Science Slam in der Stadthalle Marbach

Wenn Doktortitel plötzlich erstaunlich unterhaltsam klingen, dann ist wieder Wissenschaftsabend beim Tobias-Mayer-Verein – diesmal in Kooperation mit der Schillerstadt Marbach. Für kluge Köpfe mit Humor sorgten die Profis der Science & Stories GmbH am letzten Samstag in der Stadthalle Marbach.

 

Durch den Abend führte Simon Hauser, promovierter Germanist und bekennender Freund gepflegter Pointen. Er bewies: Zwischen Goethe-Zitat und Gag liegt manchmal nur ein gut gesetzter Nebensatz.

800 Jahre alte Texte und kein bisschen staubig

Simon Sauser stellte seine Forschung als Handschriftenkundler vor. In seiner Doktorarbeit widmet er sich Texten, die bis zu 800 Jahre alt sind – also quasi Influencer des Mittelalters. Die Arbeit mit historischen Handschriften sei ein Privileg, betonte er. Schließlich gehe es um nichts Geringeres als die Bewahrung unseres kulturellen Gedächtnisses. Staub? Vielleicht. Bedeutung? Enorm.

Macht KI uns schlauer?

Neurowissenschaftlerin Wiebke Schick nahm sich der Frage an, ob künstliche Intelligenz unser Gehirn künftig aufrüsten kann. Ihr Beispiel: Navigationssysteme. Hinweise wie „Biegen Sie beim Supermarkt ab“ kann unsere räumliche Orientierung verbessern – sofern wir nicht komplett abschalten und nur noch der Stimme aus dem Off vertrauen. Ihr Plädoyer: KI soll unterstützen, nicht ersetzen. Denken bleibt Handarbeit.

Dosenbier als Forschungsobjekt

Für besonders viele Lacher sorgte Jens Rudat mit seinem Vortrag „Dosenbier macht schlau“. Der Technische Biologe klärte auf: Schaum ist nicht gleich Schaum. Bierschaum, Bauschaum, Flussschaum – jedes Bläschen hat seine Mission.

Ausgangspunkt seiner Forschung war eine Beobachtung, wie sie wohl nur im Namen der Wissenschaft gemacht wird: Der Schaum eines Guinness hält länger als der eines Pils – sogar aus der Dose. Das Geheimnis? Stickstoff, freigesetzt durch eine kleine Kugel im Inneren der Dose. Die entscheidende Frage: Lässt sich dieses Prinzip auf andere Schäume übertragen? Ziel sind Bio-Tenside auf Enzymbasis. Sein Fazit des Abends klang fast philosophisch: „Nicht krampfhaft nach Ideen suchen – die Idee findet uns.“ Manchmal offenbar im Getränkeregal.

Wenn Farben die Umwelt beschäftigen

Patrick Hanisch, BIO-Technologe, führte das Publikum in die schillernde Welt der Azofarbstoffe. Ob „Buttergelb“ in Margarine, „Amaranth“ in Süßigkeiten, das Leuchten von Aperol oder „Brilliant Black“ – Farbe ist überall. Hanisch erforscht, wie Mikroorganismen diese Stoffe abbauen können, um Umweltbelastungen durch industrielle Abwässer zu verringern. Bunt, aber bitte biologisch abbaubar. Ein toller Vortrag!

CSI im Labor

Kriminalistisch wurde es mit Radiochemikerin Aline Thumm. Unter dem Titel „CSI: Radioaktiv – Der Fall der verschwundenen Radionuklide“ nahm sie das Publikum mit auf Spurensuche durch die Welt der Radioaktivität. Spannung inklusive – ganz ohne Fernsehkommissar, aber mit echtem wissenschaftlichem Spürsinn. Die Thematik wird für uns Menschen noch sehr lange eine wichtige Bedeutung haben, ein Erfolg dieses Krimis ist schon die Dekontamination, die mit einfachen Substanzen einfach gelöst werden kann

Und der Applaus geht an …

Am Ende entschied das Publikum per Lautstärkepegel, welcher Vortrag am eindrucksvollsten war. Nicht einfach für die Jury, aber nach einem Stechen war der Sieger gefunden: Patrick Hanisch gewann den Abend. Doch eigentlich waren alle Sieger – zumindest im Erkenntnisgewinn.

Das Publikum dankte mit begeistertem Beifall. Zurück blieb die Erkenntnis: Wissenschaft kann gleichzeitig klug, komisch und überraschend sein. Und manchmal beginnt sie mit einem Museumsbesuch auf gut Glück – oder mit einer Dose Bier.

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