Manipulationen Skandal bringt VW-Personalkarussell in Gang

Ein Dieselfahrzeug des Typs Volkswagen Golf V     steht bei der gesetzlich vorgeschriebenen Abgasuntersuchung auf dem Prüfstand. Der in Ingolstadt aufgewachsene Matthias Müller sagt, dass er sich in Stuttgart sehr wohl fühle – er geht aber trotzdem  nach Wolfsburg. Foto: dpa
Ein Dieselfahrzeug des Typs Volkswagen Golf V steht bei der gesetzlich vorgeschriebenen Abgasuntersuchung auf dem Prüfstand. Der in Ingolstadt aufgewachsene Matthias Müller sagt, dass er sich in Stuttgart sehr wohl fühle – er geht aber trotzdem nach Wolfsburg. Foto: dpa

Der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller soll VW-Chef werden. Beim Sportwagenhersteller steht Produktionschef Oliver Blume als Mann an der Spitze des Konzerns bereit.

Stuttgart - Die schwere Vertrauenskrise wegen des Abgasskandals kostet nach VW-Chef Martin Winterkorn weitere Spitzenmanager den Job. Bei den Töchtern Porsche und Audi müssen der für Forschung zuständige Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz und Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg gehen, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Hackenberg war von 2007 bis 2013 Entwicklungschef bei Volkswagen. Nach „Spiegel“-Informationen muss auch dessen Nachfolger bei VW gehen: Heinz-Jakob Neußer. Auch der VW-Chef in den USA, Michael Horn, soll nach Medienberichten seinen Posten räumen. Wegen der Bedeutung des US-Geschäfts sei angedacht, im Konzernvorstand ein eigenes Ressort zu schaffen, sagten zwei mit den Beratungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Kandidat für den Posten sei Skoda-Chef Winfried Vahland. Eine dritte Person sagte, Vahland solle Horn in den USA ersetzen.

Die Personalie Hatz hat bei Porsche große Überraschung ausgelöst. Grund für den Rauswurf des Entwicklungschefs ist nicht seine Arbeit in Stuttgart, sondern dessen vorherige Tätigkeit als Motorentwickler bei VW. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung werden die personellen Konsequenzen des Abgasskandals weitere Folgen bei Porsche haben. So gilt es als sicher, dass Vorstandschef Matthias Müller nach Wolfsburg wechselt und die Nachfolge von Winterkorn antritt. Der VW-Aufsichtsrat tagt am Freitag und befasst sich mit den Personalien. Unabhängig von den aktuellen Entwicklungen ist eine weitere Porsche-Personalie. Personalchef Thomas Edig verlässt den Sportwagenhersteller und wird Personalchef der neuen Nutzfahrzeug-Holding von Volkswagen, die der frühere Daimler-Vorstand Andreas Renschler leitet. Edigs Position bei Porsche übernimmt Andreas Haffner, der sich bisher im Personalwesen in Wolfsburg um die Besetzung von Positionen im Topmanagement gekümmert hat. Wenn Matthias Müller die Winterkorn-Nachfolge antritt, dann braucht Porsche einen neuen Chef. Dies wird nach Informationen der Stuttgarter Zeitung der bisherige Produktionschef Oliver Blume sein. Der gebürtige Braunschweiger ist 47 Jahre alt und hat eine lange VW-Konzern-Karriere, insbesondere bei Audi, hinter sich. Seit 2013 gehört er dem Porsche-Vorstand an.

Software seit 2009 verwendet

Unterdessen ist bekannt geworden, dass VW bereits im April in den USA versucht hat, die Abgas-Manipulationen durch einen verdeckten Rückruf von Dieselautos zu kaschieren. Der Konzern forderte Halter von VW- und Audi-Fahrzeugen auf, ihre Autos in die Werkstätten zu bringen, um eine neue Software aufzuspielen. Diese sollte die Abgas-Emissionen optimieren und die Effizienz des Motors steigern. Ein Sprecher der kalifornischen Emissionsschutzbehörde sagte, das Schreiben sei Teil einer landesweiten Rückrufaktion von VW gewesen. Am vergangenen Freitag hatte die US-Umweltbehörde EPA mitgeteilt, dass VW in Modellen der Jahre 2009 bis 2015 eine Software zur Umgehung von Emissionskontrollsystemen verwendet habe.

Inzwischen sind in den USA mindestens zwei Dutzend Klagen in sieben Bundesstaaten gegen VW eingereicht worden. Die Anwälte argumentieren damit, dass Volkswagen die Kunden getäuscht habe, die mehr gezahlt hätten, um vermeintlich umweltfreundliche Autos zu fahren. Nach Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ gibt es 40 solcher Klagen in den USA und Kanada. VW habe bisher „keine Kenntnis, wann, wo, wie welche Klage anhängig ist“, sagte ein Sprecher. Das Justizministerium in Washington soll wegen möglicher strafrechtlicher Vergehen ermitteln. Nach Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig nimmt auch Italiens Justiz VW ins Visier. Die Staatsanwaltschaft in Turin nahm Ermittlungen auf. Auch VW selbst erstatte Anzeige.

Von den Problemen bei VW sind unter anderem auch die Töchter Audi und Skoda betroffen. VW hatte bereits eingeräumt, dass es bei elf Millionen Autos weltweit „Abweichungen“ gebe. Eine genaue und vollständige Liste der betroffenen Modelle gibt es immer noch nicht. VW teilt nur mit, dass es um den Motor mit der internen Bezeichnung EA 189 geht. Nach Recherchen des Auto Club Europa (ACE) handelt es sich um Vier-Zylinder-Dieselmotoren (TDI) mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum, die die Abgasnorm Euro 5 erfüllen. Produziert wurden die Motoren von 2009 bis 2014. Verbraucher, so heißt es beim ACE, könnten nur bei ihrem VW-Händler mit Vorlage des Fahrzeugscheins erfahren, ob ihr Auto betroffen ist. Audi teilt mit, dass es um die Modelle A1, A3, A4 und A6 geht.

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