Vom Ufer in Covington können wir die gegenüber liegende Skyline von Cincinnati kaum erahnen. Sie ist nur knapp 500 Meter entfernt, aber bis auf ein paar Hausspitzen, die aus dem Dunst lugen, unsichtbar.
Der Ohio River ist nicht ganz 1.600 Kilometer lang und auf der ganzen Länge schiffbar. Bei Cairo im Bundesstaat Illinois mündet er in den Mississippi. Und breit ist er auch, da wo wir unterwegs sind, meist etwa 500 Meter. Die Breite ist ein ziemlich beruhigender Gedanke, schließlich sind auf dem Fluss diverse „barges“ unterwegs. Das sind riesige Schubverbände aus oft 5 x3 Schubleichtern plus ein bis zwei oder drei Schubschiffe.
Unser erstes Etappenziel ist Lawrenceburg, Indiana. Die Hochwassermarke von 1937 ist weit über unseren Köpfen angebracht und hat wohl auch die Höhe des Tores vorgegeben. Bei dieser Überschwemmung vor 88 Jahren stand alles unter Wasser, von Pittsburgh bis zur Mündung des Ohio, eine Million Menschen wurde obdachlos, fast 400 starben.
Am Abend legen wir an der Uferpromenade von Rising Sun an. Sie ist gesäumt von historischen Gebäuden, eines davon ist unser Hotel. Ein Haus wie aus einem Süstaaten-Bilderbuch, hellgrün mit einer weiß gestrichenen Veranda. In dem schmucken Ort lernen wir auch, dass Spielcasinos hierzulande meist von Indigenen betrieben werden, aber nicht auf festem Grund und Boden. Weil das verboten ist, haben spitzfindige Menschen ausrangierte Raddampfer gekauft und umgebaut.
Die Schleusen und Staudämme wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, damit man den Fluss durchgehend für Schiffstrransporte nutzen kann. Am Ufer finden sich auch immer wieder Ladekais. An manchen werden Sand oder Kies, die im Hinterland abgebaut werden, gleich verladen, andere dienen der Kohleversorgung von Kraftwerken.
Anschließend gibt’s ein Wiedersehen mit dem Kentucky River - nur ein kleiner Abstecher bis zur ersten Schleuse. Kaum ein paar Meter von der Mündung entfernt ändert sich das Ufer schlagartig. Der Fluss ist schmaler, die Bäume stehen dichter am oder sogar im Wasser, Baumruinen recken ihre toten Äste malerisch in den blauen Himmel. An der Schleuse ewartet uns beim Anlegen der schon bekannte Kampf mit Matsch und unwegsamem Gelände.
Der Montag bringt uns wieder zurück auf den Ohio River bis nach Madison. Von einem Balkon ruft ein Mann zu uns herunter. Als er hört, dass wir von Cincinnati hergerudert sind und bis Louisville wollen, wird er ganz aufgeregt. Diese Exoten will er unbedingt fotografieren und fragt auch gleich noch, ob seine Drohne uns ein Stück begleiten darf. Später schickt er uns die Aufnahmen.
Abends legen wir in Westport an – es fehlen nur noch knapp 30 Kilometer bis nach Louisville. Wir müssen aufgrund von Nebel über eine Stunde am Ufer warten, bis wir ablegen können. Am Ufer sieht man, dass die große Stadt nicht mehr weit weg ist. Nicht mehr einzelne oder wenige Häuser stehen dort, sondern viele. Aber trotzdem ist wenig Verkehr, der Fluss liegt ruhig da. Wir passieren zwei Inseln (Twelve Mile Island und Six Mile Island), an der dritten halten wir uns links. In dem schmalen Flusslauf zwischen Towhead Island und dem Ufer liegt unser Ziel, der Steg des Rowing Club Louisville.
212 Kilometer auf dem Ohio River, der auf Platz 41 der längsten Flüsse der Welt steht, liegen hinter uns, immerhin ein Achtel der Gesamtlänge haben wir absolviert. Sein Name stammt aus dem Irokesischen und bedeutet „guter Fluss“. Ja, er war gut zu uns. Er hat uns weder Stromschnellen noch starke Strömung oder so viel Schubverbände beschert, dass wir Angst haben mussten. Im Gegenteil: weil er so breit ist, haben wir die Schubverbände oft nur als schmale Linien am anderen Ufer gesehen. In unserer Vorstellung vorher waren sie viel furchteinflößender. Dieses Mal haben wir dem Ohio River nichts versprochen, aber das muss ja nichts heißen...
Bei uns daheim
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