Markenpiraterie Empörung über Fälschungen in China nur gering

Von Katharina Sorg 

Am Messestand in Shanghai hatte die chinesische Fälscherfirma behauptet, das Produkt zuerst entwickelt zu haben. "Dabei hatte der Mann davor Starmix-Produkte verkauft", sagt Gorovoy. Das Problem des Geschäftsführers aus Schwaben: er hatte sich den Sauger in China nicht patentieren lassen. "Ein Fehler", wie er heute sagt. Inzwischen sind alle Produkte der Firma Starmix, die in der kleinen Niederlassung in China vertrieben werden, geschützt. "So ein Patent bringt etwas", sagt Gorovoy rückblickend. 

Fälschung als ein "chinesisches Kompliment"

Auch der Verband gegen Markenpiraterie rät dazu, die formellen Schutzrechte vor Ort wahrzunehmen. Im Falle eines Prozesses seien dann die rechtlichen Grundlagen gesichert. Denn diese bestehen durchaus. Nur an der Umsetzung in den vielen Provinzen mangele es noch, sagt Alexander Benesch vom APM. Den Starmix-Chef Gorovoy haben die rechtlichen Vorgänge nicht abgeschreckt. "Der Prozess dauerte lang, aber er war fair", sagt er heute.

Die Empörung über Fälschungen hält sich in China indes noch in Grenzen. "Fälschung ist eine Art chinesisches Kompliment", sagt Gorovoy. Er habe immer wieder gehört: "In China kopiert man nur die Besten." Die Einstellung zu geistigem Eigentum sei eine andere. Warum das Rad zweimal erfinden, wenn der andere die Arbeit schon geleistet hat.

"Ich musste auch unseren chinesischen Mitarbeitern vor Ort erklären, dass die Umsätze eines Unternehmens fallen können, wenn der Mitbewerber das kopierte Produkt auf den Markt bringt", sagt der Geschäftsführer von Starmix. Seine chinesischen Angestellten hatten ihm den Vorschlag gemacht, doch auch einfach ein anderes Produkt nachzubauen. Inzwischen sind aber auch vermehrt chinesische Firmen Opfer von Produktpiraten, sagt Rechtsreferent Alexander Benesch. Das treibe die Sensibilisierung für dieses Thema weiter voran.

"Die haben uns komplett kopiert"

Vor zwei Jahren suchte sich Roman Gorovoy zunächst eine deutsche Anwaltskanzlei mit Sitz in China. Privatdetektive wurden engagiert, die sich bei der Fälscherfirma als Arbeiter einschlichen und die Produktion filmten und fotografierten.

Hatten die Fälscher auf der Messe noch einen anderen Namen verwendet, produzierten sie die Sauger am Fließband direkt unter dem Namen Starmix. "Die haben uns komplett kopiert, auch unser Leistungsschild", sagt Gorovoy. Auf dem chinesischen Zertifikat stand sogar "made in Reichenbach". Ausgestattet mit Beweismaterial und Beglaubigungen konnte der Prozess schließlich beginnen. "Wir haben jetzt schon Erfahrung, sollten wir irgendwann noch einmal in China vor Gericht ziehen", sagt Gorovoy. Zurückschrecken würde er davor nicht.

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