Markus Barth beim Stuttgarter CSD „Ich will Blut spenden, nicht meinen Penis“

Von Uwe Bogen 

Dass Schwule nur Blut spenden dürfen, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten, findet Markus Barth nicht lustig: „Ich will Blut spenden, nicht meinen Penis!“ Wir sprachen mit dem Comedian vor dem Auftritt bei der CSD-Gala in Stuttgart.

Der Kölner Comedian tritt am Freitag bei der CSD-Eröffnungsgala beim Stuttgarter Kastellsommer im Freien  im Römerkastell auf. Foto: Stefan Mager
Der Kölner Comedian tritt am Freitag bei der CSD-Eröffnungsgala beim Stuttgarter Kastellsommer im Freien im Römerkastell auf. Foto: Stefan Mager

Stuttgart - „Ich hab’ voll den Witzestau“, sagt der in Köln mit Mann und Hund lebende Comedian Markus Barth. Da muss was raus! Die Enthaltsamkeit ohne Publikumskontakt ist nicht gut für den Körper! Vor allem Männer sollen darunter leiden! Bei der Eröffnungsgala des Stuttgarter CSD am Freitag beim Open-Air-Festival Kastellsommer vor der Phoenixhalle will sich der 43-Jährige vom Druck befreien und lang vermissten Bühnenspaß mit anderen teilen.

Es wird sein dritter Auftritt seit dem Lockdown vor vier Monaten. In der Zwangspause hat er viel gekocht und trotzdem nicht zugenommen. Gewicht und Ausgeglichenheit konnte der langjährige Gagautor der „Wochenshow“ halten, indem er jeden Abend mit dem Hund raus ist und bei seinen Gassi-Runden laut seine Pointen gesetzt hat – für die imaginären Fangemeinde.

„Was schüttet man euch in Stuttgart ins Trinkwasser?“

Barth kann es also nicht erwarten, wie er im Telefongespräch mit unserer Zeitung sagt, sich am Freitag in den Zug in Richtung Stuttgart zu setzen – in die Stadt, die ihn stets aufs Neue überrascht. „Erst die Wutbürger beim unterirdischen Bahnhof, jetzt die Krawallnacht, was schüttet man euch nur ins Trinkwasser?“, fragt er. Unmissverständlich sagt er: „Wer Schaufenster einschlägt und plündert, ist ein Idiot – ob mit oder ohne Stammbaumrecherche.“

Noch immer, sagt er, braucht Deutschland den Christopher Street Day. Als einen von vielen Gründen dafür nennt er die „diskriminierenden Regelungen“ bei der Blutspende. Keinerlei Verständnis hat Markus Barth dafür, dass Schwule nur dann ihren Lebenssaft der Medizin überlassen dürfen, wenn sie von sich sagen können und dies auch schriftlich erklären, ein Jahr lang keinen Sex gehabt zu haben. „Was soll das?“, fragt er und setzt verärgert drauf: „Ich will Blut spenden, nicht meinen Penis.“

„20 schwule Jahre entsprechen 140 Heterojahre“

Etwa 15.000 Blutspenden werden pro Tag in Deutschland gebraucht. Wegen der Corona-Krise werden vielerorts die Blutkonserven knapp. Vor diesem Hintergrund fordert der CSD, die Beschränkungen für homosexuelle und bisexuelle Männer aufzuheben. Die noch immer geltende Regelung suggeriere, dass Männer, die Sex mit Männern haben, Krankheiten übertragen. Dies prangert Markus Barth als Diskriminierung an.

Mit einem anderen Witzemacher, der ebenfalls Barth heißt, ist er weder verwandt und verschwägert. Ob Barth der Künstlername des Kölners ist? „Ja“, lautet seine Antwort im Comedy-Programm. Wenn er dann noch sagt „Mein richtiger Name ist Markus Mittermeier“, tobt der Saal. Nicht von seiner Freundin wie Mario Barth erzählt der Namensvetter, sondern von seinem Mann, mit dem er seit 20 Jahren zusammen ist. „20 schwule Jahre, das entspricht 140 Heterojahre“, sagt er. Oft habe er gehört, dass schwule Paare die traditionelle Ehe bedrohten. Genau dies sei richtig: „Das ist unser Hobby. Gott, wie oft liegen wir samstags im Gebüsch und warten darauf, bis ein traditionelles Ehepaar an uns vorbeigeht. Dann springen wir raus und schreien die Heteros an: Passt nur auf!“

„Der CSD unter Corona ist sehr seltsam“

Dass Markus Barth glaubt, schwule Lebensjahre müssten wie Hundejahre mit dem Faktor sieben multipliziert werde, dürfte daran liegen, dass Homosexuelle nach dem Klischee beim Partymachen vorne liegen. Im Corona-Sommer trifft dies allerdings nicht zu. Den CSD in Köln hat er als „sehr seltsam“ empfunden. Die üblichen Umarmungen und Annäherungen dürften nicht sein. Barth besuchte in seiner Heimatstadt am CSD-Wochenende die Straßen, wo sich Schwule normalerweise treffen. „Mir war da zu viel los“, berichtet er, „ich bin dann mit zwei Freunden in einen Biergarten, in dem es ruhiger war.“ Bei der CSD-Eröffnungsgala am Freitag in Stuttgart sind 150 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen, die im Freien mit Abstand sitzen. Es gibt noch Restkarten. Markus Barth freut sich tierisch darauf, endlich was gegen seinen Witzestau tun zu können. Von Zeit zu Zeit muss ein Mann tun, was ein Mann braucht: Druck ablassen!

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