Mannheimer Gärtner schlagen Alarm Der Aufwand für Pflege wächst

Die neu gepflanzten Platanen an der Augusta-Anlage scheinen zu gedeihen. Foto: Gerold
Die neu gepflanzten Platanen an der Augusta-Anlage scheinen zu gedeihen. Foto: Gerold

Schädlinge und Krankheiten machen dem städtischen Grün zu schaffen: Allein in Mannheim müssen demnächst mehr als 600 Bäume in Anlagen und Alleen gefällt werden.

Mannheim - Die Bäume in Städten sind durch Krankheiten und Schädlinge immer stärker belastet. Zugleich wächst der Aufwand für die Pflege des Grüns an Straßen und in Parkanlagen. Für die Überprüfung der Verkehrssicherheit gibt es neuerdings eine eigene Kontrollrichtlinie. Allein in Mannheim, wo die Richtlinie in diesem Jahr landesweit erstmals umgesetzt wird, müssen im Herbst- und Winterhalbjahr 607 kranke Bäume an Straßen und in Grünanlagen gefällt werden. Das sind, bezogen auf den Gesamtbaumbestand, doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren.

Betroffen sind fast alle wichtigen Baumarten vom Ahorn bis zur Robinie. Jetzt hat das Grünflächenamt der Stadt die wichtigsten Patienten aufgelistet: So sind in der Stadt 8000 alte Platanen von Massaria betroffen, einem Schwächeparasit, der die Äste befällt und sie in nur wenigen Wochen zum Absterben bringen kann. Die betroffenen Bäume müssten mehrmals im Jahr kontrolliert und „durchgearbeitet“ werden, um die Verkehrssicherheit aufrechtzuerhalten, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat.

Vor allem Pilze schwächen viele Baumsorten

Robinien leiden unter dem Eschenbaumschwamm, einem Wurzelpilz, der nach den Feststellungen der Fachleute zu einem wachsenden Vitalitätsverlust der Bäume führt. Ein anderer Pilz, der vor 20 Jahren erstmals in Südschweden und Polen entdeckt wurde und den harmlos klingenden Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ trägt, lässt inzwischen auch in Mannheim Eschen sterben. Vor allem bei jungen Exemplaren führe der Befall rasch zum Absterben, bei älteren komme es hingegen zur Verlichtung und Verbuschungen der Krone – und einer zunehmend Anfälligkeit für andere Erreger.

Sorgen machen den Mitarbeitern des Grünflächenamtes auch die Linden. Einzelne von ihnen sind in der Vergangenheit plötzlich gestorben. In der Anlage am Wasserturm stellten die Baumkontrolleure fest, dass die Kronen alter Linden schütterer und die Blätter kleiner werden. Teilweise erholten sich die Bäume wieder, teilweise nicht. Auch hier werde ein Pilz als Ursache vermutet, ein Nachweis dafür sei aber noch nicht erbracht.

Die Miniermotte, die seit Jahren Kastanien in ganz Europa im Spätsommer vorzeitig braun werden lässt, beeinträchtigt nach bisherigen Untersuchungsergebnissen die Vitalität der Bäume nur zwar nur geringfügig, allerdings sterben inzwischen vereinzelte Bäume in Mannheim auch von den Spitzen her ab. Ein Rückschnitt führe nicht zur Regeneration, ein Erreger sei noch nicht gefunden, sagen die Experten.

Manche Bäume leiden besonders unter dem Stadtklima

Ähnliches gilt für die Baumhasel, die Birkenpappel und die Chinesische Wildbirne. „Sie wurde vor etwa 20 Jahren als neueste, zukunftsträchtigste Stadtbaumart angepriesen und tausendfach in Europa angepflanzt,“ heißt es in der Vorlage des Amtes. Zwischenzeitlich habe man aber festgestellt, dass sie „nur sehr bedingt stadtklimafest ist“. Auch in Mannheim alterten die schönen Bäume selbst auf guten Standorten vorzeitig und stürben rasch ab.

Von den aufgeführten Krankheiten und Schädlingen seien die Stadtbäume in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern gleichermaßen betroffen. Anhand ihrer Ausbreitung ließen sich der Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen gut beobachten. Zwischen den Kommunen finde ein reger Austausch satt, um Lösungsansätze für die Probleme zu finden, berichteten die Mannheimer Fachleute.

Abhilfe erhoffe man von einer stärkeren Artenvielfalt der Bäume; praxisnahe Tests hätten bereits begonnen. Klar sei aber auch, dass Bäume mehr Standraum bräuchten als früher angenommen. Besonders in den ersten Jahren sei zudem eine intensivere Pflege nötig.

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