Mannheim Grundschulen klagen über Probleme

Das Kind streckt und arbeitet im Unterricht mit – in Mannheimer Grundschulklassen mit einem hohem Anteil von Zuwandererkindern ist das momentan eher die Ausnahme. Foto: ddp
Das Kind streckt und arbeitet im Unterricht mit – in Mannheimer Grundschulklassen mit einem hohem Anteil von Zuwandererkindern ist das momentan eher die Ausnahme. Foto: ddp

Die Zuwanderung osteuropäischer Familien in einigen Stadtteilen Mannheims ist eine Herausforderung für die Bildungseinrichtungen: Ein Arbeitskreis beklagt die „enorme Verschlechterung der Bildungssituation. Es fehlt an Dolmetschern und Elternkontakt.

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Mannheim - Die wachsende Zahl von Kindern aus osteuropäischen Familien sorgt für große Probleme an einigen Mannheimer Schulen. Mit einem „Hilferuf“ haben sich deshalb vor kurzem Mitarbeiter des Arbeitskreises Bildung beim Quartiersmanagement der Neckarstadt-West an Oberbürgermeister Peter Kurz, die für Bildungsfragen zuständige Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb (beide SPD) sowie den Gemeinderat gewandt und umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen gefordert.

Nachdem bei Beginn der Zuwanderung vor einigen Jahren einzelne Kinder zunächst den Regelklassen zugeteilt worden seien, habe man in der Grundschule der Neckarstadt vor einem Jahr eine isolierte Vorbereitungsklasse für 25 bulgarischstämmige Kinder eingerichtet, heißt es in dem Brief. Das „eigentliche Programm“ einer solchen Klasse habe dort aber nicht durchgeführt werden können, weil die Kinder, die von ihrem Alter her schon in die zweite, dritte oder vierte Klasse gehört hätten, noch ganz ohne Schulerfahrung gewesen seien. Sie hätten nicht Lesen, Schreiben oder Rechnen können und seien oft nicht einmal in der Lage gewesen, einen Stift oder eine Schere zu halten.

Die Schulen müssen für Dolmetscher aufkommen

Auch die Kommunikation mit den Eltern sei schwierig. Da sie kaum Deutsch könnten, müsse die Schule Dolmetscher, bezahlen, wenn sie mit ihnen reden wolle. Zudem hätten viele weder ein Telefon noch ein Namensschild an der Klingel. Ihre Wohnsituation könne nur als „äußerst prekär“ beschrieben werden, heißt es in dem Brief des Arbeitskreises. Bei Besuchen habe man Räume mit zehn Betten und Kinder ohne Eltern vorgefunden.

Da alle Kapazitäten der Vorbereitungsklasse auf die bulgarischen Kinder übergegangen seien, seien an der Neckarschule andere Kinder, die man zuvor dort in integrierender Form habe fördern können, „völlig aus dem Blick geraten“. Nach Pfingsten sei die Vorbereitungsklasse aufgrund von Personalmangel ganz aufgelöst und die Kinder in Regelklassen verteilt worden.

Manche Eltern haben ihre Kinder schon wieder umgemeldet

Die gesamten Umstände führten „zu einer enormen Verschlechterung der Bildungssituation für alle Schülerinnen und Schüler“, kritisiert der Arbeitskreis. Die Lehrerschaft werde „über die Belastungsgrenzen hinaus“ gefordert. Die bis vor zwei Jahren erfreuliche Quote beim Übergang auf weiterführende Schulen habe sich trotz gesteigerter Anstrengungen verschlechtert. „Bildungsnahe Eltern“ die sich aufgrund der dort laufenden Programme sehr für die Schule der Neckarstadt interessiert hätten, meldeten ihre Kinder mittlerweile an andere Schulen um oder verließen den Stadtteil ganz. Bisher hätten deshalb 21 Anfänger die Schule bis zum Ende der zweiten Klasse wieder verlassen.

Um Abhilfe zu schaffen hat der Arbeitskreis die Stadt aufgefordert, der Schule mehr Mittel für akute Fördermaßnahmen, für sozialpädagogische Betreuung, Dolmetscher und Hausbesucher zur Verfügung zu stellen. Außerdem müssten die Kinder, die in der Regel nicht krankenversichert seien, eine medizinische und eine Essensgrundversorgung erhalten. Nach Angaben der Rektorin der Grundschule selbst ist die Zahl bulgarischstämmiger Kinder dort mittlerweile auf 33 gestiegen – das entspricht zehn Prozent der Gesamtzahl.

Das Rathaus hat noch kein konkretes Zahlenmaterial

„Und jeden Tag kann es passieren, dass zwei oder drei neue Familien dastehen, und ihre Kinder bringen“, sagte sie. Wie viele Zuwandererkinder insgesamt Mannheimer Schulen besuchen, war im Rathaus nicht zu erfahren. Konkrete Daten lägen bisher nicht vor, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Neben der Schule der Neckarstadt seien auch die Grundschulen im Jungbusch und in der Innenstadt schwerpunktmäßig betroffen, sagte sie.

Das Thema Zuwanderung beschäftige derzeit viele Bereiche der Verwaltung; auch das staatliche Schulamt sei aufgefordert Fakten und Probleme zu beschreiben. Ende November wolle man im Gemeinderat einen Bericht erstatten und dann auch Lösungsansätze vorlegen.

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