Markungsputzete Warum Filderstadt nun wieder sauberer ist

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Einen Vormittag lang haben Filderstädter Bürger das gemacht, was nicht als Vergnügen gelten dürfte: Sie haben den Müll der anderen aus der Natur geräumt. Dabei haben sie auch etwas sehr Widerliches gefunden.

Daniel Wünsch, Markus Strobel  und Florian Laubengaier (von links) helfen bei der Markungsputzete von Filderstadt mit. Foto: Malte Klein
Daniel Wünsch, Markus Strobel und Florian Laubengaier (von links) helfen bei der Markungsputzete von Filderstadt mit. Foto: Malte Klein

Filderstadt - Florian Laubengaier schaut konzentriert auf die Grünstreifen des Stetter Wegs südwestlich des Bernhausener Ortszentrums, während er einen weißen VW-Bus lenkt. Er fährt am Samstagmorgen langsam, maximal Tempo 30. Es sieht so aus, als suchten er und seine beiden Mitfahrer Markus Strobel und Daniel Wünsch etwas. Und genau so ist es auch. Sie halten Ausschau nach Müll: Zigarettenschachteln, Pappbecher und alles, was andere Menschen achtlos in die Natur geworfen haben.

Die drei jungen Männer sind an diesem Morgen nicht die Einzigen, die Müll suchen und wegräumen. An dieser alljährlichen Filderstädter Markungsputzete beteiligen sich etwa 400 Bewohner in allen fünf Stadtteilen. Zuvor haben bereits 930 Schüler ebenfalls Müll aufgelesen. Manche Einzelpersonen helfen am Samstag. Andere sind in Vereinen aktiv. Dazu zählen auch Laubengaier, Strobel und Wünsch vom Verein Verkehrsdienst Württemberg aus Bernhausen.

Schon alles gefunden vom Akkordeon bis zur Toilette

Um kurz nach 9 Uhr haben die drei jungen Männer noch keinen Müll entdeckt. „Es sieht hier sauber aus“, sagt Laubengaier und fährt den Keltenweg entlang. Was sie bei der Putzete erwarten kann, wissen sie schon.Denn sie sind seit gut sieben Jahren dabei. „Wir haben schon alles Mögliche gefunden, vom Akkordeon bis zur Toilette“, sagt Laubengaier und deutet nach vorne: „Dahinten an der B 27 wird es dreckig sein.“ Und er sollte recht behalten. Schon wenigen Minuten später finden sie Müll.

Dafür sind die drei Kameraden – im Alter von 29 und 36 Jahren – bestens gerüstet. Schließlich sind sie mit dem Verkehrsdienst-Kleinbus sonst unterwegs, um Hilfe bei Verkehrsunfällen zu leisten und Unfallstellen abzusichern. Darum haben sie auch eine Flasche Desinfektionsmittel dabei. Die werden sie brauchen. Denn später werden sie etwas Widerliches finden.

Laubengaier stoppt den VW-Bus. Er hat in der Nähe der B 27 Müll auf einem mit Gras bewachsenen Weg entdeckt. Sie schauen nach. Da liegen kleine Packungen und daneben deren Inhalte. „Das sind benutzte Präservative“, sagt Laubengaier und greift sich mit seiner Zange das erste. Sie anderen picken Kondom um Kondom auf. Offenbar vergnügen sich an der Stelle oft Liebespaare.

Gibt’s ja nicht: ein Brotbackautomat!

Markus Strobel hat weiter oben im Gebüsch etwas Weißes entdeckt. „Ich habe einen Brotbackautomaten gefunden“, ruft er. Laubengaier nimmt die Steilvorlage auf: „Brauchst du technische Hilfe?“ Für sie ist das Müllsammeln auch eine lustige Zeit mit Freunden. Wenn einer mit zwei Flaschen Lambrusco auf dem Gebüsch kommt, fragt ein anderer: „Hast du hier Party gemacht?“

Beim letzten Stopp an der Böschung der Kreisstraße 1255 in Richtung B 27 findet Laubengaier einen blauen Plastiksack, der teils mit Erde bedeckt ist. Er zieht ihn heraus und dreht ihn um. Sofort entweicht ein beißender Gestank. „Puh, das stinkt ja!“, ruft er. Was er da gefunden hat, weiß er nicht. „Manches will ich nicht wissen“, sagt er. Da fährt Margit Rosenfelder, die Leiterin der Grünflächenabteilung des städtischen Tiefbauamts, gerade vor. Sie hieven den Sack auf die Pritsche des Bauhoflasters und desinfizieren ihre Hände.

20 Kubikmeter Müll ist zusammengekommen

Um 12 Uhr versammeln sich die Helfer in der Uhlberghalle in Bonlanden zum Essen. Auch der Oberbürgermeister Christoph Traub ist dabei. „Ich bin dankbar, dass sich so viele beteiligt haben“, sagt er. Er selbst hat nahe der Haberschlaiheide in Bonlanden gesammelt. Norbert Branz, der Leiter des Tiefbauamts, kann an diesem Mittag noch nicht genau sagen, wie viel Müll zusammengekommen ist. Er schätzt, dass es 20 Kubikmeter sind, so viel wie in den Vorjahren. Das entspricht zwei gefüllten Containern. Branz sagt, dass die Aktion wichtig ist: „Diejenigen, die beim Müllsammeln mitmachen, werden bestimmt nichts achtlos in die Natur werfen. Außerdem dienen sie dabei als Multiplikatoren.“

Laubengaier und seine Kameraden haben fertiggegessen. Nachher schauen sie noch Fußballbundesligaspiele im TV an. Über ihre Müllsammelaktion machen sie sich keine Illusionen. „Was jetzt weg ist, liegt morgen wieder da“, sagt Laubengaier.




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