Markenprodukt aus Filderstadt Filderkraut wird auch in Neuseeland gegessen

Von Leonie Schüler 

Von mehr als einem Dutzend Filderkrautfabriken ist nur noch eine übrig: die Sauerkonservenfabrik Fritz Schlecht. Der Inhaber Armin Schlecht erzählt vom Überlebenskampf und warum er glaubt, dass er es schaffen kann.

Armin Schlecht leitet die Sauerkonservenfabrik Fritz Schlecht in vierter Generation. Foto: Leonie Schüler
Armin Schlecht leitet die Sauerkonservenfabrik Fritz Schlecht in vierter Generation. Foto: Leonie Schüler

Bernhausen - Es ist wieder soweit: Anhänger für Anhänger wird in diesen Tagen durch Filderstadt gekarrt, bis oben gefüllt mit Krautköpfen. Alle haben das eine Ziel: die Sauerkonservenfabrik Fritz Schlecht in Bernhausen. Sie ist neben einer Firma im Aichtal, Kimmichs Sauerkonserven, die letzte ihrer Art. Von einst mehr als einem Dutzend Fabriken, die in den 50er und 60er Jahren auf der Filder­ebene ansässig waren, ist nur noch diese eine übrig. Die vorletzte, Schweizer Naturkost, verlegte den Firmensitz vergangenes Jahr nach Thüringen.

Armin Schlecht hat in der Krautfabrik die Fäden in der Hand, seitdem der Vater Fritz vergangenes Jahr überraschend starb. Er fehlt ihm – als Vater, aber auch als Experte, der sich mit dem Spitzkraut auskannte wie kein anderer, der eigene Maschinen entwickelte, um den holzigen Strunk auszubohren. Jetzt ist Armin Schlecht auf sich gestellt, wenngleich er Hilfe von seiner Mutter, seiner Frau und auch von den Kindern bekommt. „Mein Sohn geht gerner auf den Krautwagen als in die Schule, ähnlich wie ich“, sagt der 44-Jährige und schmunzelt. Auch er ist mitten im Kraut aufgewachsen. „Da hängt mein Herz dran.“

Die Uroma hat aus der Not eine Tugend gemacht

Die Sauerkrautverarbeitung geht in der Familie auf die Uroma Marie Schlecht zurück. „Sie hat damit angefangen, den Kohl, den man nicht lagern konnte, im Keller zu Sauerkraut zu verarbeiten“, erzählt Armin Schlecht. „Sie hat aus der Not eine Tugend gemacht.“ Neben ganzen Kohlköpfen haben die Schlechts von da an das eingelegte Kraut aus Holzkübeln heraus verkauft. Der Opa, Friedrich Schlecht, fing dann in den 50er Jahren an, Konserven abzufüllen. So konnte er es ganzjährig anbieten, und das Kraut blieb mild. „Frisch wird es immer saurer“, erklärt Armin Schlecht.

Sein Vater Fritz, der den Betrieb in den 80er Jahren übernahm, geriet in eine schwierige Zeit hinein: Als Feldfrüchte aus südlichen Ländern ganzjährig in den Läden angeboten wurden, wurde Kohl als Wintergemüse uninteressant. Damit war das Sterben der Krautfabriken besiegelt. Doch Fritz Schlecht beugte sich nicht: „Er hat versucht, was Besonderes zu machen“, sagt sein Sohn. Statt auf Masse setzte er auf Qualität und verarbeitete fortan das kegelförmige Spitzkraut. Es ist in der Verarbeitung schwieriger und weniger ertragreich, dafür feiner und milder. Mit dem Weinsauerkraut „Spitzbüble“ etablierte Fritz Schlecht seine eigene Marke. „Es war ein langer, harter Weg, aber erfolgreich“, sagt Armin Schlecht.

Das Spitzbüble habe sich regional gut entwickelt. Große Supermarktketten vom Main bis runter an den Bodensee sowie Feinkostgeschäfte aus ganz Deutschland kaufen die Konserven auch heute noch von der Filderstädter Fabrik. Und selbst in Neuseeland wird Filderkraut gegessen: Ein Gastronom vom anderen Ende der Welt bestellt regelmäßig Krautkonserven, die nach Down Under geschifft werden.

Der Wandel bei den Verbrauchern gibt Hoffnung

Dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem Armin Schlecht zum ersten Mal alleine die Geschicke der Sauerkonservenfabrik lenken muss, die Krauternte desaströs ausfällt, ist hart. „Normalerweise verarbeiten wir 2000 Tonnen Spitz- und Rundkohl. Wenn wir dieses Jahr 50 Prozent zusammen bekommen, müssen wir zufrieden sein“, sagt Armin Schlecht, der Betriebswirtschaft studiert hat. Doch aufgeben will er nicht. Er möchte die Familientradition fortsetzen und die Krautfabrik am Leben erhalten. „Ich mache es gerne und mit Herzblut, aber man muss natürlich schauen, wie sich der Markt entwickelt.“ Der Wettbewerb mit Krautfabriken in Bayern, am Niederrhein oder auch in Polen sei hart. „Die produzieren in ganz großen Mengen. Da sind wir ganz kleine Lichter.“ Der einzige Weg, um zu überleben, sei die Qualität. „Die muss top sein, nur dann können wir die Kunden halten. Wenn man Schlecht heißt, muss man gut sein“, sagt er und lacht. Der Druck sei gleichzeitig ein Ansporn, jeden Tag sein Bestes zu geben.

Hoffnung gibt Armin Schlecht der Trend, dass Verbraucher wieder mehr Wert darauf legen, woher ein Produkt stammt und wie es verarbeitet wird. „Der Verbraucher ist da sensibler geworden als noch vor 15 Jahren. Das ist für uns eine Chance, auch als Kleiner am Markt zu bestehen.“ Er stelle fest, dass im Hausverkauf in Bernhausen wieder mehr jüngere Kunden vorbeikommen. Wohl nicht zuletzt wegen des Gesundheitsaspekts: Sauerkraut ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen und hat wenig Kalorien. Haltbar gemacht wird es im Hause Schlecht nur mit Salz, ohne Zusatzstoffe oder Geschmacksverstärker. „Es wird immer noch hergestellt wie anno dazumal. Es ist ein ehrliches Produkt.“




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