In der Krabbelgruppe lernten sich Christine Heix und Martina Wörner Mitte der 1990er Jahre kennen. Damals waren ihre eigenen Kinder noch klein, und sie waren voll eingespannt. Wie schwer es ist, als Familie eine Kinderbetreuung zu organisieren, haben die zwei selbst erlebt. „Da ging ohne Omas und Opas wenig“, erinnert sich die Krankenschwester Heix. Gemeinsam entwickelten die zwei Frauen eine Vision, die später in die Gründung des Familienzentrums „Nesthäkchen“ mündete.
Für ihr wegweisendes Engagement haben die beiden Frauen die Bürgermedaille der Gemeinde Neuhausen erhalten. „Wir sind die ersten Frauen, die diese hohe Auszeichnung der Gemeinde tragen“, sagt Martina Wörner. Wenn sie an die feierliche Verleihung denkt, strahlt die Sekretärin der Mozartschule über das ganze Gesicht. Vor allem aber sind sie und Christine Heix glücklich darüber, dass das „Nesthäkchen“ für Kinder von null bis drei Jahren nun in kommunaler Trägerschaft weitergeführt wird. „Es ist unser Baby“, sagt Martina Wörner. Vor 20 Jahren haben die beiden mit ihrem Verein Kinder- und Elternzentrum Entwicklungen vorweggenommen, die sich heute durchgesetzt haben. Der Verein wird aufgelöst, aber die Impulse der Frauen tragen Früchte.
Mit ihren guten, an der Praxis orientierten Ideen haben die engagierten Mütter viel bewegt. „Unsere Projekte wie Kleinkindbetreuung oder die Vermittlung von Babysittern haben heute überall Schule gemacht“, sagt Christine Heix. Mit dem Kinder- und Elternzentrum, kurz KEZ, wollten die Frauen „jungen Familien Hilfen und Anregungen bieten“. Ganz habe sich diese Vision in Neuhausen nicht umsetzen lassen, sagt Martina Wörner. Dennoch haben die Frauen die klassische Kinderbetreuung mit Vorträgen und Gesprächsrunden ergänzt. „Uns war es wichtig, dass sich die Eltern mit ihren Sorgen nicht alleingelassen fühlen“, blickt die 59-Jährige zurück. Mit den Jahren sei so ein Netzwerk entstanden.
Vision vom festen Eltern-Kind-Zentrum
„Wir hatten uns gewünscht, ein festes Eltern-Kind-Zentrum zu etablieren“, sagt Christine Heix. Schnell merkten die Frauen aber, dass es schon eine riesige Herausforderung ist, eine Einrichtung für die Betreuung von Kleinkindern im Ehrenamt zu etablieren. Anträge mussten gestellt werden, die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Sich in diese Themen einzuarbeiten, hat Wörner und Heix dennoch gefallen. Mit pädagogischen Fachkräften schafften sie es, eine Einrichtung für zehn Kinder von null bis drei Jahren aufzubauen. Die Räume im Ostertagshof waren zwar klein, aber für die familiäre Krippe bestens geeignet. Zwar habe es anfangs Skeptiker gegeben, die sich nicht sicher waren, wie das Miteinander der Senioren im Betreuten Wohnen und der Kleinen klappt. „Es ist ein so schönes Miteinander“, schwärmt Wörner. Wenn die Kleinen im Garten spielen, schauen die älteren Menschen gerne immer mal wieder vorbei. Beim Einrichten halfen die Kinder der beiden Initiatorinnen, die da schon älter waren. Die Familien trugen das ambitionierte Vorhaben der Frauen mit und unterstützten sie.
Dass sie mit diesem Vorstoß der Kleinkindbetreuung in der Fildergemeinde den Weg geebnet haben, freut die engagierten Frauen. „Anfangs mussten wir auch im Gemeinderat gegen Vorurteile kämpfen“, blickt Wörner zurück. Dass Männer wie Frauen nach einer begrenzten Elternzeit schnell wieder in den Beruf zurück wollen oder müssen, das sei bei vielen auf Unverständnis gestoßen. Mit ihrer kommunikativen Art haben die zwei Frauen auch Kritiker überzeugt.
Inzwischen hat ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden. Nicht nur wegen des Fachkräftemangels unterstützen auch viele Unternehmen Frauen, die möglichst bald wieder anfangen wollen. In Neuhausen stieg die Firma Balluff früh auf das innovative Betreuungsmodell ein. „Das Unternehmen hat Krippenplätze für die Mitarbeiter gebraucht“, erinnert sich Wörner. Das gab der neuen Einrichtung von Anfang an Planungssicherheit. Von Balluff habe man Unterstützung bekommen. Dass dieses Modell in Neuhausen so gut funktionierte, sprach sich herum. „Wir durften unser ‚Nesthäkchen’ bei Unternehmen und Verbänden in der Region vorstellen“, erinnert sich Christine Heix. Vor mehreren hundert Zuhörern ihr Konzept präsentieren zu dürfen, das sei für sie anfangs ungewohnt gewesen. „Aber wir sind schnell hineingewachsen.“
Auch auf anderen Ebenen haben die Frauen viel bewegt. Entwicklungen, die heute in der Ganztagsschule selbstverständlich sind, nahmen sie vorweg. Sie engagierten sich an den Schulen ihrer Kinder im Elternbeirat. Martina Wörner baute nicht nur die ehrenamtliche Hausaufgabenbetreuung auf. Sie hat sich auch dafür eingesetzt, dass es für die Schulkinder ein Mittagessen gab. „Viele kamen mit süßen Tüten in die Schule, wenn Mittagsunterricht war.“ Mit der Kinder- und Jugendhilfe machte sie es möglich, das die Jungen und Mädchen ein gesundes, warmes Mittagessen bekommen.