Martin Herrenknecht wird 80 Jahre alt Der Herr der Tunnelbohrer

Herrenknechts Tunnelvortriebsmaschinen sind weltweit im Einsatz. Foto: dpa/Herrenknecht AG

Impulsiver Unternehmer und Windkraftgegner: Martin Herrenknecht hat spektakuläre Projekte mit seiner Firma umgesetzt – und als politischer Mensch nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Baden-Württemberg: Heinz Siebold (sie)

Der Senior kann zufrieden sein: Sein Haus hat er bestellt, die Firma ist im Besitz einer Familienstiftung, und der Stammhalter verdient sich gerade seine Sporen in einem anspruchsvollen Geschäftsbereich. Martin Herrenknecht, Gründer und Chef der in Schwanau im Ortenaukreis ansässigen Herrenknecht AG feiert am Freitag seinen 80. Geburtstag. Am 24. Juni 1942 kam der Sohn eines Polsterers in Lahr zur Welt. Den Handwerksbetrieb in Schwanau übernahm der ältere Bruder, der jüngere, Martin Herrenknecht, wurde Ingenieur. In der Schweiz kam er mit dem Tunnelbau in Berührung und lernte aus den Problemen der damals weltweit größten Bohrmaschine „Big John“, was man am Vortriebsschild verbessern kann.

 

Aus dem 1975 gegründeten Ingenieurbüro wurde 1977 die Herrenknecht AG. Der aktuelle Jahresumsatz des Unternehmens mit weltweit mehr als 5000 Beschäftigten, liegt bei 1,1 Milliarden Euro. Lukrative und spektakuläre Aufträge hat die Firma auf allen Kontinenten abgewickelt, bei Alpendurchbrüchen und Flussunterquerungen. Große Projekte gab es in Russland, China und der Türkei, in Ländern, in denen Baugenehmigungen Chefsache und Bürgerbeteiligung und -initiativen unbekannt sind. „Für seinen großen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Zusammenarbeit“ wurde Martin Herrenknecht 2018 per Erlass von Wladimir Putin mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. Von der russischen Invasion in der Ukraine im Februar hat sich Herrenknecht klar distanziert.

Zimperlichkeit ist nicht Herrenknechts Sache

Tunnelvortriebsmaschinen für Schienen- und Straßenverkehr, Bohrmaschinen für Bergwerksschächte und Geothermie – Herrenknecht hat ein vielseitiges Portfolio. Solch ein Werk in 45 Jahren auf die Beine zu stellen, ist eine gewaltige Lebensleistung für ein Start-up, das mit einem 20 000 D-Mark-Darlehen der Mutter ins Laufen kam. Wer das schafft, hat viele persönliche Facetten. „Mein Vater ist sehr impulsiv“, sagte sein Sohn Martin-Devid (35) vor zwei Jahren gegenüber der „Wirtschaftswoche“. „Direktiven verteilen kann er sehr gut“. Es gibt weitaus krassere Urteile, denn Herrenknecht ist nicht zimperlich und schnauzt schon mal die Heimatgemeinde an, weil sie einen Abwasserkanal mit der Maschine eines Wettbewerbers bohren lässt. Andererseits gibt der harte Hund auch den Sentimentalen, finanziert die Pfarrerstelle und die nächtliche Beleuchtung der Kirche in Allmannsweier, damit er vom Flieger aus sehen kann, wo er daheim ist. Den Lahrer Flugplatz betreibt er nebenbei auch noch.

Der Ingenieur ist auch Politiker, und der Feind war lange grün. Den damaligen Landwirtschaftsminister Alexander Bonde hat er abgemeiert, als der um eine Spende für die grüne Partei bat. Vor der Landtagswahl 2011 sagte er in einer Betriebsversammlung, wer die Grünen wähle, den werfe er raus. Und mehrfach hat er gedroht, er werde mit seiner Firma ins Ausland oder wenigstens nach Bayern abwandern, wenn die CDU abgewählt und Stuttgart 21 nicht gebaut werde. Seine CDU-Mitgliedschaft hat er für ein Jahr ausgesetzt, weil ihm der Kurs von Kanzlerin Angela Merkel missfiel.

Aversion gegen Windräder

Der bodenständige Herrenknecht ist im Land geblieben, hat seine Verbindung mit der CDU wieder enger geknüpft und auch rasch den grünen Ministerpräsidenten auf seinem eindrucksvollen Werkhof in Schwanau zur Besichtigung mit anschließendem Abendessen im Schuttertal empfangen. Was aber nicht heißt, dass er seine Aversion gegen Windräder abgelegt hätte. Im Gegenteil, mit halbseitigen Zeitungsanzeigen und halbseidenen Zahlen wetterte er stur gegen die „Verspargelung“ des Schwarzwaldes und trat unlängst als Redner der südbadischen Windkraft-Blockierer am Schluchsee auf.

Seinen Achtzigsten wird Herrenknecht in der Baden-Arena in Offenburg feiern. Mit der Belegschaft, Gästen aus 32 Ländern und Moderatorin Barbara Schöneberger. Roland Kaiser wird singen, und die Ehrlich Brothers sorgen für zauberhafte Stimmung. Ein Überraschungsgast internationalen Formats wird noch geheim gehalten. Die Presse ist nicht eingeladen und nur spärlich informiert. Interessant wird sein, wer sonst noch draußen bleibt. Denn das Netzwerk, dem Herrenknecht viel verdankt, hat Löcher bekommen. Von Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), vor zehn Jahren noch Festredner und bis vor Kurzem stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Firma, hat sich Herrenknecht im März getrennt. „Unter Tränen“ hieß es danach. Auf Schröders Platz schob sich Ex-EU-Kommissar Günter Oettinger (CDU). Bundesminister und der Ministerpräsident des Landes seien nicht angesagt, war zu erfahren.

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