Mark Medlocks Abschied Die Geschichte einer enttäuschten Liebe

Es reicht: Mark Medlock, DSDS-Gewinner von 2007,  hat genug vom Ruhm. Foto: dpa
Es reicht: Mark Medlock, DSDS-Gewinner von 2007, hat genug vom Ruhm. Foto: dpa

2007 hat Mark Medlock „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen und dann so viele Platten verkauft wie kein Castingshow-Sieger vor ihm. Jetzt hört er auf. Der Grund: ausgerechnet seine Fans.

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Westerland/Sylt - Es war ein filmreifer Abgang, so, wie man es erwartet, wenn der Boulevard Regie führt. Und doch kam diesmal alles anders.

Westerland auf Sylt. Ein Brillen-Laden, der Bilder von Kunden ausstellt. Hier sitzt er an einem kühlen Abend und gibt Autogramme. Mark Medlock, der einzige Mann, der mal die Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) gewann und seine Songs auch dann noch in den Charts platzierte, als seine Staffel vorbei war.

An den Wänden hängen Fotos. Mark mit Maske, Mark in Mönchskutte, Mark am Strand. Davor thront er, ein dürrer Hering, umringt von Frauen jenseits der fünfzig, die seine Mutter sein könnten. Er verschenkt Hüte und Jeans, die er bei seinen Konzerten getragen hat. Er posiert für Erinnerungsfotos. Mark und die Muttis, Arm in Arm. So kennen ihn seine Fans. Ein Star zum Anfassen. Doch heute ist etwas anders. Man sieht es an den Tränen in den Augen der Frauen. Diese Vernissage ist seine Abschiedsparty. Er wirkt gelöst.

Erst die Trennung von Dieter Bohlen, jetzt das endgültige Aus

Dieser Mark ist ein anderer als der, der die Yellow Press mit immer neuen Skandalen belieferte, seit er sich 2011 von seinem Mentor Dieter Bohlen getrennt hatte, um nach fünf gemeinsamen Alben die Musik zu machen, von der der 32-Jährige sagt, Dieter habe sie immer „scheiße“ gefunden: Soul – kein Discofox. Mal rastete er bei der Sicherheitskontrolle im Flughafen aus, mal pöbelte er Zuschauer eines Konzertes in Thüringen scheinbar ohne Anlass an.

Der Junge aus dem Getto, er war plötzlich wer. Doch der Erfolg wuchs ihm über den Kopf. Die Öffentlichkeit. So einer war ein dankbares Opfer für den Boulevard. Als Sohn eines Afro-Amerikaners und einer hessischen Hausfrau passte er in jedes Klischee. Gut und böse. Schwarz und weiß. Sein oder Nichtsein. Einem wie ihm kaufte man auch die Geschichte des armen Jungen ab, der die Schule angeblich nur deshalb geschmissen hatte, um seine todkranke Mama zu pflegen. Jetzt aber war er im Begriff, alles zu verspielen, was er je erreicht hatte, etwa drei Millionen verkaufter Tonträger. Die Sympathien von Frauen, die er, der Homosexuelle, mit seinen Liedern zu Tränen rührte. Vergeblich versuchte er, seine Ausraster zu rechtfertigen. Über rassistische Übergriffe beklagte er sich, über Fans, die ihn aus enttäuschter Liebe bis vor die Haustür verfolgten. Sogar von Mord-drohungen gegen ihn und seine Managerin war die Rede. Doch dafür interessierte sich der Boulevard schon nicht mehr. Der Vollwaise trug jetzt einen Stempel: „MADlock.“ Er wurde ihn nicht mehr los.

Die Managerin ist jetzt so etwas wie seine Ersatzmama

Jetzt zog er die Notbremse. Er löschte seinen Facebook-Account und verkündete seinen Abschied von der Bühne. Damit hatte er zwar schon öfter gedroht, seit er 2012 ein neues Zuhause auf Sylt gefunden hatte. Doch diesmal meint er es offenbar ernst. „Ich habe die Schnauze voll“, titelte die „Bild“. Medlock, das Opfer einer Industrie, die Kandidaten von Castingshows wie Zitronen ausquetscht? Oder einer, der bei seinem Aufstieg jedes Maß verlor?

Anruf bei Cornelia Reckert. Sie ist die neue Managerin von Mark Medlock und auch so etwas wie seine Ersatzmama. Eine aparte Blondine, 53 Jahre alt, verheiratet, drei erwachsene Töchter. Er wohnt jetzt bei ihr, in einer Villa, die hinter einer blickdichten Hecke verschwindet. Eine angesehene Geschäftsfrau, die genau weiß, was sie will. Sie hat Medlock 2009 am Rande eines privaten Konzerts kennengelernt. Drei Jahre später nahm sie ihn bei sich auf, als er ganz unten war, ohne Plattenfirma und voll auf Droge. „Ich sehe in Mark meinen Sohn.“

Frauen haben ihren Urlaub nach dem Tourplan ausgerichtet

Es geht ihr da wie vielen anderen Fans. „Mark hat so etwas Verlorenes“, sagt Martina Vigelius-Loth, 53, vier Kinder. Andere Frauen haben sich den Kopf des Sängers auf den Oberarm tätowieren lassen. Die Sozialarbeiterin und weitere Fans haben einen Verein gegründet, der Spenden für Kinder in Not sammelt: Bobbelsche Friends. Sie und ihre Mitstreiter kennen Medlock auch von einer anderen Seite. Sie waren dabei, als ihn Skinheads in Thüringen mit Eiern bewarfen – Bilder, die einiges erklären, die man aber nirgendwo im Internet findet.

Von diesen Frauen erfährt man aber auch, wer Mark Medlock und seiner Managerin mit Mord gedroht haben soll. Martina Vigelius-Loth sagt, es seien Muttis gewesen, die ganz verrückt nach Mark gewesen seien. Sogar ihren Urlaub hätten sie nach seinem Tourneeplan ausgerichtet. „Für die ist eine Welt zusammengebrochen, als sie erfuhren, dass Mark bei Cornelia Reckert einzogen ist.“ Diese Fans hätten ihm nicht verziehen, dass er sich einer Frau ausgeliefert habe, die die Branche nicht kennt.

Wohl war: Mark Medlocks Managerin, das ist ein Anrufbeantworter, der nie zurückruft. Wer hätte gedacht, dass so einer das Kunststück gelingen würde, ihm das Grab als Musiker zu schaufeln und ihm zugleich das Leben zu retten?




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