die Brüderschaft“ heißt. Zuvor habe man sich gegenseitig provoziert. Ein Black-Jackets-Mitglied – zu fünf Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt – habe die Stimmung immer wieder angeheizt, um sich in der Gruppe Anerkennung zu verschaffen und aufzusteigen.

Im Clubheim in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) schmiedete man schließlich den Plan, den Mitgliedern der rivalisierenden Gruppe in Esslingen eine Abreibung zu verpassen. Weitere „Schwarzjacken“ wurden hinzugerufen sowie Waffen und Maskierungen herbeigeschafft. In mehreren Autos fuhr die Gruppe noch am selben Abend nach Esslingen, in einem weiteren Wagen wurden die Waffen transportiert. Angekommen in Esslingen verteilte man die Schlagstöcke und Eisenstangen und zog die Sturmmasken über. Anschließend stürmte die Gruppe den Hof und schlug blindlings auf die arglosen jungen Leute ein.

Opfer leiden bis heute

Sechs Personen wurden bei der nur zwei bis drei Minuten dauernden Attacke verletzt, von ihnen erlitten zwei junge Männer schwere Kopfverletzungen. Deren Blessuren sind zwar verheilt. Psychisch leiden sie aber bis heute an dem Überfall. Noch schlimmer getroffen hat es einen 26-Jährigen: Dessen Schädel wurde durch massive Schläge zertrümmert, so dass Hirnmasse austrat. Zwar überlebte der Mann. Laut einem medizinischen Gutachter wird er aber nie mehr ein selbstständiges Leben führen können. Tragisch: die Opfer waren allesamt keine Mitglieder der „Brüderschaft“, sondern Zufallsopfer. Denn der Schulhof ist für junge Leute spätabends ein beliebter Treffpunkt.

Laut der Vorsitzenden Richterin Sina Rieberg nahmen elf der jungen Schläger bei der Tat den Tod von Opfern in Kauf. „Man hat fast den Eindruck gewonnen, dass die rivalisierende Gruppierung im wörtlichen Sinne zerschlagen werden sollte“, so Rieberg. Bei den weiteren zehn Tätern habe der bedingte Tötungsvorsatz allerdings nicht nachgewiesen werden können.

Mauer des Schweigens bröckelt erst spät

Bei dem Prozess waren die Richter zunächst auf eine Mauer des Schweigens gestoßen. Aussagen, die zuvor bei der Polizei gemacht worden waren, wurden zurückgenommen. Nach und nach räumten einige der jungen Männer aber ihre Tatbeteiligung und Schläge ein. Dabei erklärten die meisten ihr Bedauern. Von den Black Jackets sagten sie sich los. Die Gruppe hat erst im Sommer erklärt, dass sich die Stuttgarter Sektion aufgelöst habe. Ob dies tatsächlich stimmt, ist nicht bekannt.




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