Mannheimer Schillertage Sind wir noch immer Barbaren?

Von dpa/red 

Am Donnerstag beginnt das größte und wichtigste Theaterfestival in Baden-Württemberg: Mannheim feiert das zwanzigjährige Bestehen seiner Schillertage mit einem aktuellen Buchprojekt zum Namensgeber und Inszenierungen aus dem In- und Ausland. Motto des von Christian Holtzhauer geleiteten Festivals: „Fieber“.

Schiller ist für ihn ein Kraftzentrum: Christian Holtzhauer,  Schauspielchef in Mannheim. Foto: Mannheimer Nationaltheater
Schiller ist für ihn ein Kraftzentrum: Christian Holtzhauer, Schauspielchef in Mannheim. Foto: Mannheimer Nationaltheater

Mannheim - Am Donnerstag beginnen in Mannheim die Schillertage – und das Nationaltheater feiert das zwanzigjährige Bestehen seines Festivals mit einem Buchprojekt zu Schiller und der Rolle der Kunst in der Gesellschaft. Zum Theaterfestival, das bis zum 30. Juni läuft, entstand ein Band, in dem sich 27 Autoren auf der Basis von Schiller-Briefen mit dem Thema auseinandersetzen.

In seinen 27 Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ verarbeitete der Dichter zwischen 1793 und 1795 die Gewaltexzesse, die auf die von ihm zunächst begrüßte Französische Revolution folgten. „Woran liegt es, dass wir noch immer Barbaren sind?“, fragt der 1759 in Marbach geborene, in Stuttgart aufgewachsene und 1782 nach Mannheim geflohene Dichter im neunten Brief. Antworten auf diese Frage suchen nun die Autoren der Textsammlung mit dem Titel „Immer noch Barbaren?“.

Brasilianische Fieberträume

Die erstmals vom neuen Schauspielintendanten Christian Holtzhauer geleiteten Schillertage, die zu den größten Theaterfestivals in Süddeutschland gehören, stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Fieber“. Damit wird auf die auch Kaltes Fieber genannte Malaria angespielt, die Schiller in Mannheim heimsuchte. Das Nationaltheater zieht aber auch Parallelen zwischen Schillers Bemühen, „gesellschaftliche Umbrüche und Fieberschübe“ mit Aufklärung und Schönheit zu heilen, und unserem heutigen Bemühen, die technischen, gesellschaftlichen und klimatischen Umwälzungen zu meistern.

Auf dem Programm stehen in Mannheim, wo Schillers „Räuber“ 1782 uraufgeführt wurden, das Königinnendrama „Maria Stuart“ in der Regie von Claudia Bauer und ein szenischer Parcours zum Thema Überwachung von Clemens Bechtel. Auch bei einem in die Gründerszene verlagerten „Räuber“-Drama vom Kollektiv Studio Beisel wird das Publikum einbezogen. Zu den Höhepunkten des Festivals dürfte das aus Brasilien kommende „Odisseia“ zählen, die neue Arbeit der gefeierten Theatergruppe Cia. Hiato. Darin kommen all die Figuren zu Wort, die Odysseus während seiner zwanzigjährigen Irrfahrt zurückgelassen hat – ein „Theaterstück wie ein Fiebertraum“, heißt es in der Vorankündigung, „eine viereinhalbstündige emotionale Reflexion über Liebe, Trauer und Wut“. Zahlreiche Gastspiele sowie Aktivitäten im Festivalzentrum runden das Angebot ab. Im Jahr 2017 zog das Festival 18 000 Besucher an.