Herrenbergerin Manuela Sebastian arbeitet ehrenamtlich in Schweden Schwarzwälder Kirschtorte für Lappland

Gruppenbild in Nattavaara (v. li.): Manuela Sebastian mit Margit vom Heimatverein, dessen Vorsitzende Marie, Gast Thomas und Hiske. Mit ihr arbeitete die Herrenbergerin 2022 in dem Café. Foto: privat

Etwa 2700 Kilometer von daheim entfernt betreibt Manuela Sebastian aus Herrenberg für rund vier Wochen ein Café. Wie kam es dazu?

Volontäre: Rouven Spindler (rsp)

Lappland erstreckt sich über vier Länder. Das Gebiet reicht von Norwegen über Schweden und Finnland bis nach Russland. Es ist die Heimat des indigenes Volks der Samen. Rentiere, wilde Natur, dünne Besiedlung – ein Kontrast zum Leben in der Stadt. Manuela Sebastian fühlt sich dort sehr, sehr wohl.

 

Im Jahr 2022 war die Herrenbergerin zum ersten Mal in der Region, und diesen Juni reiste sie wieder hin. Nach Nattavaara, um genau zu sein. Aber nicht etwa, um Urlaub zu machen oder um Geld zu verdienen. Die 67-Jährige leistete im Norden Skandinaviens, in Schwedisch Lappland, Freiwilligenarbeit.

Fernab des eigenen Zuhauses unterstützte sie den dortigen Heimatverein, dessen Mitglieder überwiegend älter sind. Weshalb Mitarbeiter gefragt sind, die das Sommercafé am Venetjoki-Fluss betreiben. Manuela Sebastian buk also Kuchen für die einheimischen Samen, aber auch für Touristen aus Ländern wie der Schweiz, für reisende Schweden und alle anderen, deren Weg in die Gegend führte.

Winterreise wird zum Ausgangspunkt

„Der Kontakt zum Heimatverein entstand vor vielen Jahren, als ich Weihnachten und Silvester mit meinem Mann im Wildnisdorf Solberget, circa 20 Kilometer von Nattavaara entfernt, verbrachte“, erinnert sich Manuela Sebastian an das Jahr 2007 zurück. Über Dirk Hagenbüch, der von Deutschland nach Schweden ausgewandert ist und das Gehöft in Solberget leitet, blieb der Kontakt bestehen. Vor zwei Jahren folgte dann der erste Einsatz der Herrenbergerin im Sommercafé, und nun der zweite.

Warum sie jeweils für Freiwilligenarbeit zurückkehrte, beantwortet die Reisende mit ihrem Engagement: „Seit ich 16, 17 bin, habe ich immer irgendetwas Ehrenamtliches übernommen.“ Und da es ihr Schweden angetan hat, verbindet sie die Tätigkeit mit der Reise. Und mit viel Gesellschaft. „Man bekommt Kontakt zu den Menschen“, nennt Manuela Sebastian ihre Erfahrungen, „und erfährt dadurch so viel mehr über das Land.“ An den Schweden imponiert ihr die Gelassenheit, zudem die offenherzige, liberale Art.

Auf die Sprache der Skandinavier bereitete sich die Herrenbergerin schon vor vier Jahren vor. 2020 absolvierte sie an der Volkshochschule in ihrer Stadt einen Schwedischkurs bei einer Muttersprachlerin. 2021 verhinderte die Pandemie die Reise, im Jahr darauf war es dann soweit. Damals arbeitete sie mit einer Abiturientin, zuletzt mit einer weiteren Frau und deren Tochter.

Die Anreise dauerte 36 Stunden

Wie 2022 entschied sich die Inklusionsassistentin einer Herrenberger Kindertagesstätte gegen einen Flug. „Ich wollte nicht mit dem Flieger, sondern auf alle Fälle mit dem Zug anreisen“, sagt sie. Etwa 2700 Kilometer, 36 Stunden. „Ich finde, man kommt ganz anders an. Man nähert sich langsam dem Ziel, kommt mit Reisenden ins Gespräch, sieht die Landschaft.“

Doch nicht nur die Fahrt, sondern auch der Ankunftsort ist besonders: „Den Bahnhof muss man sich vorstellen wie bei uns eine Bushaltestelle. Der Zug hält, wenn jemand aussteigen will.“ Über Nattavaara sagt Manuela Sebastian, es sei „ein Dorf, das ausstirbt“. Er hat 320 Einwohner, keine Schule, keine Kindertagesstätte, kaum Familien mit Kindern. Dennoch sei es dort „total hübsch“, schwärmt die Besucherin, die bei der Lebenshilfe Herrenberg tätig war und eigentlich Rentnerin ist, aber seit 2021 in der Kita arbeitet.

Ein Klassiker ist quasi im Gepäck dabei

Einen Teil ihres diesjährigen Urlaubs verbrachte sie im Juni und Juli in einer kleinen Hütte. Gebacken hat sie in der Küche eines alten Schulhauses. Die habe „Museumscharakter“, sagt die Ehrenamtliche, die bis zur Vereinsauflösung 2021 zwölf Jahre lang Vorsitzende der Begegnungsstätte Die kleine Börse in Herrenberg war.

Die Küche befindet sich im alten Schulhaus. Foto: privat

Mit Schwarzwälder Kirschwasser im Koffer habe sie in Schwedisch Lappland sogar die traditionelle deutsche Torte zur Freude der Gäste backen können. Außerdem gab es Apfelkuchen, Zimtschnecken und natürlich Kaffee. „Es war total freundlich, offen und gemütlich. Niemand ist unter Zeitdruck“, beschreibt die Deutsche die Atmosphäre.

Vor Ort konnte Manuela Sebastian auch eine Schwarzwälder Kirschtorte zubereiten. Foto: privat

Als ein Höhepunkt abseits ihrer Beschäftigung habe sich eine Rentierkälbermarkierung bei einem samischen Rentierzüchter herausgestellt. Der Erzieherin ist anzumerken, wie beeindruck sie von der Region ist. Ob sie noch ein weiteres Mal für einen Freiwilligendienst nach Nattavaara aufbricht, lässt sie offen. Ein anderes, etwa 65 Kilometer davon entferntes Ziel, hat sie hingegen ziemlich fest im Blick: den übernächsten Samenmarkt in Jokkmokk im Februar 2026.

Weitere Themen