Im historischen Geburtshaus Friedrich Schillers erlebten die Gäste im Rahmen der Marbacher Schillerwoche einen anregenden Abend: „Nachts bei Schiller“. Schillers Leben und die Welt des Weins wurden in einer stimmungsvollen Nachtatmosphäre zusammengeführt. Der Nebel in der Niklastorstraße, die körperliche Nähe im kleinen Raum vor dem Geburtszimmer und das gedämpfte Licht schufen einen Rahmen, der die Intensität der beiden Beiträge deutlich hervortreten ließ. Zumal zahlreiche Belege Schillers Alkoholkonsum dokumentierten.
Birger Laing, stellvertretender Vorsitzender im Marbacher Schillerverein, erzählte Schillers Biografie entlang der Nächte, in denen sich zentrale Wendepunkte ereigneten. Das nächtliche Schreiben in der Karlsschule, die Flucht aus Württemberg, die langen Gespräche mit Goethe, die durchwachten Arbeitsstunden und die letzten Tage in Weimar wurden so zu dichten Szenen eines Lebens, das immer wieder im Dunkeln neue Gestalt annahm. Die Erzählung machte erfahrbar, wie Disziplin, Enge und schöpferischer Drang zusammenwirkten und wie sich im stillen Nachtfenster wichtige literarische Entscheidungen formten.
Dr. Annette Fiss, in Marbach noch als Projektmanagerin der geplanten Gartenschau 2033 in Erinnerung, führte als Önologin anschließend in die Welt des Weins ein. Der verkostete Sekt und die drei Weine öffneten Einblicke in steile Lagen, sorgfältige Kellerarbeit und die Kunst des Reifens. Die Erläuterungen zu Rüttelpult, Hefe, Flaschendruck und Cuvée zeigten, wie viel Zeit und Genauigkeit nötig sind, damit ein Wein seinen Charakter entwickelt. Auch hier lag ein Schwerpunkt auf Prozessen im Dunkeln, die langsam und unspektakulär verlaufen und gerade dadurch Qualität hervorbringen.
Beide Teile des Abends verband ein gemeinsames Motiv. Sowohl Schillers nächtliches Arbeiten als auch die Reifung eines Weins beruhen auf Verdichtung und Entwicklung im Dunkeln. Was im Stillen wächst, gewinnt an Kraft. Diese Parallele prägte den Konnex zwischen Erzählung und Weinprobe und verlieh dem Abend eine feine ästhetische Linie.
Das eng sitzende Publikum reagierte aufmerksam und bewegt. Obwohl Schillers Leben in Marbach schon viele Male rekapituliert wurde, betonten viele Rückmeldungen die besondere Atmosphäre, die an einem Originalschauplatz entstehen kann und die stimmige Verbindung der beiden Themen ermöglicht.
Für den Schillerverein war der Schillerwochen-Abend auch ein gelungener Beitrag zu seinem Jahresprogramm. Die Veranstaltung zeigte, wie sich Birger Laings biografischer Vortrag und kulturhistorisches Wissen miteinander verknüpfen lassen und wie lebendig Literaturgeschichte in Schillers Geburtshaus erfahrbar wird.
Der Schillerverein bittet weiterhin um Spenden für das Projekt Nachbarhaus des Schiller-Geburtshauses. Ziel ist es, das Geburtshaus barrierefrei umzubauen und zu erweitern, um es als kulturellen Ort noch zugänglicher und funktionaler zu gestalten. Spenden können direkt auf das Konto bei der VR-Bank Ludwigsburg (IBAN: DE80 6049 1430 0865 0210 07) mit dem Verwendungszweck „Ankauf Nachbarhaus“ überwiesen werden. Bitte geben Sie für die Spendenbescheinigung Ihre Adresse an. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Lorenz Obleser
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