Krimikolumne

Marko Leino: „In der Falle“ Grausamkeiten und Abgründe

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Finnland steht nicht im Ruf eines klassischen Mafia-Landes. Dabei hat der an das Baltikum und an Russland angrenzende Staat durchaus mit der organisierten Kriminalität zu kämpfen – literarisch verarbeitet in dem abgrundtiefen Roman „In der Falle“ von Marko Leino.

Dem finnischen Autor Marko Leino ist ein großes Mafia-Epos gelungen. Foto: Heini Lehväslaiho
Dem finnischen Autor Marko Leino ist ein großes Mafia-Epos gelungen. Foto: Heini Lehväslaiho

Stuttgart - Ein Geständnis zum Einstieg macht sich immer gut: Der Film „Wunder einer Winternacht“, laut Rowohlt Verlag „der größte finnische Kinoerfolg aller Zeiten“, der „Hunderttausende zu Tränen gerührt“ habe, ist mir unbekannt. Ebenso bis vor wenigen Tagen dessen Autor, der 1967 in Helsinki geborene Marko Leino. Doch das hat sich auf ebenso schmerzhafte wie eindrückliche Weise geändert.

Eindrücklich, weil Leinos „In der Falle“ ohne Frage in die Riege der großen Mafia-Epen gehört. Und schmerzhaft, weil der Autor im Zuge seiner schriftstellerischen Pflicht nicht um Grausamkeiten und Abgründe herumkommt.

Schlau, brutal und abgeschlagen

Leino macht geografisch einen diagonalen Schnitt durch Europa: von oben (Finnland) nach unten (Russlands Südgrenze). Und er macht einen diagonalen Schnitt durch die Gesellschaft: von unten (subalterner Gefängniswärter) bis oben (zweitmächtigster Mafiaboss Russlands). Dazwischen eine Unmenge von handelnden Personen, von denen sich eine ganze Reihe für schlau, brutal und abgeschlagen halten – um dann im Zweifel zu erfahren, dass das Gegenüber noch schlauer, noch brutaler und noch abgeschlagener ist.

Wie in jedem ernst zu nehmenden Mafia-Roman geht es auch bei Leino nicht nur um das Verbrechen, um dessen Planung und um die mehr oder weniger erfolgreiche Polizeiarbeit dagegen. Es geht auch – der deutsche Titel deutet das passender weise an – darum, wie die Akteure in Fallen tappen, wie sie in Umstände getrieben werden, aus denen sie ungeschoren nicht mehr herauskommen. Oder noch schlimmer: in denen ihre Angehörigen zu Tode kommen.

Große erzählerische Macht

„In der Falle“ ist nicht sonderlich elegant übersetzt. Aber er zieht einen mit großer erzählerischer Macht in eine Welt hinab, die man aus guten Gründen niemals aus der Nähe kennenlernen möchte.

Marko Leino: „In der Falle“. Roman. Aus dem Finnischen von Anu Pyykönen-Stohner. Rowohlt Verlag, Reinbek. 540 Seiten, 9,99 Euro. Auch als Hardcover im Paul Zsolnay Verlag, 19,99 Euro, und als E-Book, 15,99 Euro.