Manager Andreas Schell Neuer Job für früheren EnBW-Chef

Bleibt in der Branche: Ex-EnBW-Chef Schell Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Nach seinem Abgang bei der EnBW hat Andreas Schell wieder einen Chefposten. Auch seine neue Firma arbeitet an der Energiewende – ist aber ungleich kleiner.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der Kurzzeit-Chef des landeseigenen Energiekonzerns EnBW, Andreas Schell, hat wieder einen Job. Gut ein Jahr nach seinem überraschenden Abgang als Vorstandsvorsitzender hat Schell (55) als Chef bei dem Solarparkentwickler IB Vogt angefangen. Seit Anfang Juni führt er das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin und Niederlassungen auf mehreren Kontinenten, das weltweit Photovoltaik-Großanlagen plant, baut und betreibt. Darüber informierte Schell jetzt auf seiner Seite im Karrierenetzwerk Linked-in und die Firma auf ihrer Homepage. Bei IB Vogt tritt er die Nachfolge von Anton Milner an, der 15 Jahre im Unternehmen war und Gesellschafter bleibt. Er zieht sich mit 64 Jahren altershalber zurück.

 

Milner bescheinigte seinem Nachfolger, er bringe „eine Fülle von strategischem und operativem Know-how und Erfahrung mit“. Dies sei „von unschätzbarem Wert“, wenn das 2002 gegründete Unternehmen weiter wachse. Schell wurde mit den Worten zitiert, er fühle sich „geehrt, in einer so entscheidenden Zeit“ zu IB Vogt zu kommen. Mit 250 Millionen Euro Umsatz und gut 900 Mitarbeitenden ist die Firma ungleich kleiner als der Energiekonzern EnBW mit seinen 30 000 Beschäftigten, der jährlich Milliardengewinne ausweist. Gemeinsam ist ihnen allerdings das erklärte Ziel, die Energiewende voranzutreiben.

Millionen zum Abschied bei der EnBW

Damit bleibt Schell in der Energiebranche tätig, die bei seinem Wechsel zur EnBW noch neu für ihn war. Zuvor war er für den Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen und in der Autoindustrie tätig gewesen. Bei dem Energiekonzern hatte er die Nachfolge von Frank Mastiaux angetreten, der als außergewöhnlich erfolgreicher Vorstandschef galt. Offiziell wurde Schells Ausscheiden nach kaum anderthalb Jahren mit Differenzen über die künftige Strategie begründet; dem Vernehmen nach wollte er das Gasgeschäft abstoßen und die EnBW zum reinen Stromkonzern machen. Die beiden Großaktionäre, das Land und der Landkreiseverbund Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), lehnten dies ab. Ihre Vertreter im Aufsichtsrat verloren zusehends das Vertrauen in den Konzernchef. Schließlich durfte er selbst sein Ausscheiden verkünden. Die EnBW verabschiedete ihn mit einem „goldenen Handschlag“: als Abfindung für die kurze Amtszeit erhielt er gut 6,4 Millionen Euro.

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