Marvin Pieringer vom 1. FC Heidenheim Durchstarter auf dem zweiten Bildungsweg

Marvin Pieringer ist nun für den 1. FC Heidenheim am Ball – hier im Freundschaftsspiel beim SV Mergelstetten, bald schon in der Bundesliga. Foto: imago//H. Langer

Marvin Pieringer spielte bis zur U 19 beim SSV Reutlingen. Mit 23 Jahren ist der Neuzugang des 1. FC Heidenheim nun in der Bundesliga angekommen. Wir beleuchten den Karriereweg des Spätzünders und beschreiben, was den Stürmer auszeichnet.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Ein Schwabe aus Metzingen, der künftig in der Fußball-Bundesliga spielt und in der Jugend nie beim VfB oder bei den Kickers in Stuttgart am Ball war – das kommt selten vor. Damit konfrontiert, sagt Marvin Pieringer mit einem Schmunzeln: „Offenbar scheint es aber auch so zu klappen.“

 

Der Neuzugang des 1. FC Heidenheim spielte von der D- bis zur A-Jugend beim SSV Reutlingen. Über die Stationen SC Freiburg II, Würzburger Kickers, Schalke 04 und SC Paderborn ist er nun erstmals auf der ganz großen Bühne angekommen. Der Stürmer, 1,90 Meter lang, passt perfekt ins Beuteschema des FCH: jung, lernfähig, deutschsprachig – und auf dem zweiten Bildungsweg nach oben gekommen.

Charakterstark und widerstandsfähig

Denn ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) hat er in der Jugend nie von innen gesehen. Was durchaus ein Vorteil sein kann – in Sachen Persönlichkeitsentwicklung und Widerstandsfähigkeit. In den NLZ kann sich ein Toptalent an einem schlechten Tag in einem Spiel auch mal bequem hinter den starken Mitspielern verstecken. In einem Unterbau wie in Reutlingen dagegen entschied über den Erfolg der Mannschaft die Leistung von Marvin Pieringer. Auch wenn der in seiner bescheidenen Art sagt: „Ich war zwar einer der Besseren, aber nie der absolute Ausnahmespieler.“

Nach seinem Abgang in Reutlingen 2018 machte der Spätzünder unter Coach Christian Preußer beim SC Freiburg II einen Sprung nach vorne. „Er gab mir Zeit, da er wusste, dass ich in der Jugend nie höherklassig gespielt habe“, sagt Pieringer. Nach einem halben Jahr beim damaligen Zweitligisten Würzburger Kickers, wo er trotz seiner Tore den Abstieg nicht verhindern konnte, ging es 2021 zum FC Schalke 04. Dort bestritt er auch ein paar Spiele an der Seite von Zweitliga-Torjäger-Legende Simon Terodde. „Von einem Absteiger in die dritte Liga zu einem solch großen Club: Das war der absolute Wow-Effekt, in diesem Stadion vor 60 000 Zuschauern dabei zu sein, das hat bei mir für Gänsehautatmosphäre gesorgt“, schwärmt Pieringer.

Liga-Auftakt in Wolfsburg

Solch top gefüllte Stadien wird er bei den Gastspielen des FCH öfter genießen können. „Das ist schon eine verrückte Geschichte, 2018 spielte ich noch in der Oberliga. Ich kann es kaum erwarten, bis es losgeht“, sagt Pieringer. Am 13. August (13 Uhr) steht das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal beim Rostocker FC an, am 19. August (15.30 Uhr) folgt die Bundesliga-Premiere beim VfL Wolfsburg.

Pieringer ist kein Lautsprecher, für die Show neben dem Platz sind andere zuständig. Was ihn auszeichnet, sind sein enormer Ehrgeiz, sein Wille, immer besser zu werden, seine Fähigkeit zur Selbstreflexion. Auf dem Rasen ist er ein enorm fleißiger Spieler, der den Gegner anläuft und sehr gut zum System von Trainer Frank Schmidt passt.

Schwerer ausrechenbar

Mit Pieringer sind die Heidenheimer schwerer auszurechnen. Es reicht für die Gegner nicht, sich auf Torjäger Tim Kleindienst (25 Zweitligatore 2022/23) zu konzentrieren. Die beiden Angreifer dürften sich gut ergänzen. Kleindienst ist ein beweglicher Spieler, der auch mal auf die Außenbahn ausweicht, sich oft anspielen lässt und auch etwas auf eigene Faust probiert. Pieringer dagegen ist eher der Abschlussspieler, der im Strafraum bedient werden möchte. In der Manier eines „Kriegers“ kann er viel einstecken, stürzt sich in jeden Zweikampf und beweist immer wieder seinen guten Torriecher.

Vergangene Saison erzielte er in 26 Spielen für Zweitligist SC Paderborn 14 Treffer, hinzu kamen zehn Assists. „Was die Strahlkraft des Clubs betrifft, war Schalke natürlich etwas anderes, aber ich habe mich unter Trainer Lukas Kwasniok weiterentwickelt, da ich konstant meine Einsatzzeiten hatte und dabei Tore erzielt oder vorbereitet habe.“

Jetzt also Bundesliga in Heidenheim. Pieringer ist optimistisch, dass der Klassenverbleib gelingt. „Hier ist enorm viel entstanden, ich will meinen Teil dazu beitragen, dass sich die Erfolgsgeschichte des FCH mit dem Klassenverbleib in der Bundesliga fortsetzt“, sagt er. „Mentalität, Kampfgeist, Wille müssen unsere Trümpfe sein.“ Genau die Tugenden, die der Spätzünder selbst verkörpert – und weshalb er eben so perfekt ins Heidenheimer Beuteschema passt.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu 1. FC Heidenheim Bundesliga