InterviewMartin Braun von den Stuttgarter Kickers „Rückschläge haben wir immer gut weggesteckt“

Von Jürgen Frey 

Eins, zwei oder drei? Für die Stuttgarter Kickers ist vor dem letzten Heimspiel dieser Fußball-Oberliga-Saison gegen den SV Spielberg noch jede dieser Platzierungen möglich. Der Sportliche Leiter Martin Braun äußert sich zur aktuellen Lage im Aufstiegsrennen.

Der Sportliche Leiter Martin Braun (li.), Trainer Tobias Flitsch: Volle Konzentration in der entscheidenden Phase um den Aufstieg. Foto: Baumann
Der Sportliche Leiter Martin Braun (li.), Trainer Tobias Flitsch: Volle Konzentration in der entscheidenden Phase um den Aufstieg. Foto: Baumann

Stuttgart - Die Stuttgarter Kickers dürfen sich im Kampf um den Aufstieg keinen Ausrutscher mehr erlauben. Vor dem letzten Oberliga-Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr) gegen Tabellen-Schlusslicht SV Spielberg hofft der Sportliche Leiter Martin Braun auf eine konzentrierte Leistung der Mannschaft, die Rückkehr von Kapitän Tobias Feisthammel und ein bisschen auch auf einen Patzer der Konkurrenz.

Herr Braun, vor dem letzten Saison-Heimspiel ist es eigentlich Zeit, Bilanz zu ziehen.

Sie sagen es, eigentlich... In unserem Fall lässt sich noch nicht Bilanz ziehen. Wir können nur feststellen, dass es bisher gute Phasen gab in dieser Saison, aber auch welche, mit denen wir nicht zufrieden sind.

Wie zuletzt. Da gab es nur einen Sieg aus fünf Spielen. Eine Schwächephase zur Unzeit.

Diese Ausbeute ist nicht gut, keine Frage. Ob sie zur Unzeit kommt? Es gibt nie gute Zeit für solche Phasen. Wenn wir die nächsten Spiele gewinnen und unser großes Ziel Aufstieg doch erreichen, kam die von Ihnen angesprochene Schwächephase nicht zur Unzeit.

Es wäre kein Wunder, wenn die Mannschaft nach zuletzt acht Gegentoren in zwei Spielen mental am Boden wäre. Gibt es von Ihrer Seite oder vom Verein aus irgendwelche Impulse ans Team?

Im Endeffekt ergeben zusätzliche Impulse wenig Sinn. Die Impulse sind ohnehin schon groß: Alle sind enorm motiviert. Jeder will unbedingt aufsteigen. Vielleicht wollen manche sogar zu viel und sind deshalb ungeduldig.

Es gibt also keine außergewöhnlichen Maßnahmen in dieser Woche?

Ich habe am Dienstag vor dem Training zur Mannschaft gesprochen und gesagt, dass wir mit guter und konzentrierter Arbeit und Konzentration auf die Aufgabe, weiter alle Chancen haben.

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Woran haben Sie angeknüpft?

Ich habe gesagt, dass wir uns in der gleichen Situation befinden wie in der Winterpause. Auch da lagen wir einen Punkt hinter dem Tabellenführer. Wir können die Dinge auch diesmal wieder richten.

Aber der Direktaufstieg lässt sich aus eigener Kraft nicht mehr realisieren.

Wir müssen unsere Arbeit verrichten, schauen, dass wir unsere Leistung abrufen – und dann können wir schauen, ob die Konkurrenz stabil bleibt.

Am Samstag spielt der FC Nöttingen, für den es nicht mehr um allzu viel geht, bei Spitzenreiter Bahlinger SC. Gibt’s da mal einen Anruf in Nöttingen und eine mögliche Motivationsspritze?

Ich glaube auch ohne Motivationsspritzen haben die Nöttinger große Lust, beim Tabellenführer zu bestehen. So schätze ich das Team von Trainer Michael Wittwer ein. Genauso glaube ich, dass der heimstarke SV Oberachern am 18. Mai im Spiel gegen Bahlingen alles reinwerfen wird. Und der 1. Göppinger Sportverein am letzten Spieltag garantiert auch.

Die Gegner der Kickers werden genauso motiviert sein.

Ganz bestimmt. Aber das sind wir seit dem ersten Spieltag gewohnt. Und auch Rückschläge haben wir im bisherigen Saisonverlauf immer gut weggesteckt.

An welche Spiele denken Sie?

In der Vorrunde haben wir aus den ersten vier Spielen nur vier Punkte geholt, zudem dann zweimal hintereinander gegen den SGV Freiberg und den FV Ravensburg verloren – und beides mal eine gute Reaktion gezeigt. Genauso nach dem letzten schwachen Vorbereitungsspiel am Ende der Winterpause gegen den FC Nöttingen. Wir kennen also diese Situationen, wenn nicht gepunktet wurde.

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Wie groß ist die Hoffnung, dass Kapitän Tobias Feisthammel wieder spielen kann?

Die Hoffnung ist da, dass es reicht.

Wie sieht es bei den anderen Verletzten aus?

Bei Pedro Astray, der ja einen Bänderriss erlitten hat, kommt bei Belastung Flüssigkeit in die Struktur. Es wird wohl erst für das Spiel beim SSV Reutlingen wieder etwas mit einem Einsatz. Bei Patrick Auracher bin ich guter Dinge, dass er am 30. Mai beim FSV 08 Bissingen wieder aufläuft.

Wie wichtig wäre Feisthammels Rückkehr gegen Spielberg?

Jeder einzelne dieser drei Spieler ist enorm wichtig für uns. Nicht nur wegen ihrer fußballerischen Qualitäten, sondern wegen ihrer Erfahrung. Sie geben damit ihren Mitspielern Sicherheit.

Die fehlt Mijo Tunjic derzeit bei den Elfmetern.

Mijo ist ein Mensch, der viel nachdenkt, selbstkritisch ist. Die beiden Fehlschüsse sind ärgerlich, doch das ist Spielern auf Champions-League-Niveau auch schon passiert. Mijo hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Er wird das wegstecken.

Von Winter-Neuzugang Ilias Soultani kommt in anbetracht seiner Qualitäten verhältnismäßig wenig – oder sehen Sie das anders?

Wenn er spielt, hat er durchaus auch ordentliche Szenen, seine Quote könnte natürlich besser sein. Man darf aber nicht vergessen, dass er seit mehreren Wochen nicht mit der Mannschaft trainiert. Da können keine Automatismen greifen.

Haben Sie bei seiner Verpflichtung gewusst, dass er aufgrund seiner Polizei-Ausbildung gar nicht trainieren kann?

Wir hatten schon gehofft, dass er ein- bis zweimal pro Woche mit der Mannschaft trainieren kann.

Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie gegen Spielberg?

Die Unterstützung unserer Fans ist grandios. Ich hoffe auch diesmal auf über 3000 Zuschauer.

Was wünschen Sie sich fürs letzte Heimspiel?

Eine konzentrierte Leistung und einen Sieg. Damit wir den Rückenwind in die letzten beiden Spiele mitnehmen können.

Restprogramm der Aufstiegsaspiranten

Bahlinger SC (Platz eins, 62 Punkte, plus 39 Tore)

BSC – FC Nöttingen (11. Mai, 15.30 Uhr)

SV Oberachern – BSC (18. Mai , 15.30 Uhr)

BSC – 1. Göppinger Sportverein (30. Mai, 15 Uhr).

Stuttgarter Kickers (Platz zwei, 61 Punkte, plus 31 Tore)

Kickers – SV Spielberg (Samstag, 11. Mai, 14 Uhr)

SSV Reutlingen – Kickers (Samstag, 18. Mai, 15.30 Uhr)

FSV 08 Bissingen – Kickers (Donnerstag/Christi Himmelfahrt, 30. Mai, 15 Uhr).

FSV 08 Bissingen (Platz drei, 57 Punkte, plus 20 Tore)

Normannia Gmünd – FSV 08 (11. Mai, 14 Uhr)

FSV 08 – Neckarsulmer Sport-Union (18. Mai, 15.30 Uhr)

FSV 08 – Stuttgarter Kickers (30. Mai ,15 Uhr)

Termine für die Aufstiegsspiele zur Regionalliga Südwest

Erstes Spiel am Donnerstag, 30. Mai 2019, 14 Uhr

Vizemeister Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar – Vizemeister Hessenliga

Bei Unentschieden oder Sieg des hessischen Vertreters im ersten Spiel geht es so weiter:

Zweites Spiel am Sonntag, 2. Juni 2019, 14 Uhr

Vizemeister Oberliga Baden-Württemberg – Vizemeister Rheinland-Pfalz/Saar

Drittes Spiel am Mittwoch, 5. Juni 2019, 19 Uhr

Vizemeister Hessenliga – Vizemeister Oberliga Baden-Württemberg

Bei Niederlage des hessischen Vertreters im ersten Spiel geht es so weiter:

Zweites Spiel am Sonntag, 2. Juni 2019, 14 Uhr

Vizemeister Hessenliga – Vizemeister Oberliga Baden-Württemberg

Drittes Spiel am Mittwoch, 5. Juni 2019, 19 Uhr

Vizemeister Baden-Württemberg – Vizemeister Rheinland-Pfalz/Saar