Marteria in der Schleyer-Halle Stuttgart war aller Dinge Anfang

Von Thomas Morawitzky 

Mit der Landeshauptstadt verbindet Marteria manches. Am Mittwoch hat der Rap-Star aus Rostock in der Schleyer-Halle mit 10 000 Fans eine große Party gefeiert.

Marteria lässt die Ohren rauchen. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs 11 Bilder
Marteria lässt die Ohren rauchen. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs

Stuttgart - Sehr spät am Mittwochabend spricht Marteria schließlich zu seinen Stuttgarter Fans. Er erinnert sich an seine Anfänge, erinnert sich daran, wie er vor vielen Jahren in dieser Stadt spielte, und wie er in einem Club, den es längst nicht mehr gibt, im Zapata, seine ersten großen Konzerte gab. Nun ist er angekommen, in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Der Rap-Star aus Rostock feiert dort am Mittwoch mehr als zwei Stunden lang mit 10 000 Fans eine große Party, klopft markige Reime in allen Stillagen, brennt eine rasante Show ab, wechselt die Rollen, lässt die Ohren rauchen.

Am Anfang ist ein Brummton und der Vorhang, auf dem der Rappername wild und rot geschrieben steht. Der Vorhang fällt, die Show beginnt, Marteria gibt Gas. Vom ersten Augenblick an ist es da, das „Ich will alle Hände sehen!“ Alle Hände bekommt er zu sehen, gleich, die Fans ziehen mit, und Marteria verausgabt sich ganz. Er tritt auf mit Liveband – Schlagzeug, E-Bass, Keyboards, DJ, späterhin Gitarre, drei silbern sexy Backgroundsängerinnen, die starke Solos bekommen. Alles ist ein bisschen Science Fiction und die Musik sehr druckvoll abgemischt; breite Keyboardflächen, schwere Bässe und immer wieder Klänge wie aus einen futuristischen Trickfilm. Da bebt die Schleyer-Halle, tobt das Publikum. Und Marteria ist keiner, der Distanz hält: früh schon schüttelt er auf der kleinen Vorbühne seinen Fans die Hand.

Die für Hiphop ungewohnte Besetzung sorgt für einen ungewohnten Sound, der alle Stile ein wenig streift: Disco blitzt auf, zwischen den Beats, Rock und Soul. Hämmern im einen Augenblick noch Technorhythmen hart herab, legt Marteria im nächsten schon den Schalter um, geht auf „Tauchstation“ und rappt zum lockeren Reggaesound. Es kommen nahezu alle Stücke des jüngsten Albums „Roswell“ und etliche Hits aus den Alben, die der Rapper aus Rostock seit 2010 veröffentlichte. „Das Geld muss weg“ steht kurz vor der Zugabe auf dem Programm und ist längst der aktuelle Publikums-Liebling; „Marteria Girl“ spielt ein wenig mit Madonna; die kollektive Antwort auf „Alles verboten“ heißt natürlich „trotzdem gemacht.“

Ein Maserati explodiert

Und Marteria, der eigentlich Marten Laciny heißt, spart nicht mit Showeffekten. Er bringt seine Musik auf die große Bühne, mit so viel Licht, wie man es in der Schleyer-Halle lange nicht mehr gesehen hat: Scheinwerferbatterien fächern ihre Strahlen im Dutzend in die Halle hinaus, Wände aus tiefleuchtenden Farben richten sich auf. Eine Leinwand zeigt Filmfetzen, eine schnelle Bildercollage aus Computerspiel, Alltag, Fernsehen, Fiktion und Katastrophe. „Ein Maserati explodiert“ rappt Marteria in seinem Weltflucht-Hit „Beam mich hoch, Scotty“ – ein Maserati explodiert. Bilder der New Yorker Skyline; Marteria läuft über die Bühne, schwenkt ein bengalisches Feuer, Pyroeffekte flammen auf.

Bevor die große Show so endet, bevor die 10 000 mit Marteria in einer Halle voller Lichter die Songs „Lila Wolken“ und „Welt der Wunder“ feiern, muss der Rapper noch in grün erscheinen. Als Kunstfigur Marsimoto singt er mit Alienmaske und hoher, quietschender Stimme fünf Songs in giftfarbenen Nebeln, schimpft auf Nazis, holt sich einen Döner und macht seine Fans glücklich.