Marode Neckarbrücken in Stuttgart Ende einer Ära - Über 70 Jahre alte Rosensteinbrücke wird abgerissen

Die mehr als 70 Jahre alte Rosensteinbrücke wird im Lauf der kommenden Monaten abgerissen und deshalb komplett gesperrt. Foto: Uli Nagel

Ab Montag, 15. Januar, ist die Neckarquerung komplett gesperrt. Radler und Fußgänger haben dann zwei Alternativen: Statt der Rosensteinbrücke können sie die Wilhelmsbrücke oder den Steg an der neuen Stuttgart-21-Bahnbrücke nutzen.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Seit 20 Monaten ist die Rosensteinbrücke für Stadtbahnen, Autos und Lastwagen voll gesperrt. Am 12. Mai 2022 musste die Stadt Stuttgart eine der wichtigsten Neckarquerungen dichtmachen, da Untersuchungen ergeben hatten, dass die Stahlbetonkonstruktion marode und nicht mehr zu sanieren war. Lediglich Passanten und Radfahrer durften das mehr als 70 Jahre alte Bauwerk noch nutzen.

 

Doch auch die müssen künftig einen anderen Weg wählen, wenn sie über den Fluss wollen, denn die Abbruch- und Rückbauarbeiten an der Rosensteinbrücke beginnen am kommenden Montag, 15. Januar. Für Radler und Fußgänger gibt es dann zwei Alternativen: die nahe gelegene Wilhelmsbrücke sowie den untergehängten Steg an der neuen Stuttgart-21-Bahnbrücke.

Gleise wurden bereits entfernt

Bereits in den vergangenen Monaten hatte das Tiefbauamt mit den ersten Vorbereitungen für den Rückbau der Rosensteinbrücke begonnen. Jede Menge Kabel wurden verlegt und die Stadtbahngleise herausgenommen. Die Hauptarbeiten sollen dann nach detaillierter Absprache mit den Wasserschifffahrtsbehörden innerhalb von zwei bis drei Wochen in diesem Sommer erledigt werden. „Der genaue Termin steht noch nicht fest“, sagt der Projektleiter Bastian Limberg vom Tiefbauamt. Da es sich beim Neckar um eine Bundeswasserstraße handelt, kann die Stadt nicht einfach loslegen.

Das betrifft auch den Abriss, bei dem es sich in Wahrheit um einen Rückbau handelt, der genau geplant werden muss. Wegen ihrer Größe und ihres Gewichts kann die Brücke nicht in zwei oder drei Teile zerlegt und dann mit einem Kran entfernt werden. In den kommenden Monaten müssen deshalb zunächst die Bereiche, in denen die Gleise und Fußgängerwege verliefen, Stück für Stück entfernt werden. Erst ganz am Ende des Projekts soll dann schweres Gerät den Rest des Bauwerks entfernen.

Interimsbrücke an gleicher Stelle

Sobald der Rückbau abgeschlossen ist, startet das Projekt „Behelfsbrücke“. Sie soll an gleicher Stelle errichtet werden – allerdings wird sie nur für Radfahrer und Passanten benutzbar sein. Vor allem das bürgerliche Lager des Gemeinderats hatte hier die Hoffnung, dass eine autogerechte Interimsbrücke errichtet werden könnte.

Laut dem Tiefbauamt ist das jedoch nicht möglich, da es auf der Seite der Neckartalstraße nicht genügend Fläche für eine entsprechend große Zu- und Abfahrtsrampe gibt. Während das Behelfsbauwerk rund 2,12 Millionen Euro kosten wird, schlägt der Abbruch der Rosensteinbrücke mit insgesamt 9,5 Millionen Euro zu Buche.

Ganz so teuer wird der Abriss der Wilhelmsbrücke nicht. Da auch die wichtige Wegebeziehung zwischen Neckarvorstadt und Altstadt marode ist, muss sie ebenfalls durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt werden. Das Tiefbauamt rechnet hier mit einer Bauzeit von 2026 bis 2028. Sobald die neue Wilhelmsbrücke fertig ist, wird die Interimsbrücke entfernt. Erst dann kann mit dem Bau der neuen Rosensteinbrücke begonnen werden.

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