Krimikolumne

Mark Peterson: „Flesh & Blood“ Die Spur der Gewalt

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Furioses Debut: Mark Peterson führt mit seinem Thriller „Flesh & Blood“ in die dunkelsten Ecken von Brighton. Ein paar wenige Polizisten kämpfen dort an allen Fronten gegen Dealer, Mörder und Verräter in den eigenen Reihen.

Aus der Ferne betrachtet ist alles schön – auch der Amüsierflecken Brighton Pier. Der Debütautor Mark Peterson schaut aber lieber auf die übleren Flecken der Badestadt. Foto: o-fey
Aus der Ferne betrachtet ist alles schön – auch der Amüsierflecken Brighton Pier. Der Debütautor Mark Peterson schaut aber lieber auf die übleren Flecken der Badestadt. Foto: o-fey

Stuttgart - Was macht einen wirklich guten Thriller aus? Spannung? Härte? Vielleicht ein bisschen Sex? Gewiss, das alles sollte drin sein. Zur richtigen Mischung kann aber auch gehören, dass der Autor sich für seine Personen interessiert und ihre Biografien in die Handlung einbettet. Genau das ist Mark Peterson in seinem Debüt-Roman „Flesh & Blood“ gelungen.

„Flesh & Blood“ spielt im englischen Seebad Brighton. Aber weniger an den typischen Piers, mit denen man die Stadt vielleicht verbinden mag, sondern im Milieu der Drogensüchtigen, der Gangs, der Stricher, der Hoffnungslosen. Eine große Polizeiaktion unter der Leitung von Tom Beckett soll die Stadt ein bisschen sauberer machen, doch gleich zu Beginn des Buches kommt ein verdeckt arbeitender Ermittler ums Leben. Er wird erschossen, weil ihn ein Maulwurf bei der Polizei verraten hat.

Ein Ermittler ohne Vornamen

Für Beckett wird es eng, denn der Fall hat natürlich auch eine politische Dimension. Im Kampf gegen den inneren und äußeren Feind entschließt er sich zähneknirschend zur Zusammenarbeit mit einem jungen, ehrgeizigen Kollegen, der ihm nicht nur von oben aufs Auge gedrückt worden ist, sondern der auch schon einmal gegen einen anderen Beamten ausgesagt hat. Doch dieser junge Mann, der vornamenlose Detective Sergeant Minter, ist der einzige, dem Beckett trauen kann. Die blutige Spur der Gewalt zieht sich von Anfang bis Ende durch die Geschichte . . .

Was Petersons Thriller ausmacht, ist sein Blick auf die Menschen. Er braucht dafür gar nicht übermäßig zu psychologisieren – die Tragik der Lebensgeschichten spricht für sich: Der Karrierepolizist Minter ist als Kind von einem üblen Waisenhaus ins andere gesteckt worden. Der seit einem Jahr verwitwete Beckett beginnt an seinem Beruf zu zweifeln. Die alkoholkranke Frau eines Dealerbosses hatte als Kind einer ebenfalls trinkenden Mutter noch nie eine Chance auf ein normales Leben. Der tote Stricher stammt aus kleinbürgerlichem Haus und ist als Jugendlicher auf die schiefe Bahn geraten. Und dann gibt es da noch den korrupten Beamten, der unter der Hypothek für sein Häuschen ächzt; die junge Kollegin, die eine glänzende Juristenkarriere hat fahren lassen, um sich in einem Sumpf von Machismo und Mauschelei wiederzufinden; den Transvestiten Rita, der hinter den Kulissen international am großen Rad dreht.

Offene Rechnung

Rita gehört übrigens zu den wenigen, die ungeschoren davon kommen. Und auch Minters Rechnung mit seinem Peiniger aus dem Kinderheim ist noch offen. Ob die beiden wohl im zweiten Minter-Fall eine Rolle spielen, in dem der Ermittler einem Serienkiller auf der Spur kommen ist? Englischsprachige Leser werden schon im Mai mehr wissen. Wer nicht so firm ist in der Muttersprache des Autors, muss sich noch etwas gedulden. Nach Auskunft des Rowohlt Verlags sind die Sergeant-Minter-Krimis als Reihe angelegt. Wann es unter welchem Titel weitergehe, stehe aber noch nicht fest.

Wie dem auch sei: Bitte her damit!

Mark Peterson: „Flesh & Blood“. Roman. Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Rororo TB, Reinbek. 378 Seiten, 9,99 Euro.