Krimikolumne

Mark Peterson: „Blood & Bone“ Knochen und Pappe

Das linke Buch ist immer noch schwer zu empfehlen. Das rechte eher nicht. Foto: Wangner
Das linke Buch ist immer noch schwer zu empfehlen. Das rechte eher nicht. Foto: Wangner

Vorfreude, heißt es, sei die schönste Freude. Und wenn sie enttäuscht wird, kann man sich immer noch an sie erinnern. Dies als kleiner Trost für alle, die ebenfalls Mark Petersons zweitem Thriller entgegengefiebert haben.

Lokales: Hans Jörg Wangner (hwe)

Stuttgart - Detective Sergeant Minter ist befördert worden. Er ermittelt jetzt als Detective Inspector in der Kriminellenszene von Brighton. Das ist schön für ihn. Noch schöner wäre es für den Leser aber, wenn der Autor Mark Peterson mit „Blood & Bone“ qualitativ an sein fulminantes Debut angeknüpft hätte. Denn man muss es leider in dieser Deutlichkeit sagen: der zweite Band der Minter-Reihe ist eine herbe Enttäuschung.

Das fängt schon mit dem Plot an, der bestenfalls durchschnittliche Krimiware ist: ein hochintelligenter Soziopath zieht sich einen grenzdebilen Charaktergenossen als Handlanger, um eine Frau nach der anderen abzuschlachten. Man kann darüber spekulieren, ob das Petersons eigene Idee war. Oder ob er vielleicht von außen schlecht beraten wurde, als er seinen Helden in Simon-Beckett-Niederungen schickte, indem er widerliches Gemetzel, Gehäute und Geschlitze ins Spiel brachte. Von der gesellschaftlichen Relevanz jedenfalls, die „Flesh & Blood“ unter anderem ausmachte, ist „Blood & Bone“ meilenweit entfernt.

Das gleiche gilt auch für das Personal, das teilweise vom ersten Band übernommen wurde, das aber, um dieses Wortspiel zu wagen, nicht mehr aus Fleisch und Blut, sondern eher aus Knochen und Pappe ist. Den Figuren wohnt diesmal keine Tragik inne. Minters Vergangenheit als Waisenhauskind kommt zwar wieder zur Sprache, aber sie lässt einen als Leser diesmal ebenso unberührt wie das doppelte Spiel seines hochverschuldeten Kollegen und die Entwicklung der beiden Soziopathen zu blutrünstigen Monstern. Vollends klischeehaft schließlich ist die reiche Fernsehmoderatorin, deren halbwüchsige Tochter vermeintlich ebenfalls dem Mörderduo zum Opfer fällt.

So ist „Blood & Bone“ ein Thriller geworden, den man mit etwas gutem Willen durchlesen mag. Der aber unter der Fallhöhe vom Erstling herab über die Maßen leidet.

Mark Peterson: „Blood & Bone“. Roman. Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Rowohlt, Reinbek 2015. 384 Seiten, 10,99 Euro. Auch als E-Book, 9,49 Euro.

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