Markgröningen Markgröninger Tradition für das chinesische Fernsehen

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
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Den Regen hätte das Team, das in Markgröningen einen Film für das chinesische Fernsehehen dreht, nicht gebraucht. Es werden zwar nur drei Minuten vom Fest in die Dokumentation eingehen. Aber für die Regisseurin Quing Chao ist der Lauf über das Stoppelfeld exotisch. Wobei sie eher von den jungen Frauen begeistert ist, die einen Holzzuber auf dem Kopf über das Feld tragen. Sie will in Markgröningen ein Stück deutscher Kultur einfangen und attestiert den Läuferinnen einen „brave spirit“, Mut und Tüchtigkeit also.

Begonnen hat der Tag traditionell mit der Abholung des Landrats Rainer Haas am Stadtrand. Der wohl 560. Schäferlauf – so genau kann man das nicht sagen – folgt einem alten Protokoll, dem sich offenbar alle Beteiligten gerne unterwerfen. In einer Kutsche fährt Haas, als der Amtsnachfolger der Vögte aus vordemokratischer Zeit, zusammen mit dem Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner vor dem Rathaus vor. Wie später die anderen Ehrengäste aus Bundes- und Landtag – Steffen Bilger, Ingo Rust, Markus Rösler, Konrad Epple und Thomas Reusch-Frey, – winken sie huldvoll der Menge zu. Die Schäferzünfte haben sich einst auf Markgröningen als jährlichen Treffpunkt zur Besprechung ihrer Angelegenheiten geeinigt. Ihre Zunftfahne deponieren sie das Jahr über im Rathaus. Und so gehört es zu den wiederkehrenden Ritualen des Schäferlaufsamstags, dass die Zunftlade an die Schäfer zurückgeht.

Auf dem Weg zur Koexistenz von Mensch, Schaf und Wolf

Aber das Treffen der Schäfer will mehr als nur Folklore sein. Da sind die dunklen Wolken am Himmel sehr symbolträchtig. Die Zahl der Schafe in Baden-Württemberg liegt bei nur noch 216 000. „Wir haben Nachwuchssorgen“, sagt Annette Wohlfahrt, die Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes. Die Förderung sei zu gering angesichts des Beitrags der Schäfer zum Naturschutz. Eine Weideprämie sei längst überfällig. Für einen Stundenlohn von 4,80 Euro arbeite ein Schäfer heute. Mit Sorge schaut Wohlfahrt auf die Rückkehr des Wolfes. „Wer den Wolf will, muss für den Schaden bezahlen.“

Gleich zwei Wolfsfürsprecher sind zu Gast in Markgröningen. Der Grünen-Landtagsabgeordnete und Wolfsbeauftragte Markus Rösler und Claus Peter Hutter, der Präsident der Umweltstiftung Natur-Life-International. Beide halten die Koexistenz Wolf-Schaf-Mensch für möglich. Hutter verweist auf Spanien, wo die Schäfer viel Erfahrung damit haben. Und da Jesús Garzón, ein erfahrender Kollege aus Spanien, in Markgröningen zu Gast war, wird bereits ein erster Erfahrungsaustausch vereinbart. Beides ist der Schäferlauf noch bis Montag: Netzwerk und Selbstverortung.




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