Krimikolumne

Marc Dugain: „In der Haut des Teufels“ Hier erzählt der böse Riese

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Der reisserische deutsche Titel ist irreführend. Hier spritzt kein Blut, auch wenn es um den realen Serienmörder Ed Kemper geht. Stattdessen versetzt sich Marc Dugain in dessen Gedanken und versucht nachzuvollziehen, was in Kemper vorgeht.

Ed Kemper gilt als Vorbild für Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen, rechts, in der TV-Serie „Hannibal“) Foto: NBC
Ed Kemper gilt als Vorbild für Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen, rechts, in der TV-Serie „Hannibal“) Foto: NBC

Stuttgart - Wenn einem Thriller die Geschichte „eines der monströsesten Serienkiller unserer Zeit“ zugrunde liegt, der „als Vorbild Hannibal Lecters in die Kriminalliteratur einging“, und wenn der deutsche Verlag mit dieser Aussage wirbt, muss man sich eigentlich auf Gewalttätigkeiten der übelsten Art gefasst machen. Doch dann wird man im positiven Sinn überrascht, denn dem Autor Marc Dugain geht es nicht um Splatter, sondern um die komplexe Persönlichkeit eines Menschen, der zwar einen IQ von 145 hat, aber keinerlei Mitgefühl verspürt. Von dem reißerischen deutschen Titel „In der Haut des Teufels“ sollte man sich also nicht abschrecken lassen – im Original heißt das Buch „Avenue de géants“, denn der Protagonist ist unter anderem wegen seiner Größe von 2,20 Meter ein Außenseiter.

Alle werden manipuliert, auch die Leser

Dugain erzählt in der ersten Person, also direkt aus dem Kopf des Mörders, der im Roman Al Kenner heißt, im wahren Leben Ed Kemper. Der Lebensbeichte, die hier abgelegt wird, darf man allerdings nicht trauen. Denn der intelligente Außenseiter versteht es, jeden zu manipulieren, wenn ihm das nicht zu langweilig wird. Und so kommt nicht nur für seinen zukünftigen Schwiegervater, den Polizeichef der Kleinstadt Santa Cruz an der Küste Kaliforniens, das Geständnis des Kerls wie ein Paukenschlag - der junge Mann hatte ihn schließlich über Monate hinweg mit seinem psychiatrischen Kenntnissen bei den Ermittlungen in einer Mordserie unterstützt. Auch der Leser, der zwar von Anfang an weiß, dass Kenner ein verurteilter Mörder ist, merkt erst am Schluss, wie er manipuliert wurde.

Interview mit einem Unhold

Marc Dugain ist durch eine mehrteilige Fernseh-Dokumentation über Ed Kemper auf die komplexe Persönlichkeit dieses Psychopathen aufmerksam und zu dem Buch inspiriert worden. Kemper ermordete von 1972 bis 1973 mindestens acht junge Frauen. In den USA ist der 2,06 Meter große und 150 Kilogramm schwere Hüne als „Co-Ed-Killer“ bekannt, da er seine Opfer nahezu alle auf dem Campus der örtlichen Universität als Anhalterinnen mitnahm. Kemper, der bis heute in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt, ist durch seine Kooperation mit forensischen Psychiatern einer der am besten untersuchten Serienmörder – falls alles stimmt, was er über seine Gedanken aussagt.

Marc Dugain: „In der Haut des Teufels“. Roman. Verlag C. Bertelsmann, München 2014. 384 Seiten, 19,90 Euro. ISBN: 978-3-570-10183-4. Auch als E-Book, 15,99 Euro.