Maschinenbauer Burkhardt+Weber Schwaben hoffen auf Südamerika

Der  Maschinenbauer Burkhardt+Weber produziert Schwermaschinen Foto: Burkhardt+Weber
Der Maschinenbauer Burkhardt+Weber produziert Schwermaschinen Foto: Burkhardt+Weber

125 Jahre nach der Gründung sieht sich Burkhardt + Weber gut bei der brasilianischen Mutter Romi aufgehoben. Doch das Unternehmen stand auch schon am Abgrund.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)
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Reutlingen - In den Glasfassaden der neuen Zentrale spiegelt sich die Sonne, davor grünt frisch eingesäter Rasen. Rund fünf Millionen Euro hat der Reutlinger Maschinenbauer Burkhardt+Weber für die Hauptverwaltung ausgegeben, ein erster Schritt. Bis 2020 soll auch die Produktionsfläche kräftig erweitert werden. Die Höhe der Investitionen will Geschäftsführer Andreas Mittermüller nicht verraten, nur soviel: „Es ist ein Mehrfaches der Ausgaben für die Hauptverwaltung“.

Das Reutlinger Traditionsunternehmen sieht sich selbst als „Nischenanbieter“, doch in der Nische wird Großes produziert: Maschinen und Bearbeitungszentren, die zwei Stockwerke hoch, 15 Meter lang und sechs Meter breit sein können. Zu den Kunden gehören Hersteller von Dieselmotoren für Schiffe oder Lokomotiven, aber auch für Lastwagen, Baufahrzeuge oder der Maschinenbau ganz allgemein, etwa zwei Drittel des Umsatzes kommen aus dem Ausland. „Wir stellen keine Serienmaschinen her“, sagt Mittermüller. Doch bei den Kolossen hält man sich für einen der wichtigsten Anbieter weltweit. Seit Jahren schon liegt der Umsatz bei etwa 45 Millionen Euro, die Belegschaftsstärke bei 220 Mitarbeitern „in guten wie in schlechten Zeiten“, so Mittermüller. Im Augenblick sind die Zeiten eher gut, das Unternehmen ist „voll ausgelastet“. Die Erweiterungen sind nötig, weil mehr Platz für noch größere Maschinen gebraucht wird, werden aber auch in der Hoffnung auf eine dann mögliche Steigerung des Umsatzes getätigt. In den vorhandenen Hallen, teils neu, teils noch mit Sheddach, stößt man an Grenzen.

Dass die Schwaben, seit mehr als zehn Jahren inzwischen wieder in den schwarzen Zahlen, in die Zukunft investieren können, haben sie auch ihrer südamerikanischen Muttergesellschaft zu verdanken. Die Industrias Romi aus Santa Barbara d’Oeste bei Sao Paulo steht nicht nur seit 2012 als finanzkräftiger Partner im Hintergrund, sondern soll auch helfen, neue Märkte zu erschließen.

Neue Märkte für die Reutlinger, mehr Wissen für die Brasilianer

Vor 18 Monaten haben die Brasilianer den Maschinenbauer von der in Schwierigkeiten geratenen italienischen Riello-Gruppe übernommen. Bisher, so der Vorstandsvorsitzende Livaldo Aguiar dos Santos, sei Romi eher im mittleren Segment tätig gewesen. Mit Burkhardt + Weber will der Maschinenbauer nun auch oben mitspielen. Neue Märkte für die Reutlinger, mehr Wissen für die Brasilianer – ein schwäbisch-südamerikanischer Doppelpass. Die Zukunft des Unternehmens, das einst Reutlinger Industriegeschichte geschrieben hat, scheint gesichert, wieder einmal.

In der Weltwirtschaftskrise wurde das 1888 von Louis Burkhardt und Johann Weber gegründete Unternehmen schwer gebeutelt, im Zweiten Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört. Im Zeichen des Wirtschaftswunders ging es rasant aufwärts, bis zu 1000 Mitarbeiter wurden beschäftigt. Und Anfang der 1950erJahre wurde mit der ersten Transferstraße in Europa eine Meisterleistung abgeliefert. Später wechselten die Eigentümer relativ rasch: 1982 kaufte der Schweizerische Georg Fischer-Konzern das Familienunternehmen, Mitte der neunziger Jahre verscherbelten die Eidgenossen dieses an Finanzinvestoren. Diese führten die B+W Holding, der sie verschiedene marode Unternehmen angliederten, in die Insolvenz. Die Rettung kam schon 2001 aus dem Süden – Riello aus Italien. Und 125 nach der Gründung ruht die Hoffnung der Schwaben auf der südamerikanischen Romi-Gruppe.

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