Fußball-Oberligist TSG Backnang hatte im Sommer einen personellen Umbruch zu verkraften. Entsprechend schleppend verlief der Saisonauftakt. Am kommenden Samstag (18 Uhr/Gazi-Stadion) bei den Stuttgarter Kickers will der Vorjahres-Dritte dennoch versuchen, seine Außenseiterchance zu nutzen.
Nein, das dauert bei mir immer etwas länger. Zumal für uns deutlich mehr drin lag. Wir haben dem hohen Favoriten vor der tollen Kulisse von 2000 Zuschauern einen großen Kampf geboten. Zwei absolut vermeidbare Gegentore vor der Pause nach Standards haben das Spiel in die falsche Richtung gelenkt. In der Schlussviertelstunde warf uns dann noch eine Gelb-Rote Karte zurück, aber auch in der Phase waren wir drauf und dran, den Ausgleich zu erzielen. Ein Unterschied war auch in Unterzahl nicht erkennbar.
„Ich mache mir keine Sorgen“
Nach drei Spieltagen steht ihr Team mit null Punkten auf dem vorletzten Platz. Wie groß sind Ihre Sorgen?
Ich mache mir keine Sorgen, weil die Leistungen stimmen. Im ersten Saisonspiel gegen den 1. Göppinger SV führten wir nach ansprechender Leistung zur Pause noch mit 1:0, in der zweiten Halbzeit haben wir zu viele individuelle und taktische Fehler begangen, welche von einer Spitzenmannschaft dann auch bestraft wurden. Auch in Reutlingen waren wir mindestens über weite Stecken des Spiels ebenbürdig, und gegen Regionalliga-Absteiger SG Sonnenhof spielten wir auf Augenhöhe. Insgesamt sehe ich uns auf dem richtigen Weg. Es war klar, dass wir nach dem Umbruch mit neuem Trainer und dem Abgang von einigen Leistungsträgern uns erst einmal finden müssen.
Sehen Sie den überraschenden dritten Platz der TSG in der Abschlusstabelle der Vorsaison als große Hypothek?
Wir sind nach wie vor stolz auf dieses fantastische Abschneiden, mit dem wirklich niemand gerechnet hat. Aber wir wussten von Anfang an, dies richtig einzuschätzen. Es ist schwer, die Abgänge von Spielertrainer Mario Marinic und Kapitän Oguzhan Biyik, die ja beide ihre aktive Karriere beendeten, Mittelfeldspieler Niklas Pollex (Anm.d.Red.: zu Verbandsligist SV Fellbach) oder den Maier-Zwillingen Loris und Leon zu den Kickers einigermaßen adäquat zu ersetzen. Selbstverständlich wollten und konnten wir insbesondere den Maier-Zwillingen auf dem Weg in den professionellen Fußball keine Steine in den Weg legen. Wir brauchen nun einfach Zeit, damit sich das Team findet. Und diese Zeit bekommt unser neuer Trainer David Pfeiffer auch. Bei uns wird keiner unruhig.
Das Ziel...
...heißt für uns Klassenverbleib, nichts anderes. Das war uns vor der Runde bewusst und das bestätigt sich in der noch jungen Saison. Aber ich bin sehr guter Dinge, dass sich einige Mannschaften hinter uns einreihen werden. Im besten Fall steigen nur zwei Teams ab, im schlechtesten Fall sechs. Das wäre natürlich ein Brett, ist aber recht unwahrscheinlich. Wir haben aber definitiv die Qualität, die Klasse zu halten.
„Es wird extrem schwierig“
Am Samstag geht es zu den Stuttgarter Kickers. Was rechnen Sie sich aus?
Erst einmal freuen wir uns sehr auf dieses Spiel. Die ehemaligen Kickers-Spieler Niklas Benkeser und Robin Schwemmle, die nun für uns auflaufen, werden im Gazi-Stadion verabschiedet. Das ist eine schöne Geste. Das Wiedersehen mit Leon und Loris Maier ist auch etwas Besonderes. Ich denke auch für die zwei Jungs. Das bleibt eine ganz besondere Beziehung. Dass es extrem schwierig wird, auf der Waldau etwas zu holen, dürfte jedem klar sein. Aber unmöglich ist nichts.
Was macht Ihnen dennoch Mut?
Vor allem unser Auftritt gegen die SG Sonnenhof. Mit dieser Energie können wir jedem Gegner aus dem vorderen Drittel weh tun. Zudem hat der FC Nöttingen gezeigt, dass es mit ein bisschen Glück möglich ist, auch bei dieser Top-Mannschaft etwas Zählbares mitzubringen. Aber die Favoritenrolle ist eindeutig verteilt. Da gibt es keine zwei Meinungen. Dennoch werden wir unsere Chance als Außenseiter suchen. Wir haben ja in der Vergangenheit durchaus gezeigt, dass wir in der Lage sind, auch auf der Waldau erfolgreich zu sein.
Die TSG hat schon gegen andere Spitzenteams gespielt. Wer setzt sich am Ende oben durch?
Ich bleibe dabei: Mit seinem breiten und ausgeglichen besetzten Kader werden die Kickers am Ende ganz oben stehen – ohne Wenn und Aber. Und das mit deutlichem Vorsprung. Clubs wie der 1. Göppinger SV oder der 1. CfR Pforzheim haben auch das Zeug für die Top Fünf. Und die SG Sonnenhof hat einen Lauf, sie haben gewisse Qualitätsspieler in ihrem Kader wie etwa der aus Ulm gekommene Fabian Benko, Manuel Konrad oder Dominik Salz. Gerade Salz ist der Unterschiedsspieler der unheimlich laufstark und präsent ist. Das Spiel der SG ist sehr stark auf ihn zugeschnitten, was den Gegnern im wahrsten Sinne des Wortes weh tun kann. Ich denke auch nicht, dass die Kaderplanung der SG abgeschlossen ist und sie sicher noch die eine oder andere Verstärkung an Land ziehen werden.
Was tippen Sie am Samstag?
Ich hoffe natürlich auf etwas Zählbares, aber es wird eine Herkulesaufgabe. Wir müssen wieder unser Herz auf dem Platz lassen und werden sicherlich auch in gewissen Phasen des Spiels leiden müssen. In diesen Phasen benötigen wir natürlich auch das Quäntchen Glück für eine Überraschung. Natürlich müssen wir uns auch taktisch klug verhalten – und dabei mutig unsere Chancen suchen und die wenigen Chancen dann auch nutzen.