Markgröningen Dunkle Wolken über den Schäfern

Nach dem großen Regen: der Landrat Rainer Haas verleiht die Königskrone an  Dominik Fröschle und Simona Mack, die Sieger des Schäferlaufs.. Foto: factum/Granville
Nach dem großen Regen: der Landrat Rainer Haas verleiht die Königskrone an Dominik Fröschle und Simona Mack, die Sieger des Schäferlaufs.. Foto: factum/Granville

Beim Schäferlauf feiert die Stadt einen neuen Schäferkönig und zugleich ihre Geschichte als Mittelpunkt des Schäferwesens. Doch heute steht es um den Beruf nicht gut: Die Rückkehr des Wolfs und mangelnde Förderung bereiten den Hütern Sorgen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Hilke Lorenz (ilo)
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Markgröningen - Um 14.19 Uhr am Samstag kommt der Regen. Stark und peitschend. Er vertreibt die Besucher von den nichtüberdachten Tribünen rund um das Stoppelfeld am Rande Markgröningens. Die flüchten, so gut sie können, unter die Überdachungen. Der zweite Lauf der Wasserträgerinnen über die 300 Meter findet gerade noch statt. Dann verordnet das Wetter dem Programm eine Pause – und alle schauen besorgt an den dunklen Himmel. Die Königsdisziplin, der Schäferlauf, steht da noch aus. Vor den Wassermassen kapituliert auch die Stromversorgung. Durchsagen sind unmöglich.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon einmal so heftig geregnet hat“, sagt später Frank Blessing, der Tourismus- und Marketingchef der Stadt. Er ist nicht der einzige, der mit durchnässter Kleidung auf dem Platz stand. Nach gut zehn Minuten hört der Regen auf. Um 14.34 Uhr kommt der Strom zurück. Der Moderator Wolfgang Milde kann den Lauf um die Schäferinnenkrone und den um die Schäferkrone ansagen. 16 junge Frauen und acht junge Männer, alle aus Schäferfamilien stammend, gehen auf die Strecke. Die ist nach dem großen Regen matschig, die Strohhalme sind glitschig. Aber das Feld ist wegen der frühen Ernte weniger stachelig.

Beim Hahnetanz durfte man früher nur ledig mitmachen

Bei den Frauen siegt die amtierende Königin, die 15-jährige Simona Mack aus Ellwangen. Bei den Männern kommt Dominik Fröschle (17) aus Bad Wildbad als Erster ins Ziel. Extra trainiert haben beide nicht auf den Lauf. „Ich mache halt viel Sport“, sagt die Gewinnerin. „Das Rennen ist man ja von den Schafen gewohnt“, sagt Fröschle.

Beim Hahnentanz, bei dem die Paare ein hoch oben am Galgen mit dem Hahnenkorb aufgestelltes Glas Wasser mit dem Kopf wegstoßen müssen, werden bei alteingesessenen Markgröningerinnen Erinnerungen wach. „In den 60er Jahren durfte man nur ledig mittanzen“, erinnert sich Magdalene Weigel. Weil sie im Juli heiratete, durfte sie im August nicht mittanzen. „Weinend habe ich den Tanzpaaren zugeschaut“, sagt sie heute lachend.




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