Markus Babbel im Interview "In Berlin ist alles schwieriger als beim VfB"

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Der Hertha-Trainer Markus Babbel spricht über seine Arbeit in einem hektischen Umfeld und sein Verhältnis zum VfB Stuttgart.    

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Stuttgart - Als Trainer von Hertha BSC Berlin trifft Markus Babbel am Freitag auf seinen vorherigen Verein, den VfB Stuttgart. "Für mich ist das ein ganz besonderes Spiel", sagt der 38-Jährige.

Herr Babbel, Sie haben in Berlin schon vor Saisonbeginn für Aufsehen gesorgt, als sie als Ziel für die ersten drei Spiele neun Punkte ausgaben. Ziemlich mutig für einen Aufsteiger.

Was hätte ich sonst sagen sollen? Dass wir zwei Spiele verlieren wollen und im dritten mal schauen, was dabei rauskommt? Ich kann doch nicht schon vorher sagen, mir reicht ein Punkt. Was wäre das für eine Aussage? Wenn ich in ein Spiel gehe, muss ich versuchen, unbedingt gewinnen zu wollen. Natürlich ist mir aber klar, dass das nicht jedes Mal funktionieren kann. Sonst hätten wir nach 34 Spielen 102 Punkte.

Jetzt sind es nach drei Spielen zwei. Sind Sie zufrieden mit dem Auftakt?

Beim 0:1 im ersten Spiel gegen Nürnberg waren wir schlecht. Das hat mir gar nicht gefallen. Bei den beiden Unentschieden in Hamburg und Hannover haben wir aber sehr ordentlich gespielt. Wichtig war, dass wir eine Reaktion gezeigt haben.

Wie konkurrenzfähig ist Ihre Mannschaft?

Wenn wir in der Lage sind, hundert Prozent zu bringen, werden wir definitiv mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Wenn nicht, dann haben wir ein Problem.

Ist der Klassenverbleib das einzige Ziel?

Als Aufsteiger verbietet es sich, große Töne zu spucken. Neben dem FC Augsburg sind wir die einzige Mannschaft, die noch überhaupt keinen Nachweis der Bundesligatauglichkeit erbracht hat. Deshalb kann für uns das Ziel nur lauten, möglichst schnell die Klasse zu sichern.

Mittelfristig dürfte es in einer Stadt wie Berlin aber nicht ausreichen, nur gegen den Abstieg zu kämpfen.

Berlin ist kein leichtes Umfeld, das ist wahr. Aber unsere Fans haben erkannt, dass wir versuchen müssen, uns kontinuierlich nach oben zu arbeiten. Das geht nur Schritt für Schritt. Große Sprünge sind für uns nicht möglich.

Was macht das Umfeld so schwierig?

Berlin ist eine Weltmetropole, die sich in allen Dingen an der Spitze sieht und dort gerne auch im Fußball sein möchte. Aber genau das macht ja auch den Reiz dieses Vereins aus. Auch deshalb wollte ich die Hertha trainieren - es ist ein Traditionsclub mit tollen Möglichkeiten. Jetzt gilt es eine Mannschaft zu entwickeln, die früher oder später in der Lage ist, dorthin zu kommen, wo die Stadt sich sieht. Das geht aber mit Sicherheit nicht von heute auf morgen.

Ist es schwerer in Berlin zurechtzukommen als in Stuttgart?

Mit Sicherheit. Das ist sogar ein Quantensprung. Was etwa die Medienlandschaft betrifft, war Stuttgart ein echter Hochgenuss. Da hat es richtig Spaß gemacht. In Berlin dagegen ist alles schwieriger. Hier gibt es zehn Tageszeitungen, die untereinander in knallhartem Konkurrenzkampf stehen und Schlagzeilen produzieren, dass einem die Haare zu Berge stehen. Da wird nicht nur unglaublich viel, sondern häufig auch unglaublich unsachlich berichtet. Es ist sehr schwierig, hier in Ruhe zu arbeiten. Aber, und dies möchte ich klar betonen: Ich fühle mich bei der Hertha, in Berlin allgemein sehr wohl. Ich möchte etwas aufbauen und bekomme die Gelegenheit dazu.

Sie haben gleich im ersten Jahr den Aufstieg geschafft. Ist man eigentlich mit Lizenz ein besserer Trainer als ohne?

Hundertprozentig (lacht). Im Ernst: Fakt ist, man braucht diesen Schein, das habe ich geschafft. Ob das sein muss oder nicht, sollen andere beurteilen.

War es beim VfB im Rückblick das größte Problem, dass Sie neben der Arbeit als Trainer die Ausbildung machen mussten?

Von 18 Trainern hatte ich zumindest das schwierigste Los. Es ist doch logisch: wenn ich dienstags und mittwochs, den wichtigsten Tagen im Training, nicht als Chef bei der Mannschaft sein kann, dann ist das ein großes Problem. Ich behaupte aber, dass das nicht das Entscheidende war.

Sondern?

Das Hauptproblem war, dass ich vor der Saison keinen Urlaub hatte. Nach dem Kraftakt in der Rückrunde, als wir von Rang elf sensationell bis auf den dritten Platz geklettert waren, gab es für mich überhaupt keine Zeit, um runterzukommen und abzuschalten. Sprich: so positiv alles gelaufen ist - ich war vom Kopf her leer und ausgebrannt. Und sofort ging das nächste Projekt weiter, die Fußballlehrerausbildung, bei der man richtig arbeiten muss. So wurde mir am Ende alles zu viel.