Mannheimer Kunsthalle Die Weltarchitektur als Maßstab

In viel Licht getaucht, sind die gravierenden baulichen Mängel des „Mitzlaff-Baus“ der Kunsthalle nicht offensichtlich. Foto: StZ 2 Bilder
In viel Licht getaucht, sind die gravierenden baulichen Mängel des „Mitzlaff-Baus“ der Kunsthalle nicht offensichtlich. Foto: StZ

Nach der 50-Millionen-Euro-Spende für die Kunsthalle soll ein Großprojekt in Mannheim die Stadt zur europäischen Kulturhauptstadt machen.

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Mannheim - Mit Spitzenwerken der Malerei der Moderne und einer international bedeutenden Skulpturensammlung prägt die Mannheimer Kunsthalle seit mehr als hundert Jahren das Kulturleben der Stadt und verhilft ihr zu überregionaler Ausstrahlung. Das soll nach dem Wunsch aller Verantwortlichen auch so bleiben: Mit einem Grundsatzbeschluss hat der Gemeinderat deshalb in seiner jüngsten Sitzung vor den Ferien den Weg für den Abriss des erst 1983 fertig gestellten stark sanierungsbedürftigen "Mitzlaff-Baus" und die Planung eines Neubaus frei gemacht.

Nur eine Woche nachdem der SAP-Mitgründer Werner Hector eine Spende von 50 Millionen Euro aus seiner Stiftung für das Projekt angekündigt hat, ist die Entscheidung einstimmig gefallen. Ganz offensichtlich wollten alle Räte, bis hin zum Vertreter der Linken, die Chance nutzen, die die großzügige Gabe der Stadt eröffnet.

Stadt kann die Kosten alleine nicht tragen

Dank "der außergewöhnlichen Tat und Leistung" des Spenderehepaars Hector sei schon jetzt ein bundesweit bemerkbarer Impuls für Mannheim gesetzt worden, stellte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) sichtlich erfreut fest. "Wir machen uns jetzt auf den Weg; wir haben sicher schon einige Vorarbeiten geleistet, aber der größte Teil der Arbeit kommt noch", kündigte er an. Mit ihrem Beschluss haben die Räte die Verwaltung beauftragt, die bisherige Planung auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie, die im Mai vorgelegt worden ist, zu vertiefen. Sie war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Abriss des Mitzlaff-Baus und eines darunter liegenden Bunkers, durch den Wasser in die Depots fließt, nicht nur baulich, sondern auch wirtschaftlich die beste Lösung für die Kunsthalle sei. Die Gutachter bezifferten dabei die Kosten für einen Neubau auf 67,8 Millionen Euro - im Vergleich zu 50 Millionen für eine aufwendige General- oder 37 Millionen Euro für eine Minimalsanierung des Bestands.

OB Kurz hatte von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass die Stadt selbst die Kosten nicht einmal für die kleinste Lösung aufbringen kann. Nur mit großzügiger privater Unterstützung, hatte er mehrfach erklärt, könne man einen Museumsneubau realisieren, der das Kulturleben der Stadt belebt und über deren Grenzen hinaus Aufsehen erregt. Mit der Entscheidung, die außergewöhnliche Summe von 50 Millionen Euro nicht für ein privates, sondern für ein öffentliches Museum aufzuwenden, habe die Familie Hector der Stadt die Möglichkeiten eröffnet, ihre Pläne weiterzuverfolgen und ihr zugleich "erhebliche städtebauliche Perspektiven eröffnet", erklärte Kurz.

"Ein Stück Weltarchitektur" schaffen

Ziel sei nun, mit Hilfe eines internationalen Architektenwettbewerbs an dem zentralen Platz der Stadt "ein Stück Weltarchitektur" zu schaffen. Ob dies gelinge, wisse man nicht. "Aber wir sollten diesen Anspruch zumindest formulieren", sagte Kurz. Er hoffe, dass am Ende "einer der interessantesten und herausragendsten Bauten" der Zeit stehe, der "aber nicht der teuerste" sein müsse. Hectors Spende sei nicht nur die "Initialzündung" für das Museum, sondern bringe auch einen Schub für die Bewerbung Mannheims als europäische Kulturhauptstadt 2020, sagte Kulturbürgermeister Michael Grötsch (CDU).

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