Marstallcenter in Ludwigsburg ECE pumpt 90 Millionen ins Marstallcenter

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Das Hamburger Unternehmen hat offiziell die Revitalisierung des Einkaufszentrums in der Ludwigsburger City übernommen. Nach dem Umbau werde man das Gebäude nicht wiedererkennen, heißt es.

Heller, freundlicher, offener: so stellen sich die Architekten die Zukunft des Marstallcenters in der Ludwigsburger Innenstadt vor. Foto: ECE 8 Bilder
Heller, freundlicher, offener: so stellen sich die Architekten die Zukunft des Marstallcenters in der Ludwigsburger Innenstadt vor. Foto: ECE

Ludwigsburg - Aus den Gerüchten und Spekulationen ist Gewissheit geworden. Die Stadt Ludwigsburg und die ECE haben am Dienstag bekannt gegeben, dass das Hamburger Unternehmen die Wiederbelebung des Marstallcenters übernehmen wird. Seit 2011 verhandelt das Rathaus mit den renommierten Projektentwicklern über die Rettung des maroden Einkaufszentrums in der Unteren Stadt, vor wenigen Tagen wurden die Verträge unterschrieben. Die ECE will im Frühjahr 2014 mit dem Umbau beginnen und das Center bereits im Herbst 2015 wieder eröffnen. Man werde das Gebäude im Innern „nicht mehr wiedererkennen“, sagt Nikolaus Thätner, der bei der ECE für das Projekt verantwortlich ist. Auch die vier Fassaden rund um die Ladenzeilen werden erneuert.

Die ECE rechnet mit einer Investition von 90 Millionen Euro. Mindestens 40 Millionen Euro fließen direkt in das Gebäude, der Restbetrag ergibt sich im Wesentlichen aus dem Kaufpreis. Das Unternehmen übernimmt, wie schon bei zahlreichen anderen Projekten in Deutschland, die Planung des Umbaus und den Betrieb des dann runderneuerten Centers, sucht sich aber einen Investor und Bauherren. Für die Entwürfe wurde das Kölner Architekturbüro Kaspar Kraemer engagiert.

Die ECE sucht Ankermieter für das fast leer stehende Gebäude

Fest steht, dass die 23 000 Quadratmeter große Verkaufsfläche neu zugeschnitten und in 60 Ladeneinheiten aufgeteilt wird. An der Südseite entsteht eine Restaurantzone inklusive mehrerer Cafés, die, so Thätner, „mit dem Raum vor dem Center verknüpft werden sollen“. Das heißt: bei gutem Wetter können die Gäste im Freien sitzen. Insgesamt gehe es auch darum, das gesamte Gebäude stärker mit seiner Umgebung zu verknüpfen.

Die ECE übernimmt überdies die Tiefgarage und lässt sie modernisieren, das Unternehmen feilt derzeit in Abstimmung mit der Stadtverwaltung an einem Konzept für die Zufahrten. Noch unklar ist, mit welchen Geschäften das fast leer stehende Center belebt werden soll. Es seien noch keine Verträge mit neuen Ankermietern unterschrieben, sagt Thätner, nennt aber eine Liste von potenziellen Interessenten, darunter einen Lebensmittelmarkt, Bekleidungsgeschäfte, einen Anbieter von Sportartikeln und einen Spielwarenladen. Als sicher gilt, dass der Elektronikmarkt Saturn vom Bahnhof in das Center umziehen will, auch die Drogeriemarktkette DM hat Interesse bekundet. „Wir haben es immer geschafft, jedes unserer Einkaufszentren zu 100 Prozent zu vermieten“, sagt der ECE-Sprecher Christian Stamerjohanns.

Die Stadtverwaltung hat den Neustart mit angestoßen

Das Unternehmen kalkuliert mit 10 000 bis 15 000 Kunden pro Tag. Das neue Marstallcenter werde für „Einkäufe mit schmalerem Geldbeutel“ konzipiert und sich damit vom höherpreisigen Breuningerland auf der grünen Wiese abgrenzen, sagt Thätner. Man sehe für dieses preiswertere Segment „eine klare Marktlücke“.

Die Stadt selbst hat einen nicht geringen Anteil an dem Neustart. Die klobige Immobilie aus den 1970er Jahren gilt als Bausünde, die Tiefgarage ist unübersichtlich, das Umfeld, die Untere Stadt, wurde im Sog des Marstallcenters immer unattraktiver. Doch obwohl immer mehr Geschäfte aus dem Gebäude auszogen, konnten sich die Eigentümer, darunter drei Fonds aus dem Ausland, nie auf ein Revitalisierungs-Konzept einigen. Woraufhin die Stadt eine Tochtergesellschaft gründete, die sukzessive alle Flächen in dem Einkaufszentrum aufkaufte. Für ein derartiges Verfahren habe es kein Vorbild gegeben, sagt der Oberbürgermeister Werner Spec. Aber man könne stolz auf das Ergebnis sein.

Die ECE wird nun im Sommer die gesamte Gesellschaft und damit faktisch alle Ladenflächen übernehmen. Laut Spec macht Ludwigsburg mit dem Weiterverkauf rund 2,6 Millionen Euro Gewinn, das Geld soll komplett für die Aufwertung der Unteren Stadt verwendet werden. Zudem rechnet das Rathaus mit mindestens zweieinhalb Millionen Euro an Landeszuschüssen für das Sanierungsgebiet in der Umgebung des Centers. Die Erneuerung der Straßen, Fußgängerzone und Plätze soll parallel zu den Bauarbeiten am Marstall verwirklicht werden. Noch nicht entschieden ist, ob im Verlauf des Umbaus die Fassaden des Wohnturms über den zweieinhalb Ladenetagen modernisiert werden. Die Stadt will demnächst Gespräche mit den Eigentümern der 200 Wohnungen führen.


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