Marienhospital in S-Süd Elektronik gegen Krankenhauskeime

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Ein neues System zur Kontrolle von Handdesinfektionen im Stuttgarter Marienhospital soll helfen, gefährliche Krankheitserreger zu bekämpfen. Das Modell ist nicht ganz billig – aber eine Schließung der Klinik wegen einer Epidemie wäre um ein Vielfaches teurer.

Frank Markert von der Abteilung Klinikhygiene des Marienhospitals Foto: Caroline Friedmann
Frank Markert von der Abteilung Klinikhygiene des Marienhospitals Foto: Caroline Friedmann

S-Süd - Wer ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, hat meist mit seiner Erkrankung oder Verletzung schon genug um die Ohren. Auf eine Infektion mit so genannten „Krankenhauskeimen“ kann man da gerne verzichten. Vor allem, wenn es sich um multiresistente Erreger wie etwa MRSA handelt. MRSA bedeutet Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Diese Keime reagieren nicht mehr auf eine Behandlung mit Antibiotika und können für betroffene Patienten lebensbedrohlich werden. Laut dem Robert-Koch-Institut werden die meisten multiresistenten Keime über die Hände von Pflegekräften und Ärzten übertragen. Deshalb ist eine gründliche und regelmäßige Handdesinfektion in Krankenhäusern besonders wichtig.

Um das Desinfektionsverhalten der Klinikmitarbeiter genau unter die Lupe zu nehmen und weiter zu verbessern, hat das Marienhospital Stuttgart als erstes Krankenhaus in Baden-Württemberg ein neuartiges elektronisches System eingeführt, mit dem das Ansteckungsrisiko für Patienten, Besucher und Mitarbeiter weiter reduziert werden soll. Das Monitoring-System „NosoEx“, das von einem Start-up in Stralsund entwickelt wurde, wird seit Anfang Juli auf vier Stationen des Marienhospitals getestet. Über einen Zeitraum von drei Jahren soll das System aus Hard- und Software anonym erfassen, wann und wie oft Handdesinfektionsmittelspender benutzt werden.

Unterschiedliche Farben für die Berufsgruppen

Dazu sind alle Desinfektionsmittelspender auf den Stationen mit Transpondern ausgestattet worden. Auch alle Mitarbeiter, also Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten, nehmen sich zu Schichtbeginn einen Transponder in einer ihrer Berufsgruppe zugeordneten Farbe: Pflegekräfte bekommen einen grün gekennzeichneten Transponder, Ärzte einen blauen und Therapeuten einen pinken. Da sich jeder Mitarbeiter einen beliebigen Transponder seiner Berufsgruppe aus einer bereitgestellten Box nimmt, bleibt die Anonymität gewährt. „Für uns steht nicht das Desinfektionsverhalten des einzelnen Mitarbeiters im Mittelpunkt, sondern dass wir als Team stetig besser werden“, erklärt Frank Markert von der Abteilung Klinikhygiene des Marienhospitals. „Durch die kontinuierliche Erfassung und Auswertung der Desinfektionsvorgänge wollen wir potenzielle Schwachstellen in der Händedesinfektion erkennen und beheben.“

Mithilfe des Monitoring-Systems werden bei der Betätigung eines Desinfektionsmittelspenders unterschiedlichste Daten aufgezeichnet, die über eine VPN-Verbindung auf den Server des Herstellers hochgeladen und dort ausgewertet werden. So kann sich Frank Markert am Laptop jederzeit ansehen, welcher Spender wann und wie oft benutzt wurde, welche Berufsgruppe sich wie oft die Hände desinfiziert hat und ob eine ausreichende Menge Desinfektionsmittel verwendet wurde. „Außerdem zeigt das System, welche Spender besonders frequentiert werden und welche nicht“, so Markert. „Dadurch sehen wir, wo sich vielleicht etwas optimieren lässt.“

Besonders niedriges MRSA-Risiko bescheinigt

Markert ist zuversichtlich, dass sich die Hygienestandards im Marienhospital durch den Einsatz von „NosoEx“ noch weiter verbessern lassen. Doch schon jetzt ist das Krankenhaus in Sachen Hygiene gut aufgestellt. Seit 2016 nimmt die Klinik an der nationalen Kampagne „Aktion Saubere Hände“ teil. Außerdem wurden in diesem Jahr 60 Pflegekräfte zu „Link-Nurses“ ausgebildet. Diese sind zuständig für die Hygiene auf ihrer Station und sollen als Bindeglied zwischen Station und Hygieneabteilung fungieren. Außerdem hat die unabhängige Qualitätssicherungsvereinigung GeQuik dem Marienhospital bereits 2016 ein besonders niedriges MRSA-Risiko bescheinigt.

Wenn sich aber doch mal ein Erreger einschleicht, ist das Krankenhaus auch dafür gewappnet. „Patienten, die zum Beispiel erst vor Kurzem im Krankenhaus waren, in den letzten Wochen Antibiotika genommen haben oder die im Ausland waren, werden bei der Aufnahme gescreent, so dass wir MRSA-Erreger schnell erkennen können“, sagt Frank Markert. „Ab August haben wir auf der Notaufnahme auch sechs Betten, wo wir die Patienten sozusagen ‚parken‘ können, bis die Ergebnisse des Screenings da sind.“

Wie sich das neue System bei den Klinikmitarbeitern etablieren wird, kann Frank Markert nach nur drei Wochen Einsatz noch nicht genau sagen. „Aber man merkt schon jetzt, dass der Verbrauch an Desinfektionsmittel höher wird“, sagt er.

Wenn das System gut funktioniert, soll es möglicherweise im ganzen Krankenhaus eingesetzt werden. Allerdings, so Markert, sei das auch mit gewissen Investitionen verbunden. In den nächsten drei Jahren koste der Einsatz des Systems „einen mittleren fünfstelligen Betrag“, so Markert. „Aber das ist immer noch besser, als eine mögliche Epidemie oder eine Schließung wegen eines Krankenhauskeims zu riskieren.“

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