Jens Eisenmann baut mittlerweile auf 19 Hektar Kürbisse an. Foto: Werner Kuhnle
Jens Eisenmann aus Marbach-Rielingshausen (Kreis Ludwigsburg) baut hunderte Kürbissorten an. Damit lassen sich leckere Gerichte zaubern, auch unerwartete.
Christian Kempf
28.10.2025 - 11:43 Uhr
Jetzt, kurz vor Halloween, werden auch in Deutschland wieder tausendfach Kürbisse ausgehöhlt und freche Grimassen in die robusten Schalen geschnitzt. In kaum einem Kochbuch darf zudem ein Rezept fehlen, das auf dem Fleisch der melonenartigen Früchte basiert. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Kürbisse zwischen Kiel und Konstanz als Schweinefutter verschrien waren. „Es hieß früher immer: das kann man nicht essen“, sagt Jens Eisenmann schmunzelnd. Der Rielingshäuser Obstbauer beweist seit bald drei Jahrzehnten, dass solche Vorurteile Quatsch sind. Und als wohl größter Kürbiszüchter im Landkreis Ludwigsburg weiß er so gut wie kaum jemand sonst, wovon er redet.
Der Landwirt hat aktuell 470 verschiedene Sorten im Portfolio, die man auf einem Regal an seinem Hofladen bestaunen kann. Von der Breite her ist das für seine Verhältnisse sogar eine fast schon überschaubare Auswahl. „Normalerweise sind es im Schnitt 600 bis 650 Sorten“, sagt Eisenmann. Doch auf dem Versuchsfeld, dem immer ein Teil der Vielfalt zu verdanken ist, habe man heuer weniger Pflanzen durchgebracht als sonst üblich.
Am Hofladen ist die ganze Vielfalt der Kürbissorten zu bestaunen. Foto: Christian Kempf
Dafür war die Ausbeute insgesamt in dieser Saison so groß wie nie. „Ich schätze, dass wir auf einer Fläche von insgesamt 19 Hektar etwa 400 bis 500 Tonnen Kürbisse geerntet haben. Es dürften rund eine Million Stück gewesen sein“, berichtet der 51-Jährige.
Kritische Zeit für Kürbisse
Dieser hohe Ertrag hängt damit zusammen, dass Eisenmann auf eine „sehr intensive Bewirtschaftung“ umgestellt hat. In der Praxis bedeutet das, dass 16 der 19 Hektar gezielt mit einer Tröpfchenanlage bewässert werden. Der Dünger wird ebenfalls nach Bedarf ausgeschüttet. Außerdem werden die Pflanzen mit einer biologisch abbaubaren Folie abgedeckt, um die Wasserverdunstung zu minimieren und den Unkrautbewuchs zu unterdrücken. „Dazu hat die Pflanze unter der Folie immer einen sehr lockeren, luftigen Boden“, erklärt der dreifache Familienvater. Ein Drittel der Kürbisse habe man darüber hinaus als Steckling gesetzt. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit signifikant, dass die Pflanze die ersten vier Wochen überstehe. „Das ist die kritische Zeit beim Kürbis“, sagt Eisenmann. Ein Samen keime indes nur bei entsprechenden Temperaturen aus.
Wenn Jens Eisenmann über solche Feinheiten bei Kürbiskulturen spricht, merkt man, wie viel Erfahrung dahinter stecken muss. Und tatsächlich gehört der Rielingshäuser hierzulande zu den Pionieren dieser landwirtschaftlichen Teil-Disziplin. Dabei kam er nur zufällig mit Hokkaido, Butternut und Co. in Berührung. Als angehender Gärtnermeister Fachrichtung Obstbau machte er 1998 ein Praktikum bei Martin und Beat Jucker in der Schweiz. „Die beiden haben in dem Jahr das erste Mal auf eineinhalb Hektar Kürbis angepflanzt. Das war von den Brüdern nur eine Idee, das mal zu probieren“, erinnert sich Eisenmann. Die Früchte wurden nach der Ernte auf dem Hof ausgelegt und drumherum wurde ein Fest veranstaltet. „Die Leute haben uns das Zeug aus den Händen gerissen. Wir waren völlig überwältigt“, sagt der Rielingshäuser.
Das Kürbisfieber war ausgebrochen. Und Eisenmann erkannte die Zeichen der Zeit. Zurück in der Heimat, baute er 1999 erstmals selbst die imposanten Früchte an, stellte zudem ein Hoffest auf die Beine, bei dem sich alles um den Kürbis drehte: Kinder konnten schnitzen, Erwachsene die Kürbis-Deko bewundern oder eine Kürbis-Suppe schlürfen. Die Zeitungen berichteten, Fernsehsender standen auf der Matte. „Wir waren zum Beispiel in der Landesschau“, sagt Eisenmann.
Das Jahr des großen Durchbruchs
Ab dem Jahr 2000 ging die ganze Sache dann komplett durch die Decke. Die Jucker-Brüder brachten die erste Kürbisausstellung ins Blühenden Barock nach Ludwigsburg. Jens Eisenmann wurde zum Haus- und Hof-Lieferanten. Rund 60 Prozent seiner Produktion geht bis heute dorthin. Die für die Skulpturen benötigten Früchte sind farblich und größentechnisch genau auf die Bedürfnisse der Künstler abgestimmt. Den Rest der Ernte vermarktet er über seinen eigenen Hofladen und die von anderen Landwirten.
Die meisten Sorten, die der Obsthof anbaut, sind zum Verzehr bestimmt. Foto: Christian Kempf
Stark gewandelt hat sich aber das Portfolio bei den Sorten. Bis auf wenige Ausnahmen wuchsen anfangs auf den Eisenmann’schen Feldern fast ausnahmslos Kürbisse, die sich zur Dekoration eigneten, aber zu bitter zum Verzehr waren. Heute kann man 90 Prozent seiner Früchte kochen oder braten. Auch weil Eisenmann der Ehrgeiz gepackt hatte und er zeigen wollte: Kürbisse schmecken, richtig zubereitet, total lecker. „Das ist ein super Nahrungsmittel, das sehr gesund ist, viele Inhaltsstoffe hat und lange hält“, schwärmt er.
Die Eisenmanns und ihre Partner beim Blüba machen daraus beispielsweise Suppen, Gemüsepfannen, Maultaschen oder Pesto aus Kürbiskernen für Spaghetti. Man könne das Fruchtfleisch auch raspeln und mit Sauercreme über einen Flammkuchen streichen, sagt Eisenmann. Aus dem grünen Hokkaido ließen sich außerdem frittierte Chips-Pommes herstellen. Kürbisreibekuchen sei ebenfalls schmackhaft. Schon dieser kleine Ausschnitt zeigt, dass es heutzutage Perlen vor die Säue wäre, Kürbisse nur an Schweine zu verfüttern.
Direktvermarkter aus Rielingshausen
Schwerpunkte Der Obstbaubetrieb Eisenmann aus Rielingshausen baut auf rund 50 Hektar größtenteils Kürbisse und Erdbeeren an, darüber hinaus unter anderem auch Spargel, Zwetschgen, Himbeeren, Kirschen und Äpfel. Die Ware wird ausschließlich direkt vermarktet, zum Beispiel über den eigenen Hofladen.
Lexikon Jens Eisenmann hat den Betrieb 2002 von seinen Eltern übernommen. Er beschäftigt in der Hauptsaison rund 180 Mitarbeiter. Kürbisse baut er seit 1999 an. Mit seiner Frau Astrid und seinem Kumpel Stefan Hinner, Hauptverantwortlicher Geschäftsführer für Jucker Farm in Deutschland, hat er sogar eine Art Kürbislexikon zusammengestellt, in dem Rezepte und Hintergründe zu einzelnen Sorten zu finden sind. Aktuell ist das Heft vergriffen, Eisenmann denkt über eine Neuauflage nach.