Die CDU fordert ein Umdenken im Gemeinderat: Nicht nur die neue Rosensteinbrücke, auch die künftige Wilhelmsbrücke muss für den Kfz-Verkehr in beiden Richtungen befahrbar sein.

Die Zahl der maroden Brücken in Stuttgart ist aus Sicht der CDU-Gemeinderatsfraktion fast schon beängstigend. Die Löwentorbrücke in Stuttgart-Nord zwischen dem Pragsattel und der City sowie die Rosensteinbrücke, die seit gut einem Jahr für den Verkehr gesperrt ist, müssen durch Neubauten ersetzt werden. Seit Ende März steht zudem fest, dass der benachbarten Wilhelmsbrücke das gleiche Schicksal droht. Untersuchungen des Tiefbauamts im Februar hatten gezeigt, dass das Bauwerk nicht mehr zu retten ist.

 

Auch die Aubrücke muss ersetzt werden

Abgerundet wird das laut Bauwirtschaft Baden-Württemberg „Stuttgarter Brückendesaster“ durch den Umstand, dass mit den Otto-Hirsch-Brücken in Obertürkheim/Hedelfingen sowie der König-Karls- und der Reinhold-Maier-Brücke in Bad Cannstatt drei weitere Neckarquerung auf der Sanierungsagenda der Brückenexperten als „dringlich“ eingestuft werden.

Die Aubrücke in Münster, so die Bewertung durch das Tiefbauamt, soll langfristig (in 10 bis 15 Jahren) ebenfalls durch einen Neubau ersetzt werden. Für die Christdemokraten im Stuttgarter Rathaus steht fest, das angesichts dieses Szenarios für die nächsten Jahre „neuerliche Beeinträchtigungen für den Verkehr“ in diesem Bereich drohen.

Bad Cannstatter Dauerproblem

„Für die Stadtbezirke am Neckar entwickeln sich die Nachrichten über baufällige Brückenbauten zum Dauerproblem“, sagt die Cannstatter CDU-Stadträtin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beate Bulle-Schmid. Zumal die Beschlussfassungen der ökosozialen Mehrheit im Gemeinderat – wie zum Beispiel der Bau einer neuen Rosensteinbrücke ohne die vollständige Berücksichtigung des Autoverkehrs in beide Richtungen – ihr Übriges tue, um den Verkehr künftig nahezu lahmzulegen.

Auch Autos müssen Brücken passieren können

„Auch wenn sich der Autoverkehr in der Zukunft um 20 Prozent reduzieren sollte, sind wir der Ansicht, dass wir weiterhin auf diese wichtigen Bauten angewiesen sind, um einen flüssigen Verkehr aufrechtzuerhalten“, betont Bulle-Schmid.

Brücken dienten als notwendige und einzige Verbindung über den Neckar, weshalb es der CDU wichtig sei, dass die Neuplanung der Wilhelmsbrücke so ausgelegt sein müsse, dass auch der Kraftfahrzeugverkehr die Brücke wieder passieren könne.

Klage seitens des Einzelhandels

„Es darf zudem nicht vergessen werden, dass die Brückenschließungen auch volkswirtschaftliche Auswirkungen haben“, so die CDU-Stadträtin. Zum einen für Bürgerinnen und Bürger, die einen längeren Fahrweg in Kauf nehmen müssen und durch längere Strecken die Umwelt unnötig belasten. Zum anderen für Unternehmen und Handel, denen die vielen Umwege enorme Mehrkosten verursachen. „Die CDU ist deshalb der Meinung, dass die neue Rosenstein- und die neue Wilhelmsbrücke so gebaut werden müssen, dass der Individualverkehr wieder in beide Richtungen zwischen der Altstadt und der Neckarvorstadt fahren kann“, so Beate Bulle-Schmid.

Sperrung auf Probe

Zur Erinnerung: Im Jahr 2018 hatte der Gemeinderat beschlossen, nach der Eröffnung des Rosensteintunnels die Wilhelmsbrücke im Rahmen eines Verkehrsversuchs für Autos zu sperren. Zwar ergab der Verkehrsversuch angesichts der Schließung der maroden Rosensteinbrücke keinen Sinn mehr und wurde abgebrochen, die Wilhelmsbrücke blieb jedoch weiter für Autos tabu. Der Grund: Die Brücke hätte laut den städtischen Experten die drohende Verkehrsmenge niemals „verarbeiten“ können.