Manfred Nuber im Interview Obst-Experte warnt vor massiven Trockenschäden

Von Florian Mader 

Zwar hat es in den vergangenen Tagen geregnet. Manfred Nuber schlägt trotzdem Alarm: In diesem Sommer könnte es bei Obstbäumen massive Trockenschäden geben.

Manfred Nuber schaut seine Kirschen an: Nur noch drei Früchte hängen dort. Es müssten zwanzig sein. Foto: factum/Simon Granville
Manfred Nuber schaut seine Kirschen an: Nur noch drei Früchte hängen dort. Es müssten zwanzig sein. Foto: factum/Simon Granville

Böblingen - Manfred Nuber ist nicht nur Obstbauberater des Landratsamts, sondern betreibt in Schafhausen selbst einen Obstbaubetrieb. Er weiß deshalb genau, wie es um die Bäume steht.

Herr Nuber, haben die Eisheiligen große Schäden angerichtet?

Ja, bei empfindlichen Kulturen. Bei Trauben zum Beispiel gibt es fast gar nichts mehr zu ernten. Aber auch Zierpflanzen oder Exoten wie Zitronen oder Kiwis haben die minus drei Grad am Montag nicht gut verkraftet. Bei Äpfel, Kirschen und Zwetschgen haben die Eisheiligen nichts mehr angerichtet.

Das heißt, dort gibt es eine normale Ernte?

Nein, allenfalls eine mittlere Ernte. Wir hatten in diesem Jahr schon drei Frostphasen: Ende März, Anfang April und Mitte April. Stark geschädigt wurden dabei Aprikosen und Pfirsiche. Mäßig geschädigt wurden Zwetschgen und Kirschen. Ich habe hier zum Beispiel ein Kirschenbaum, an dem zwei Früchten hängen, wo 20 hängen müssten. Der Apfel kam bisher glimpflich davon, da hatten wir nur zehn Prozent Ausfall. Dazu kommt aber die Trockenheit.

In dieser Woche hat es doch stark geregnet.

Die drei letzten Jahre waren zu trocken, wir schleppen ein gewaltiges Defizit mit uns rum. Es fehlt die Winterfeuchte.

Was heißt das?

Der Baum verdunstet Wasser über die Blätter. Und im Winter hat der Baum keine Blätter, deshalb verbraucht er nichts und im Boden kann sich überschüssiges Wasser ansammeln, das dann über den Sommer hinweg verdunstet wird. Dieser Wintervorrat an Wasser ist aber nicht da. Die Aussichten sind zurzeit sehr düster, weil über die Jahre hinweg tiefere Bodenschichten nicht aufgefüllt wurden.

Was bräuchten die Bäume?

Allein aus dem April haben wir wegen der hohen Verdunstung ein Wasserdefizit von 91 Litern. Im Mai müsste es jetzt doppelt so viel regnen, um das auszugleichen. Bis jetzt hat es im Mai aber noch keinen Liter zusätzlich geregnet. Das Risiko für Trockenschäden ist enorm groß.

Auch wenn’s im Sommer nicht so heiß wird?

Weil die Bäume auf keine Vorräte zurückgreifen können, müssen das nehmen, was es aktuell regnet. Selbst ein durchschnittlicher Sommer wäre deshalb für die Bäume viel zu trocken. Wenn der Baum merkt, er kann nicht mehr alles ernähren, wirft er vorzeitig Früchte ab. Und die, die erhalten bleiben, werden schlechter versorgt. Dann gibt es kleinere Früchte.

Gab es schon Schäden?

Es sind zwar einzelne Bäume schon abgestorben, aber noch gab es keine größeren Baumschäden. Die Mehrheit der Bäume steht ja noch. Aber mit jedem Monat steigt die Gefahr. Dazu kommt, dass Schädlinge und Pilze nur darauf warten, dass es den Bäumen schlecht geht.

Was hilft gegen die Schädlinge?

Leider gibt es dagegen keine Mittel. Wenn ein Baum im Stress ist, kann er sich nicht so gut gegen Fremderreger wehren. Zurzeit haben wir zum Beispiel einen massiven Befall von Borkenkäfern, vor allem bei der Zwetschge. Der wird von gestressten Bäumen angelockt – das riecht er. Wenn der Baum fit wäre, würde er den anbohrenden Käfer mit Saftfluss abwehren. Aber wenn der Baum geschwächt ist, kann er das nicht.

Warum ist die Zwetschge derart betroffen?

Die ist für den Käfer attraktiver als ein Apfelbaum. Beim Apfel haben wir dafür den Diplodia-Pilz. Den gab es früher auch schon, aber bei Bäumen im Trockenstress kann er gut in die Rinde eindringen. Wenn er sich rund um den Stamm vorgearbeitet hat, stirbt der Baum ab. Beim Diplodia-Pilz hatten wir in den letzten drei Jahren eine massive Zunahme. Auch gegen diesen Pilz kann man nichts machen.

Haben Sie einen Tipp für Hobbygärtner?

Wer im Garten einen Wasseranschluss hat oder Regenwasser sammeln kann, sollte auf jeden Fall gießen. Dazu rufen wir auch auf: Im privaten Garten sollte man überlegen, wie man Regenwasser sammeln kann – mit Zisternen oder Fässern. Denn wenn es dann mal regnet, sollten Hobbygärtner das Wasser unbedingt speichern.

Wie gehen professionelle Obstbauern mit der Situation um?

Einerseits könnte der Klimawandel für den Obstbau positiv sein, weil es wärmer ist und mehr Sonne gibt – aber das geht alles natürlich nur, wenn genügend Wasser da ist. Für den professionellen Obstbau ist die Bewässerung ein ganz großes Thema. Beeren wie Himbeeren oder Brombeeren können Sie inzwischen nicht mehr ohne Bewässerung anbauen. Apfel, Kirsche oder Birne können Sie aber nur bewässern, wenn sie einen eigenen Brunnen oder große Zisternen besitzen. Die, die das nicht haben, könnten die Verlierer sein.

Wer jetzt einen Apfelbaum anpflanzen will: Welche Sorten gehen besser mit den Veränderungen um?

Meiden sollte man Cox-Orange-Äpfel. Die schmecken zwar sehr gut. Aber sie wachsen nicht bei Trockenheit, und wenn es regnet, wachsen sie sprunghaft, reißen auf und faulen. Besser ist der robuste Topaz, das ist deshalb im Moment auch die meist gepflanzte Sorte im Streuobstanbau.




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