Maschinen aus Altdorf laufen in Uganda Firma tüftelt an E-Traktor

Wie kann das Wissen aus der Entwicklung dieser Elektro-Hacken auf ein Gefährt übertragen werden, auf dem der Bauer sitzt? Foto: Universität Kassel

Die Firma Innotech aus Altdorf hat im Sommer eine Förderung erhalten, um einen Traktor mit Elektroantrieb zu entwickeln. Das Unternehmen hat sich bereits einen Namen mit einem anderen „Supergerät“ gemacht.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Auf dem Tisch steht zu Beginn des Gesprächs bei der Innotech Ingenieursgesellschaft in Altdorf ein Teller mit getrockneten Äpfeln, Birnen, Bananen, Kiwis, Kakischeiben und Steinfrüchten. Und obwohl es bei dem Besuch eigentlich um etwas anderes geht, steht dieser Teller – oder eher das, was darauf liegt – für einen zentralen Tätigkeitsbereich der Firma. Von ihrem unscheinbaren Sitz im Altdorfer Gewerbegebiet aus setzen sich die insgesamt sieben Mitarbeitenden dafür ein, das Lebensmittel- und Nahrungsangebot weltweit besser zu sichern und dafür zu sorgen, dass künftig weniger Essen verschwendet wird. Ihr Ansatz: Was nicht direkt verbraucht werden kann, soll getrocknet und so haltbar gemacht werden – möglichst unter Einsatz von erneuerbaren Energien.

 
In Uganda wird mit Geräten aus Altdorf Bananenmehl hergestellt. Foto: Innotech Ingenieursgesellschaft

Dafür ist das Unternehmen unter anderem in Asien oder Afrika im Einsatz. Da werden verschiedene Techniken zur Trocknung schon lange eingesetzt. Die Technologien aus Altdorf könnten allerdings die Hygiene bei der Herstellung von getrockneten Produkten verbessern, sagt der Geschäftsführer, Albert Esper: „Man kann fast alles trocknen. Und wenn man es richtig macht, kann man die Produkte dann richtig lange lagern.“

Porridge aus Bananenmehl

Warum agiert Innotech aber auf der anderen Seite der Welt? Das sei historisch so gewachsen. „Innotech ist aus einer Ausgliederung aus der Universität Hohenheim entstanden“, sagt Esper. Er sowie Werkstattmeister Matthias Bubser und Birgit Huck, die neben ihrer Tätigkeit im Büro in der Werkstatt und im Labor arbeiten. Die zwei haben in ihrer Zeit an der Universität vorwiegend an subtropischen und tropischen Ländern mitgewirkt. Die Firma profitiere von diesen Beziehungen und dem Wissen.

Andere Netzwerke, beispielsweise die in einigen afrikanischen Ländern, hätten sich über die Jahre etabliert. In Uganda arbeite Innotech mittlerweile seit mehr als 20 Jahren daran, dass weniger Kochbananen weggeworfen werden. Zehn Millionen Tonnen werden dort laut der Webseite des Unternehmens jährlich geerntet. Sie sind ein wichtiges Grundnahrungsmittel für die gut 47 Millionen Einwohner in dem afrikanischen Land. „In Uganda gibt es eine große Fabrikationsanlage, die unter anderem von der Regierung finanziert wird“, erzählt Esper. „Die Ugander haben sich das Know-how erarbeitet, mit unseren Maschinen aus den Bananen Mehl herzustellen. Das Bananenmehl kann zu Porridge verarbeitet werden, das für Schulspeisungen gebraucht wird.“ Außerdem kann man damit backen – wenngleich derzeit nur, wenn man beispielsweise Weizenmehl zusetzt. Bananenmehl alleine habe keine guten Klebeigenschaften.

300 000 Euro Förderung vom Bund

Die Trocknung von Lebensmitteln ist aber nicht der einzige Bereich, in dem Innotech aktiv ist. Gemeinsam mit der Universität Kassel forscht die Firma daran, einen Elektro-Traktor zu entwickeln und so den Ausstoß von Schadstoffen in der Landwirtschaft zu verringern. Im Sommer hat die Technologiefirma vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Förderung bekommen, bei der es um das Thema Agrarklimaschutz geht. „Dass die hier in Altdorf ansässige Innotech Ingenieursgesellschaft rund 300 000 Euro erhält, ist ein toller Erfolg für hier beheimatete zukunftsorientierte Unternehmen“, sagt der Böblinger Bundestagsabgeordnete Tobias Bacherle (Grüne). „Von dieser Förderung profitieren wir alle: Die Menschen hier in Altdorf und der Forschungsstandort, genauso wie die Landwirtschaft, die beim praktischen, alltäglichen Klimaschutz unterstützt wird – und natürlich der Klimaschutz selbst.“ Auch bei der Entwicklung ihres vollelektrischen Pflegetraktors für kleine oder mittlere Agrarbetriebe haben sich Innotech und die Uni Kassel nicht unbedingt den deutschen Markt im Auge, wo Traktoren Jahr für Jahr größer und damit auch schwerer würden.

Ein Prototyp für die E-Hacke, die Innotech und die Uni Kassel schon zusammen entwickelt hatten, ist auf einem Feld im Einsatz. Foto: Universität Kassel

„In dem Fall hatte die Uni Kassel bei uns angefragt, weil wir schon mal etwas Ähnliches entwickelt hatten – eine E-Hacke“, sagt Esper. Diese Hacke werde zweirädrig angetrieben und sei mit Solarmodulen ausgestattet. Darauf wollen die Forscher aufbauen. „Wir haben viel Erfahrung mit dem Bau von besonderen Maschinen und Sonderanfertigungen, daher waren wir sehr interessiert.“ Gemeinsam mit der Uni habe man sich um die Förderung bemüht und freue sich, sie bekommen zu haben. „Jetzt haben wir drei Jahre Zeit“, sagt Esper.

Mechatroniker könnte helfen

Im Prinzip stehe man bei dem Forschungsprojekt noch komplett am Anfang. Eigentlich habe man im Sommer beginnen wollen. Das habe aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Nun ist es halt Winter geworden. „Wir haben auch das Problem, dass wir noch einen Landmaschinenmechatroniker suchen, der uns helfen kann“, sagt der Innotech-Geschäftsführer.

Der E-Traktor soll ungefähr die Größe eines Golfcarts haben, sodass ein Mensch darauf fahren kann. „Es soll kein Riesenschlepper werden“, sagt Esper. Die Anforderungen an Traktoren seien so hoch, dass die Batterien eines Traktors in herkömmlicher Größe enorm schwer würden, wenn sie die erforderlichen Kapazitäten hätten. „Vielmehr soll es ein Gerät für gewisse Tätigkeiten werden, das man ganztägig verwenden kann, ohne den Boden zu sehr zu verdichten.“ Dadurch, dass der Traktor keine Abgase ausstoßen würde, könne er sogar in Gewächshäusern verwendet werden.

Vieles ist noch offen

Themen, über die sich die Forscher noch Gedanken machen müssen, sind unter anderem Wechselakkus, die auf dem E-Traktor Platz finden sollten. Auch über eine Verstellbarkeit des Abstands zwischen den Rädern denke man nach.

Bis ein erster E-Traktor über die Felder Altdorfs fahren kann, muss also noch eine Menge passieren, obwohl bereits an einem Prototypen gearbeitet wird. An Ideen mangelt es den Tüftlern von Innotech jedenfalls nicht.

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