Marvel-Tag in Esslingen Warum Comics immer noch gelesen werden

Bildergeschichten, insbesondere über Superhelden, vereinen jung und alt. Foto: Roberto Bulgrin

Zum Marvel-Tag versammelten sich wieder Comic-Fans in der Sammlerecke in Esslingen. Doch worin liegt der Reiz der Geschichten über Marvel-Superhelden wie Spiderman, Hulk oder Iron Man?

Reporter: Robin Kern (rob)

Ein eng anliegender Anzug in den Farben Rot und Blau mit einem Spinnenemblem auf der Brust – eines der wohl bekanntesten Kostüme der Comicwelt. Auch in der Pliensauvorstadt in Esslingen trifft man auf den Superhelden Spiderman, der zwar keine Bösewichte in der Innenstadt jagt, dafür aber als Schaufensterfigur zu sehen ist. Zum vom Panini-Verlag ausgerufenen Marvel-Tag sind am Samstag Comic-Fans in die Sammlerecke in der Esslinger Daimlerstraße gekommen. Schon bei der Ankunft wird klar, welche Strahlkraft Superhelden auf die Fans haben. Denn viele Autos auf dem Parkplatz stammen laut der Kennzeichen nicht aus dem Landkreis Esslingen.

 

Comics, die Generationen verbinden

Zusammen mit seinem neunjährigen Sohn besuchte Jörg Hellmann aus Ludwigsburg den Comicladen. Der ursprünglich aus Esslingen stammende 41-Jährige nahm die Veranstaltung als Anlass, seine alte Heimat zu besuchen und seinem Sohn die Leidenschaft für Comics näherzubringen: „Ich versuche, am Wochenende immer einen Vater-Sohn-Tag einzurichten, da kam der Marvel-Tag genau richtig, und meine Frau hat so auch mal Ruhe vor uns.“ Comics sind auch im Alltag der beiden wichtig: Schon vor längerer Zeit haben die beiden das Abendritual eingeführt, Comic-Hefte durchzublättern und sich gegenseitig vorzulesen. Hauptsächlich die Geschichten von Spiderman, X-Men und der Superheldengruppe Avengers – alles Charaktere von Marvel.

So haben die beiden ein gemeinsames Hobby, und der 41-Jährige fühlt sich noch einmal in seine Jugendzeit zurückversetzt. Doch welcher Superheld wird in Esslingen gebraucht, um für Recht und Ordnung zu sorgen? Vater und Sohn müssen nicht lange überlegen: Spiderman. „Vor allem am Bahnhofsvorplatz wäre die Präsenz eines freundlichen Spinnenmannes aus der Nachbarschaft hilfreich, um Kriminelle abzuschrecken“, sagt der Familienvater.

Fans versammeln sich am Marvel-Tag

Neben Familien besuchten viele einzelne Sammler und Schnäppchenjäger den Comicbuchladen. Besonders der Flohmarkt mit einer großen Auswahl an Comics sowie die kostenlosen limitierten Hefte zum Mitnehmen, zogen zahlreiche Comic-Fans an. Darüber freute sich insbesondere Frieder Maier, der Inhaber der Sammlerecke: „Man merkt, dass die Leute nach der Pandemie total ausgehungert waren und wieder im Geschäft stöbern und sich mit anderen Comic-Fans austauschen wollten.“ So auch Rainer Nannt aus einer Stadt im Kreis Esslingen, der solche Veranstaltungen nutzt, um alte Bekannte aus der Comic-Szene zu treffen und mit ihnen beispielsweise über Neuerscheinungen zu fachsimpeln. „Mittlerweile weiß man schon gar nicht mehr, wie viele Ausgaben man eigentlich besitzt und wann man überhaupt die Zeit zum Lesen hat“, sagt Nannt.

Sammlerecke will die Verkaufsfläche vergrößern

Der 58-jährige Frieder Maier betreibt seit zwölf Jahren den Comicbuchladen und hat es nie bereut, sich selbstständig gemacht zu haben: „Der Job macht immer noch Spaß, vor allem die Gespräche mit den Kunden“, sagt Maier. „Wir führen hier einen der größten Antiquariatsbereiche für Comics in Europa.“ Mit das teuerste Exemplar ist übrigens die erste Auflage der Micky-Maus-Hefte, die je nach Zustand bis zu 30 000 Euro wert sein können. Auch zur Coronazeit sei der Online-Handel weiter gut gelaufen, und es habe zu keiner Zeit die Überlegung gegeben, das Angebot zur verkleinern. Im Gegenteil: Seit einem Jahr sind die Räumlichkeiten nebenan angemietet. „Bisher fungieren sie als Lager, aber in Zukunft sollen daraus auch Verkaufsräume werden“, sagt Maier. Bislang fehle dafür aber Personal. Für dieses Jahr seien in der Sammlerecke und auf dem Hof noch weitere Events geplant.

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