Markus Grübel im Plochinger Gymnasium „Anders, wie wenn ein Lehrer vorne steht“

Beim Besuch im Plochinger Gymnasium weicht Markus Grübel auch kritischen Fragen nicht aus. Foto: /Karin Ait Atmane

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel gibt bei einem Besuch im Plochinger Gymnasium freimütig Auskunft – auch zum augenblicklichen Zustand seiner Partei – und stellt einige Gegenfragen.

Plochingen - Markus Grübel muss bei seinem Besuch im Gymnasium Plochingen nicht zwei Mal um Fragen bitten. Die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe löchern den Bundestagsabgeordneten freudig, zuerst eineinhalb Stunden im Klassenzimmer und dann noch ein bisschen im Flur.

 

In der Coronazeit hat Markus Grübel kaum noch Schulklassen zu Gast in Berlin. Umso lieber kommt der Abgeordnete ins Gymnasium zu den beiden fünfstündigen Gemeinschaftskundekursen. Berührungsängste mit jungen Menschen hat er nicht, und trotz der Jahrzehnte in der Politik neigt er zumindest hier im Klassenzimmer weder zu ausschweifenden Reden noch zu taktischen Ausweichmanövern. Nicht mal, wenn es um die jüngste Bundestagswahl und den Zustand seiner Partei geht. Mit diesem Thema steigen die Schülerinnen und Schüler ins Gespräch ein. Warum Grübel gerade bei der CDU gelandet sei? Wie diese für Jugendliche attraktiver werden wolle? Ob die „ordentliche Klatsche“ bei der Wahl, wie er sich selbst ausdrückt, mit der Kanzlerkandidatur Armin Laschets zusammenhänge? „Um’s diplomatisch zu sagen, es war nicht förderlich“, meint Grübel dazu und beantwortet auch die Frage, ob Söder der bessere Kandidat gewesen wäre: „für den Wahlkampf ja“.

Grübel kommt ins Grübeln

Seine Partei sei ja „nicht so beliebt bei den Jungen“, stellt eine Schülerin fest. Wenn die neue Regierung tatsächlich wie geplant das Wahlalter senke, mache sich das erst recht bemerkbar. Der Abgeordnete gibt sich trotzdem halbwegs optimistisch, der Vorsprung der SPD sei „hauchdünn“, eine Dreier-Koalition nicht besonders stabil und die Wähler nicht mehr stark an Parteien gebunden. Über das gute Abschneiden der FDP bei jungen Wählern kommt Grübel aber doch ins Grübeln: Ob’s daran lag, dass sie sich als Freiheitspartei darstellen konnte? Oder an der Person Lindners? Eine Antwort bekommt er aus der Runde nicht.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Grübel gewinnt und erhält einen Dämpfer

In Zusammenhang mit dem Wahlverhalten und der politischen Stimmung in den östlichen Bundesländern fragt der 62-Jährige die jungen Leute nach ihren Ideen. Die Kluft, die es da gebe, erstaune und erschrecke ihn selbst, sagt Grübel und schildert, wie er einmal vergeblich versuchte, mit Pegida-Anhängern in Dresden zu diskutieren: „Ich habe noch nie so böse Menschen erlebt“. Seine Fassungslosigkeit ist noch jetzt zu spüren. Was die AfD angeht: Im Wahlkreis sei sie unsichtbar, auf Bundesebene müsse man sich natürlich „mit denen beschäftigen“, sagt er. Auf die Kandidatur von Hans-Georg Maaßen für die Bundestagswahl angesprochen macht Grübel keinen Hehl daraus, dass er selbst anders entschieden hätte als seine Parteifreunde in Thüringen.

Kein zweites 1990

Es bringe halt nichts, an den politischen Rändern zu fischen, erklärt ihm ein Schüler und hält einen kleinen Vortrag über den Respekt vor Ost-Biografien und die Fehler von 16 Jahren CDU-Regierung in dieser Hinsicht. Trotzdem findet Grübel richtig, dass eine Volkspartei eine gewisse Breite abdecke, und gibt sich offen gegenüber anderen. Die FDP habe er als junger Mensch attraktiv gefunden, sie sei ihm aber „zu kirchen- und christenfeindlich“ gewesen. Die SPD sei für ihn „akzeptabel“, seit sie in die Mitte gerückt sei. Und mit den Grünen in Berlin streite er sich gerne, zumal eine seiner Schwestern Grüne sei: „Das ist dann wie daheim“. Wobei er mit Winfried Kretschmann kaum etwas zu streiten habe.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Gymnasium, Gymnasium und Gymnasium

Natürlich geht es auch um die Klimaziele, die aus Sicht einer Schülerin nicht ehrgeizig genug sind: „Meinen Sie, dass die CDU das ein bisschen verschlafen hat?“ Grübel sieht das anders, die Ziele seien schon sehr ehrgeizig, man müsse die Leute aber mitnehmen. Gerade im Osten, wo ein Großteil der Kohleförderung stattfinde, dürften die Menschen „nicht ein zweites 1990 erleben“.

„Voll interessant“

Die Jugendlichen sprechen verschiedenste Themen an: Wie sich die Bundespolitik auf lokaler Ebene auswirkt, wie Grübel den Umgang mit Hasskommentaren in Sozialen Netzwerken sieht, was in Sachen Digitalisierung oder für die Energiewende zu tun ist. Ebenso geht’s um Europa – der Abgeordnete plädiert für Gespräche und gegen Eskalation in den Streitfragen. Eine europäische Armee ist für Markus Grübel „die Zukunft“, der Weg dorthin sei aber steinig. Der Abgeordnete erzählt von der deutsch-französischen Brigade in Müllheim, die aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Grundlagen in Frankreich und Deutschland kaum einen gemeinsamen Einsatz hinbringe.

Am Ende hat nahezu die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine Frage gestellt. „Voll interessant“ sei das gewesen, so Auge in Auge mit einem Bundestagsabgeordneten auch nachhaken zu können, sagt Fiona Tepshi. Grübel mit seiner langen Erfahrung wisse, „wie sich das Handeln von Menschen auswirkt“, meint Freya Hägele. Das sei schon anders, „wie wenn ein Lehrer vorne steht“.

Zwei Fragen an Markus Grübel

Digitalisierung
Herr Grübel, wie stehen Sie zur Digitalisierung in Schulen? „Wir haben sehr viel Geld zur Verfügung gestellt. Ich glaube nicht, dass wir mit noch mehr Geld mehr erreichen. Es zeigt sich, dass vor Ort oft die Fachleute fehlen.“

Soziale Medien
Und wie stehen Sie zu Hasskommentaren in Sozialen Medien?„Es ist aus meiner Sicht ein Grundübel, dass die wirtschaftliche Basis in den Netzen ist, Aufmerksamkeit zu erregen und möglichst viele Leute zu bewegen, dahin zu klicken. Die Betreiber von Plattformen müssen mehr Verantwortung übernehmen. Die Logarithmen müssen dahingehend geändert werden, dass die radikalste, schrillste Botschaft nicht die ist, die immer zuerst erscheint.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Plochingen Bundestagsabgeordneter