Die Musical-Produktion „Hairspray“ des Marbacher FSG und der Anne-Frank-Realschule hat sich zu einem berauschenden Gesamtkunstwerk entwickelt. Es hat die Herzen des Publikums erstürmt.

Man muss es deutlich sagen: Aufführungen, wie aktuell das glanzvolle Schüler-Musical „Hairspray“, könnten nicht unzählige Menschen erfreuen, wenn es nicht entsprechend bereitwilliges Personal gäbe, das immens viele und obendrein auch gagenfreie Stunden an Freizeit, Energie und Unterstützung einbringt und somit – parallel zum Schulalltag – für Glanzlichter, Selbsterfahrung, Wachstum und Faszination sorgt. Stellvertretend für andere Engagierte ist das Kreativteam rund um Helen Volz (Gesamtleitung) mit Cornelius Mader und der Familie Braden zu nennen. Nur durch sie wurde es möglich, dass eine stolze Schar Schülerinnen und Schüler am Wochenende eine Show ablieferte, die es an nichts fehlen ließ. Mit einer sich permanent durch das Musical ziehenden Jubelparade, reagierten die Zuschauenden in dem ausverkauften Haus.

 

Sie würdigten so ein brillantes Gesamtkunstwerk, das sämtliche Darstellende vor eine knackige Herausforderung gestellt hatte. Denn pures, mitreißendes Showtalent mit den Disziplinen Tanz, Gesang und Schauspiel sollten sie in rund eineinhalb Jahren Probezeit entwickeln, bis das Musical stand. Im Gleichschritt dazu: Selbstbewusstsein, Körpergefühl, Akzeptanz – sich und anderen gegenüber – sowie eine Strahlkraft, die sich schier unfassbar am professionellen Tun orientiert.

Lara Durlach spielt in der Hauptrolle das übergewichtige Mädchen Tracy. Foto: Ohst

Das Musical ist nicht ausschließlich leichte Kost

Sebastian Braden wiederum hat die Technik-AG der Anne-Frank Realschule auf weitere Aufgaben vorbereitet: Sie zeichnen für das Bühnenbild verantwortlich. Einige Schüler unterstützen auch die Technik, die die jugendlichen Akteure, die auf der Bühne der Reithalle in der Ludwigsburger Karlskaserne für fesselnde Momente, Glanz in den Augen sowie witzig-frivole Bonmots sorgen, im Rampenlicht stehen lassen. Aber auch gewichtige Sozial-Botschaften streuen sie ein. Sätze wie: „Man tanzt nicht zu farbiger Musik“ kennzeichnen Problemkreise, die etwa die Rassentrennung in den USA der 1960er-Jahre aufgreifen, ohne jedoch zu viel Schwere in das schwungvoll-beherzte Stück zu legen.

Bei all dem Tun zeigen sich enorme Schauspieltalente sowie Solostimmen, die für Gänsehautmomente sorgen. Etwa Julian Müller, der beeindruckend den „Nachwuchs-Elvis“ Link Larkin mimt. Mit einigen der 40 Darstellenden haben wir nach der Premiere gesprochen. Lara Durlach spielt in der Hauptrolle das übergewichtige Mädchen Tracy. Dieses träumt davon, in der Corny Collins Show zu tanzen. Lara, die übrigens seit sieben Jahren die singende Frontfrau der FSG-Bigband ist, sagt dazu: „Ich bin viel selbstbewusster geworden durch die Rolle, die mich dazu bringt, auf der Bühne mit einem Fatsuit aufzutreten. Anfangs habe ich mich noch unsicher gefühlt, hatte Angst, dass die Leute lachen. Inzwischen macht es mir gar nichts mehr aus. Ich fühle mich nicht schlechter dadurch. Das Kämpferische der Tracy liegt mir außerdem. Sie ähnelt mir vom Wesen her. Überdies habe ich Privatleben und Rolle immer gut trennen können. Mein Selbstvertrauen wurde aber auch durch die ganzen Leute gefördert, die hier mitmachen. Wir sind wie eine richtig große Familie geworden.“

Was sagen die Darsteller zu ihren Rollen?

Carlotta Laukenmann spielt Tracys stärkste Gegnerin Velma von Tussle und zeigt enorme Angriffslust und Wut auf der Bühne sowie eine faszinierende Stimmgewalt. „Die Rolle ist schon eine Herausforderung für mich, da ich eher eine in mich gekehrte Person bin. Aber ich hatte angefangen, mich bei den Proben auszuprobieren und mich schon Zuhause reingedacht. Aus dem Nichts heraus ist es nämlich schwer reinzukommen. Aber so hat es gut geklappt. Der Charakter macht mir jetzt sogar richtig Spaß.“Dilara Abu el Komboz spielt in der Rolle der Motormouth Maybelle, die ebenfalls kämpferisch auftritt und sich gegen Rassismus einsetzt. „Glücklicherweise werde ich privat damit nicht so oft konfrontiert. Ich hatte aber auch schon derartige Erlebnisse und finde es wichtig, dass das Thema Rassismus aufgearbeitet wird. Mir persönlich hilft, dass ich viel Selbstvertrauen aufgebaut habe und weiß, meinen Wert zu schätzen. Da ich in der Rolle ebenfalls einen Fatsuit trage, habe ich viel vor dem Spiegel geübt, da man ganz anders damit läuft. Da ich vom Typ her eher zurückhaltend bin, freue ich mich, dass ich es geschafft habe, in diese Entschiedenheit zu kommen, die die Rolle verlangt. Per Videos habe ich Fehler ausbessern können. Ich bin nämlich recht perfektionistisch. Das hat mir geholfen, mich gut zu entwickeln“.

Dilara Abu el Komboz in der Rolle der kämpferischen Motormouth Maybelle Foto: Ohst

Joshua Hall spielt den Ehemann von Tracys Mutter Edna, die von Patrick Fischer gemimt wird. Die beiden Schüler zeigen als verliebtes Ehepaar erfrischende Gesangs- und Tanznummern, die das Publikum absolut mitreißen. Auf die Frage: „Wie kommt es, dass ihr so außergewöhnlich viel Spielfreude entwickelt habt?“, antwortet Joshua Hall: „Anfangs war ich wirklich noch etwas steif. Es war ungewohnt, mit einem anderen Jungen ein Paar zu spielen. Aber wir haben super Tipps von einem Profi aus Schwäbisch Hall bekommen. Die haben mir geholfen, lockerer zu werden und die Rolle mit Spaß umzusetzen und mich auf Patrick einzulassen. Heute entstand dann nochmal was ganz Besonderes: Durch die Reaktionen des Publikums fühlte ich mich sehr angespornt, und es wurde zum Selbstläufer…“

Patrick Fischer: „Ich habe jetzt gelernt mit dem Publikum zu spielen. Das vertieft den Effekt, wenn die Leute lachen. Ich wachse dann während der Show, springe in die Situationen einfach hinein. Als dann die Menge an Leuten zugeschaut hat, bin ich über mich hinausgewachsen.“