Marketing und S 21 Der S-21-Verein muss aufs Geld schauen

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Nach StZ-Informationen denkt man bei der Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm (PSU), die Stuttgart 21 baut und mehrere Bahngesellschaften im Mitgliederkreis des Vereins vertritt, darüber nach, das Budget um einen namhaften Betrag zu kürzen.

Baustellenbesucher sollen als Multiplikatoren Gutes nach draußen tragen. Foto: Lg/Kovalenko
Baustellenbesucher sollen als Multiplikatoren Gutes nach draußen tragen. Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Der Stuttgart-21-Verein ist dieses Jahr volljährig geworden. Doch so richtig Feierstimmung mag nicht aufkommen. Seit 18 Jahren soll der Zusammenschluss für das Milliardenvorhaben der Bahn werben und darüber informieren. Der Verein, nach der Rückkehr des Landes in den Kreis der Zahler eben erst wieder in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt, muss offenbar allerdings aufs Geld schauen.

Nach StZ-Informationen denkt man bei der Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm (PSU), die Stuttgart 21 baut und mehrere Bahngesellschaften im Mitgliederkreis des Vereins vertritt, darüber nach, das Budget um einen namhaften Betrag zu kürzen. Die Stadt Stuttgart schießt derzeit jährlich 300 000 Euro zu, das Land Baden-Württemberg sogar einen doppelt so hohen Betrag. Der Löwenanteil kommt aber von der PSU selbst. Deren Töpfe werden wiederum von den Projektpartnern gefüllt – und da sind unter anderem wieder die Stadt und das Land dabei. S-21-Gegner, die den Verein seit je als reines Propagandainstrument argwöhnisch beäugen, fordern schon seit Langem, dass für dessen Arbeit kein öffentliches Geld aufgewendet werden dürfe.

Immer mehr Besucher im Bahnhofsturm

Offiziell bestätigen mag die Zahlenspiele freilich niemand – und schon gar niemand beim Verein selbst. David Bösinger, Pressesprecher des S-21-Vereins etwa, verweist viel lieber auf das, was man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu Wege gebracht habe. So soll sich die Zahl derer, die man seit dem Jahr 2014 über die Baustellen des Stuttgarter Bahnknotens und der Neubaustrecke nach Ulm gelotst hat, auf 18 000 summieren.

Die Besucherzahlen in der Ausstellung im Bahnhofsturm wachsen jährlich, für 2016 prognostiziert der Verein 250 000 Gäste im Turmforum. Georg Brunnhuber, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter und heutiger Vereinsvorsitzender, spricht nicht frei von Stolz davon, dass der Bahnhofsturm in der Besuchergunst in Stuttgart nur von den beiden Automobilmuseen überflügelt werde. „Niemand verlässt die Baustelle so, wie er sie betreten hat“, sagt Pressesprecher Bösinger und verweist auf eine „Multiplikatorenwirkung“ der Besucher unter Tage. Denn dort, in die entstehenden Tunnel für S 21, werden die Gäste des Vereins in kleinen Gruppen geführt.

Im offenen Aufzug geht es in die Tiefe

Von Februar 2017 an steht auch der Tunnel zwischen dem neuen Bahnhof und den Neckarvororten Unter- und Obertürkheim auf dem Besucherprogramm. Die Gäste bekommen zunächst im Baubüro in Wangen eine Übersicht über das Vorhaben und rattern dann in einem offenen Baustellenaufzug die knapp 40 Meter hinunter in die Baustelle. Dort geht es – je nach aktuellem Stand der Arbeiten in eine der vier Röhren: zwei in Richtung Innenstadt, zwei in Richtung Neckar. „Wir sind die Institution, die direkt mit den Bürgern spricht“, sagt Bösinger über die Arbeit des Vereins.

Für die, die weniger auf Baustellenlärm und -schmutz aus sind, will der Verein vom kommenden Jahr an im Bahnhofsturm einen virtuellen Blick in die Zukunft des Milliardenprojekts ermöglichen. Ausgestattet mit VR-Brillen – das Kürzel steht für Virtual Reality, also künstliche Wirklichkeit – können Besucher den fertiggestellten Durchgangsbahnhof wie auch das derzeit kontrovers diskutierte Bahnhofsumfeld erkunden. Von 20 Standorten, teilweise von erhöhter Warte aus, zeigt sich der Bereich zwischen der Willy-Brandt- und der Heilbronner Straße, zwischen dem Arnulf-Klett- und dem Straßburger Platz.

Das 3-D-Modell ist in der Stuttgarter Agentur Plan B von Andreas Pflomm entstanden. Abgesehen davon, dass sämtliche bestehenden Gebäude in der Umgebung des Bahnhofs aufwendig in das Modell eingefügt wurden, mussten Angaben aus insgesamt 18 Meter Planungsakten bearbeitet werden. „Wer will die schon durchblättern“, fragt Bösinger und empfiehlt den Blick durch die VR-Brillen.

Der ist im Bahnhofsturm noch bis längstens 2018 möglich. Dann muss die Ausstellung den Sanierungsarbeiten im Bonatzbau weichen. Ein ins Auge gefasster Umzug auf leer stehende Flächen im gegenüber liegenden Hindenburgbau wurde nicht weiter verfolgt.

Hier geht es zu unserer Stuttgart-21-Timeline.

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