Innerhalb von nur einem Tag ist am Landgericht Stuttgart ein Prozess um umfangreichen Marihuana-Schmuggel nach Leonberg und Ditzingen zu Ende gegangen. Die 12. Große Strafkammer verurteilte einen 65 Jahre alten Lkw-Fahrer zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten.
Der Prozess konnte so schnell abgeschlossen werden, weil sich die Prozessbeteiligten bereits nach zwei Stunden auf eine Verständigung mit einem Strafkorridor von drei Jahren Haft bis drei Jahre und neun Monate einigen konnten. In den Schlussplädoyers forderte der Erste Staatsanwalt Johannes Kienle die Obergrenze, die Verteidigerin Margarete Haimayer das untere Limit. Der 65-jährige Angeklagte hatte zuvor ein umfassendes Geständnis abgelegt, das die Richter durch Zeugen überprüft hatten.
In der Folge sah es die Kammer als erwiesen an, dass der 65-Jährige zwischen Juli 2020 und Februar 2021 auf fünf Touren zwischen Spanien und Deutschland insgesamt 240 Kilogramm Marihuana nach Deutschland eingeschleust hat. Angeworben worden war er von einem Mann aus Leonberg, der sich demnächst ebenfalls vor Gericht wegen Marihuana-Handels im zweistelligen Kilogrammbereich verantworten muss.
Die Absprachen liefen über abhörsichere Handys
An jedem transportierten Kilogramm verdiente der Angeklagte 150 Euro, insgesamt für alle Fahrten knapp 39.000 Euro, die von ihm im Urteil als Wertersatz eingezogen wurden. Der Kontakt zu den Hintermännern lief über abhörsichere Krypto-Handys. Dreimal wurde das Marihuana, das der Angeklagte in Taschen im Führerhaus transportierte, in Leonberg an einer Tankstelle übergeben, einmal in Ditzingen und einmal in Baden-Baden.
Als erwiesen sahen es die Richter auch an, dass der 65-Jährige eine Drogeneinfuhr aus Spanien im Wert von knapp 70.000 Euro durch einen Kollegen unterstützt hatte. Er hatte zugegeben, diesen vermittelt und bei der Planung geholfen zu haben. Der Angeklagte war im vergangenen Jahr mit internationalem Haftbefehl gesucht und in Spanien festgenommen worden. Seit Ende Dezember 2025 war er in deutscher Untersuchungshaft.
Der Verurteilte hat eine Immobilie in Spanien – noch
Zu seinem Job als Lastwagenfahrer war der 65-Jährige auf Umwegen gekommen. Nach dem Hauptschulabschluss im Raum Göttingen hatte der Angeklagte bei seinem Onkel zunächst den Beruf des Fleischers gelernt und sich anschließend für acht Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, wo er in einem Offizierscasino viel Kontakt mit amerikanischen und kanadischen Offizieren hatte. Da er bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein machen durfte, begann er Anfang der 1990er-Jahre als Fahrer bei einer Spedition, die sich auf Autotransporte spezialisiert hatte.
Nachdem ihm der Führerschein für ein halbes Jahr lang entzogen worden war, weil ein Auto von seinem Transporter gerutscht war, fing er 2003 bei einer spanischen Spedition als Fahrer an. Er zog ein paar Jahre später in eine kleine Stadt zwischen Barcelona und Girona, nachdem er dort seine zweite Liebe gefunden hatte. Das kleine Haus, das er dort für die Familie erworben hatte, und für das nach seinen Angaben noch ein Restkredit über 60.000 Euro offen ist, muss er nun möglicherweise verkaufen.