Markenpiraterie "In China kopiert man nur die Besten"

Von Katharina Sorg 

Viele Unternehmen haben mit Produktfälschungen zu kämpfen. Wegen hoher Prozesskosten schrecken viele jedoch vor einer Klage zurück.      

Uhren zählen zu den beliebtesten Fälschungsobjekten. Oft sind es nur Details, die das Plagiat dabei vom Original unterscheiden. Foto: dpa 2 Bilder
Uhren zählen zu den beliebtesten Fälschungsobjekten. Oft sind es nur Details, die das Plagiat dabei vom Original unterscheiden. Foto: dpa

Stuttgart - Irgendwie kam Roman Gorovoy der Industriesauger bekannt vor: Design, Verpackung, selbst einige Bilder an dem fremden Stand waren aus dem Produktprospekt seiner Firma Starmix herauskopiert worden. Der Geschäftsführer des schwäbischen Traditionsunternehmens stand auf der Messe "China Clean" in Shanghai und schien eines seiner Produkte gerade eben bei der Konkurrenz entdeckt zu haben.

Zwei Jahre später legt Roman Gorovoy in seinem Büro in Reichenbach einen handhohen Papierstapel neben sich auf den Tisch. Ausgedruckte E-Mails aus China, Überbleibsel eines Prozesses. "Ein ehemaliger Mitarbeiter unseres Händlers in China hat das Produkt kopiert", sagt Gorovoy. So habe die chinesische Firma Shanghai Lerong Industrial den Sauger fälschen können.

Der heute 29-jährige Starmix-Chef wollte dies nicht einfach so hinnehmen. Seine Mitbewerber warnten: "Lass es sein, das bringt sowieso nichts." Doch das mittelständische Unternehmen aus Baden-Württemberg zog gegen die Produktpiraterie vor ein chinesisches Gericht. Gorovoy klagte, zahlte 70.000 Euro Prozesskosten - und gewann. Das Urteil: 20.000 Euro Strafe für die Firma aus Shanghai, die Herstellung des Geräts wurde gestoppt. "Finanziell hat sich der Prozess nicht gelohnt", sagt Gorovoy. Doch immerhin: eine weitere Firma, die mit einem gefälschten Starmix-Sauger bereits in den Startlöchern stand, stellte den geplanten Verkauf ebenfalls ein.

Bis zum Urteilsspruch sind zwei Jahre vergangen

50 Milliarden Euro jährlich - so viel Umsatz büßt die deutsche Wirtschaft aufgrund von Fälschungen laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ein. Allein der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) geht von einem durch Produktpiraterie verursachten Schaden von rund 6,4 Milliarden Euro aus.

76 Prozent der deutschen Unternehmen sind laut einer VDMA-Studie von Produkt-und Markenpiraterie betroffen. Dass Starmix geklagt habe, sei der richtige Weg gewesen, sagt Alexander Benesch vom Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie e. V. (APM). Rund 75 Unternehmen sind Mitglied des Verbands. Ihnen rät Benesch aktiv zu werden. Die hohen Kosten schreckten aber viele ab. Es werde dennoch vermehrt gegen die Fälscher geklagt, die Zahl der geführten Verfahren sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Dass ein solcher Prozess nicht einfach werden würde, war Roman Gorovoy schnell klar. Von der Entdeckung der Fälschungen bis zum Urteilsspruch vergingen fast zwei Jahre. Auf der Messe in Shanghai war er zunächst sofort zum chinesischen Kontrollbüro marschiert. Vor ihm standen bereits Italiener, Deutsche und andere Firmenbesitzer. Ihr Anliegen: Produktfälschung.

Zahlreiche Dokumente mussten geglaubigt werden

"Da war schon ganz schön was los", sagt Gorovoy und schmunzelt. In Deutschland sei es wesentlich einfacher, eine Fälschung vom Markt zu nehmen, sagt Gorovoy. Der deutsche Zoll, der für die Kontrolle zuständig ist, würde bei solchen Fällen bereits auf der Messe handeln. Doch in China muss - möchte man eine Anzeige erstatten - zunächst einmal alles beglaubigt werden: die Existenz der eigenen Firma, Angaben zur Entwicklungsabteilung, die Einreichung von technischen Zeichnungen und vieles mehr. "Das dauert länger", sagt Gorovoy.

Allein seine Assistentin war wegen der Papiere fast ein Jahr zwischen Reichenbach, Stuttgart und Köln unterwegs. Notar, Amtsgericht Stuttgart, Bundesverwaltungsamt Köln und die chinesische Botschaft - so lautete die Reiseroute für alle Dokumente, die beglaubigt werden mussten.