Markus Balzuweit aus Stuttgart Seit 35 Jahren Nikolaus – „Kinder sind fordernder geworden“

Markus Balzuweit arbeitet in Sichtweite der Möhringer Martinskirche, wo er Jahr für Jahr den Nikolaus gibt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko/privat

Markus Balzuweit war 15, als er das erste Mal auf dem Möhringer Christkindlesmarkt den Nikolaus gab. Inzwischen ist er 52 – und hängt immer noch den Rauschebart um.

Freizeit und Unterhaltung: Theresa Schäfer (the)

Mit 15 wurde Markus Balzuweit der Nikolaus. Ausgesucht hat er sich das nicht wirklich. „Als Teenager gibt es Cooleres, als mit Bart und rotem Mantel über den Weihnachtsmarkt zu ziehen. Und meine Kumpels haben sich schlapp gelacht.“ Aber er war damals schon groß und breitschultrig, und deshalb kam der Bürgerverein auf ihn, als der Nikolaus für den Möhringer Christkindlesmarkt ausfiel und man schnell einen Ersatz suchte.

 

Heute ist er 52 Jahre alt – und schlüpft seit 35 Jahren ins Nikolauskostüm. „Ich bin da reingeschlittert und drauf hängengeblieben“, sagt Balzuweit, der inzwischen in Degerloch wohnt, aber in Möhringen zusammen mit seinem Bruder das Familienunternehmen führt, das sein Vater gegründet hat. Softwarelösungen für Dokumentenmanagement. Klingt eher technisch als besinnlich.

Auf dem Weihnachtsmarkt in Möhringen hat der Nikolaus Tradition

Markus Balzuweit stand seit 1990 nicht jedes Jahr im Nikolaus-Outfit auf dem Möhringer Weihnachtsmarkt („ein, zwei Mal war ich krank“), aber beinahe. Deshalb darf man ihm glauben, wenn er sagt: „Es hat sich schon verändert: Die Kinder sind fordernder und forscher geworden.“ Dass ein Kind ein Gedicht oder einen kleinen Reim für den Nikolaus aufsagt, ist heute auch seltener als vor 30 Jahren. Umso mehr freut es den 52-Jährigen, wenn ein Kind ein Bild oder etwas Gebasteltes dabei hat, um es ihm zu überreichen. „Da ist es mir wichtig, mir Zeit zu nehmen, um das auch besonders zur Geltung zu bringen.

Den Möhringer Christkindlesmarkt gibt es seit fast 50 Jahren. Er findet immer am Samstag vor dem ersten Advent statt. Er ist eine Institution: Dort treffen sich ehemalige Schulfreunde zum Glühwein, für Familien ist der Markt ein Pflichttermin. Entsprechend voll und trubelig geht es vor der Martinskirche zu. Deshalb gibt es auch zwei Nikoläuse, die getrennt voneinander unterwegs sind. Damit niemand leer ausgeht, wenn die kleinen Päckchen mit Süßigkeiten verteilt werden.

„Wenn ich mit meiner Glocke läute, stehen schnell Trauben von Kindern um mich herum – da braucht man eine gewisse Gelassenheit.“ Über die Jahre hat Markus Balzuweit seinen Auftritt perfektioniert: „Die tiefe Nikolausstimme ist Übungssache.“ Sagt ein besonders Vorwitziger „Dich gibt’s ja gar nicht“, verweist er auf seinen Schlitten, der selbstverständlich unsichtbar sei. Und wenn heute ein Kind Angst vor ihm hat, weiß er viel besser, wie man reagiert, als zu der Zeit, als er noch ein Teenager war.

Seinen Kindern war der Vater als Nikolaus früher peinlich

Schließlich ist der 52-Jährige heute selbst Vater von drei Kindern, die bereits erwachsen sind. Denen war es früher peinlich, dass ihr Papa den Nikolaus macht, „aber heute finden sie’s gut“. Gerade versucht Markus Balzuweit, seinen 21-jährigen Sohn zu rekrutieren, damit der bei Bedarf einspringen könnte – „ich bin noch am Überzeugungsarbeit leisten“.

EInmal im Jahr wird aus dem Unternehmer Markus Balzuweit der Nikolaus. (Symbolbild) Foto: imago/Bihlmayerfotografie

Sein Kostüm ist immer noch dasselbe wie vor 35 Jahren: „Damals war es oversize, heute sitzt es ein bisschen straffer.“ Vor fünf Jahren, erzählt Balzuweit, wollte er eigentlich aufhören, „aber dann habe ich wieder einen Rückzieher gemacht“, auch weil es, wie bei jedem Ehrenamt, schwierig ist, einen Nachfolger zu finden. „Inzwischen ist es für mich längst eine Tradition“, sagt der 52-Jährige. „Ich mach’s, bis es nicht mehr geht.“ Dann hält er kurz inne und sagt lächelnd: „Nikolaus auf Lebenszeit sozusagen.“

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