Marc-Uwe Kling im Stuttgarter Theaterhaus Mit Känguru, Comic & Co.
Urkomisch und genial: Marc-Uwe Kling ist mit Känguru, Comic und Co. ins Theaterhaus gekommen, um Sprachlektionen zu erteilen – auch auf Schwäbisch.
Urkomisch und genial: Marc-Uwe Kling ist mit Känguru, Comic und Co. ins Theaterhaus gekommen, um Sprachlektionen zu erteilen – auch auf Schwäbisch.
Vor 16 Jahren klopfte es an seine Tür – da stand ein Känguru. Seither lebt Marc-Uwe Kling in Wohngemeinschaft mit einem altklugen, schrulligen, manchmal bissigen Wesen, das sich weigert, zu arbeiten, und seinen Gastgeber in seltsame Gespräche verwickelt, über Gott, die Welt, die Gegenwart, die Politik und anderes. Das Känguru ist längst der Deutschen liebster Welterklärer; die Dialoge von Kling und Känguru füllen geschriebene und gesprochene Bände und Leinwände.
Am Dienstagabend ist Marc-Uwe Kling in Stuttgart zu Gast gewesen. Er sitzt im Theaterhaus auf der Bühne des großen Saals, der bis zum Rand gefüllt ist. Es gibt begeisterte Zwischenrufe. Kling ist gekommen in Begleitung seines Co-Autors Jan Cronauer und des Zeichners Florian Biege.
Biege verfertigt während der Show ein Cartoon-Bild nach den Wünschen des Publikums; Cronauer macht Geräusche, klappert mit dem Meterstab, wenn eine Schusswaffe entsichert wird, knistert, spricht durch Schläuche, schwenkt die Schläuche durch die Luft: Ein Live-Hörspiel, das nicht nur vom Känguru erzählt.
Kling und Co. sind unterwegs um ein neues Buch vorzustellen, einen Comic-Band: „Normal und die Zero Heroes“ erschien im November. Die Geschichte spielt in einer Welt, in der jeder Superkräfte besitzt, außer einem, dem Helden. Normal heißt er, sitzt in einer Notrufzentrale. Seine Kollegin kann sich unsichtbar machen, sobald es Arbeit gibt. Der Postbote wird zum „Mailman“, der Müllentsorger zum „Garbageman“. Manch einer springt vom Dach, nur um sich ein bisschen retten zu lassen. Allerdings: Ein neuer Superschurke taucht auf, der „Normalizer“, der allen Superhelden die Kräfte raubt. Gegen ihn kommen nur die Verlierer an, der Normalo, der „Plantman“ und die anderen „Zero-Heroes“.
Marc-Uwe Kling und seine Begleiter erzählen diese Geschichte launisch, komisch, mit viel Klamauk. Manchmal zeigt Marc-Uwe Kling eine Superkraft der ganz besonderen Art und beginnt, Schwäbisch zu sprechen. Nicht vergessen: Ehe Kling nach Berlin zog und berühmt wurde, wurde er in Stuttgart geboren, im Jahr 1982. Er kann das.
Im Dialog mit dem Känguru möchte er außerdem die Jugendsprache der Zukunft antizipieren und legt Bedeutungen fest: „Sich laufend zu widersprechen, nennt man södern.“ – „Wenn jemand so viel södert, dass man den Faden verliert, dann hat er dich in ein Laberrinth gesperrt.“ – „AfD-Wähler ist ein Ausdruck für jemanden, der nicht merkt, dass er verarscht wird.“
Marc-Uwe Kling ist urkomisch und genial, selbst wenn er sich nur Bananenscheiben auf sein Erdnussbutterbrot legt. Und er ist clever: Er steckt eine tote Katze in eine Schachtel, legt einen Papagei dazu, und schafft es so, gleichzeitig den Physiker Erwin Schrödinger zu zitieren und einen Sketch, an den sich nur treue Monty-Python-Fans erinnern.
Am Ende dieses schönen Abends ist dann auch Florian Bieges Zeichnung fertig: „Hatschi! Die Abenteuer von Niesmuschel“ heißt die Stuttgarter Kreation. Ein Seepferdchen und eine Seegurke spielen ebenfalls mit.