Wandern gepaart mit einer Prise Heimatkunde

Am vergangenen Samstag hatte die Ortsgruppe Marbach des Schwäbischen Albvereins zu einer Wanderung ins Pleidelsheimer Wäldchen eingeladen. Bei hochsommerlichen Temperaturen führte der Weg vom Industriegebiet Murr zunächst oberhalb der Landstraße 1100 entlang, sodass die Wandergruppe einen Blick auf das seit 1977 bestehende Gruppenklärwerk "Häldenmühle" werfen konnte. In dieser modernen und nachhaltigen Anlage wird heute das Abwasser von Marbach, Erdmannhausen, Murr, Steinheim, Großbottwar und Benningen gereinigt. Zur Vergangenheit des für uns so wichtigen Orts der Wasseraufbereitung berichtete Wanderführer Arthur Tews von ener historischen Getreide- und Sägemühle, die ab 1862 vom Zimmermann Jakob Weiß aus Marbach betrieben wurde und bis 1927 bestehen sollte. Lange vor dem Bau der Häldenmühle war dieses Gebiet bereits in der Römerzeit besiedelt. Bei Bauarbeiten am Klärwerk wurde 1976 eine Mauer freigelegt, die sich entlang der Murr zog und bei der es sich um eine frühere Kaianlange gehandelt haben dürfte. Damals soll das Flussbett breiter und tiefer als heute gewesen sein und Historiker sind sich sicher, dass sich im Bereich der Murrmündung ein Hafen befundet hat, der in der ersten Hälfte des 2. Jahrhundert entstanden war und in Verbindung mit dem um 110 n.Chr. gegründeten Kastell von Bennngen stehen soll. Auch lassen römische Fundobjekte aus Glas, Keramik und Metall sowie große Mengen an Asche auf die einstige Existenz einer Töpferei im Areal der ehemaligen Häldenmühle schließen. Weiter ging es für die Gruppe des Schwäbischen Albvereins oberhalb von Neckar und Weinbergen. Bei einem Abstecher zur Aussichtsterrasse Neckarhälde schweifte der Blick über Benningen und dessen Umland. An dieser Stelle erwähnte Wanderführer Arthur Tews die fast 100 Meter lange, überdachte Holzbrücke, deren Bau unter Herzog Carl Eugen von Württemberg 1785-87 erfolgte. 1796 konnten die Benninger nicht verhindern, dass französiche Truppen Napoleons diese Brücke überquerten. Das Aus für die bis dahin unverändert bestehende Brücke kam am Morgen des 20. April 1945, als diese von der deutschen Wehrmacht, genauso wie das Eisenbahnviadukt zwischen Benningen und Marbach gesprengt wurde. So wollte man ein Überqueren der Brücke durch amerikanische Panzer verhindern, was bekanntlich aber nicht gelang. Bereits einen Monat später wurde eine Fährverbindung hergestellt und im September 1945 folgte der Bau einer Behelfsbrücke.1954 wurde die neue, bis heute bestehende Betonbrücke eingeweiht. Der Wanderweg setzt sich noch ein kleines Stück auf dem Hauptwanderweg 10 fort. Dieser führt im hiesigen Gebiet von Pleidelsheim über Marbach und weiter über den Lemberg und Affalterbach bis hin zur Gemarkung Kirchberg/Murr und wird von Arthur Tews als Wegewart der SAV-Ortsgruppe Marbach betreut, ausgeschildert und gepflegt. Beim Russischen Friedhof legte die Wandergruppe eine kleine Pause ein. Hier, mitten im Pleidelsheimer Wäldchen, befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Zwangsarbeiterlager. Heute ist es ein Ort zum Innehalten, denn hier haben dreizehn Kriegsgefangene russischer und ukrainischer Herkunft, die unter anderem beim Bau der Autobahn Heilbronn-Stuttgart arbeiteten und in der Zeit von 1941 bis 1943 verstorben waren, ihre letzte Ruhestätte gefunden.

 

Nach der Rückkehr zum Ausgangspunkt der Rundtour kehrte die SAV-Gruppe im SGV Vereinsheim ein, um hier bei leckerem Essen den gelungenen Wandertag ausklingen zu lassen.

Gabi Heilgeist

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