Markt in Stuttgart-Dachswald Das Experiment ist beendet

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Am 24. November ist zum letzten Mal Markttag im Stadtteil. Weil in den vergangenen Wochen zu wenige Kunden gekommen sind, ziehen sich die Händler wieder zurück.

Am 8. September ist der erste Markttag im Dachswald gewesen – am 24. November ist der letzte. Foto: Alexandra Kratz
Am 8. September ist der erste Markttag im Dachswald gewesen – am 24. November ist der letzte. Foto: Alexandra Kratz

Dachswald - Die Sache habe keinen Sinn mehr. So sieht es der Stadtteilmanager Torsten von Appen. In der vergangenen Woche habe er noch einmal mit der Märkte Stuttgart GmbH gesprochen, und gemeinsam sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Wiederbelebung des Marktes im Dachswald nicht zielführend sei. „Das Feedback der Menschen im Dachswald war eindeutig“, sagt Torsten von Appen und meint damit, dass zu wenige gekommen seien, um auf dem Wochenmarkt einzukaufen. „Wir hatten mit den Marktbeschickern vereinbart, dass sie es drei Monate lang durchziehen. Das haben sie gemacht, und dabei auch Verluste hingenommen“, sagt von Appen. Er habe sich bei den Händlern für ihr Durchhaltevermögen bedankt. „Aber jetzt ist es auch gut. Der Wochenmarkt war ein Pilot, und es hat nicht funktioniert“, so die Meinung des Stadtteilmanagers.

Sigrid Beckmann ist enttäuscht. Die Vorsitzende des Bürgervereins Dachswald hatte sich dafür verkämpft, dass es wieder eine Nahversorgung gibt. „Die anfänglichen Aufschreie aus der Bevölkerung, es gebe nichts mehr zum Einkaufen im Wohngebiet, habe ich ernst genommen und versucht, eine Lösung zu finden, die für alle akzeptabel ist“, sagt Beckmann. Viele Jahre lang hatte es am Knappenweg einen kleinen Lebensmittelladen gegeben. Doch nach dem Tod des Grundstückseigentümers wurde das Areal verkauft, die Gebäude wurden abgerissen. Dort entstehen derzeit zwei Mehrfamilienhäuser mit zwölf Eigentumswohnungen.

Die Suche nach einer mobilen Lösung

Der Investor hatte damals sein Entgegenkommen signalisiert, auch eine Ladenfläche zu realisieren. Er plante vor den Wohnhäusern einen Flachdachbau mit 100 Quadratmetern Verkaufs- und 40 Quadratmetern Lagerfläche. Aber das Baurechtsamt lehnte dies aus mehreren Gründen ab. Der Laden war auf einer Fläche geplant, die nicht bebaut werden darf. Außerdem war das Gebäude zu nah an der Grundstücksgrenze und der Nachweis für die Parkplätze fehlte. Die Bereitschaft der Wirtschaftsförderung, eine Ladenfläche zu unterstützen, sei nicht sonderlich groß gewesen, kritisiert Beckmann im Nachhinein.

So schnell aber wollte sie nicht die Flinte ins Korn werfen. Die Vorsitzende suchte gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung nach einer mobilen Lösung. Das hätte ein Lieferservice sein können oder eben ein Wochenmarkt. Auf einer öffentlichen Fläche war ein solcher nicht zu realisieren. Doch die evangelische Gesamtkirchengemeinde erklärte sich dazu bereit, den Platz vor dem Waldheim Sonnenwinkel zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam mit der Märkte Stuttgart GmbH suchte die Wirtschaftsförderung nach Marktbeschickern. Und fand fünf, die bereit waren, dem Experiment im Dachswald eine Chance zu geben. Am 8. September bauten die Händler zum ersten Mal ihre Stände auf. Im Angebot waren Obst und Gemüse, Backwaren, Eier und Nudeln, Fleisch und Wurst sowie ausländische Spezialitäten.

Drei Monate Probezeit

„Aber es hieß von vornherein, es gibt eine Probezeit von drei Monaten und nicht länger“, sagt Beckmann. Sie habe bei ihrer Eröffnungsrede die Bürger darauf aufmerksam gemacht, dass wenn der Umsatz nicht stimme, die Marktbeschicker auch ganz schnell wieder weg seien. Am Anfang hätten die Bürger den Markt gut angenommen. Aber am Schluss sei es bedauerlicherweise einfach zu wenig gewesen.

Nach Beckmanns Ansicht hätte die Wirtschaftsförderung einiges besser machen können. Drei Monate seien eine kurze Probezeit gewesen. „Bis Weihnachten und mit einem etwas erweiterten Angebot an Milchprodukten wäre das Ganze etwas mehr abgerundet gewesen. Hier hat leider die Wirtschaftsförderung, obwohl ich sie darauf aufmerksam gemacht hatte, zu spät reagiert“, so die Kritik der Bürgervereinsvorsitzenden. Auch der Wunsch nach einem Bringservice sei seitens der Wirtschaftsförderung zu spät aufgegriffen worden: „Eigentlich erst dann, als es schon abwärts ging“, sagt Beckmann.

Die Hoffnung auf einen Laden

Ans Aufgeben denkt sie aber noch nicht. Als Vorsitzende des Bürgervereins will sie sich weiterhin Gedanken über das Thema Nahversorgung machen. Sie hofft, dass es vielleicht doch mal wieder einen Laden im Wohngebiet gibt, der dann auch wieder montags bis samstags die Dinge des täglichen Bedarfs anbietet. „Da ja eine ständige Verdichtung im Wohngebiet stattfindet, sollten auch die Rathausspitzen und der Gemeinderat ein großes Interesse daran haben“, so Beckmanns Appell.

Letzter Markttag: Am Donnerstag, 24. November, kommen die Händler zum letzen Mal in den Dachswald. Von 8 bis 13 Uhr können die Bürger noch einmal auf dem Platz vor dem Waldheim Sonnenwinkel einkaufen.

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